LUXEMBURG
JAN SÖFJER

Nach dem Skiunfall seines Vaters entwickelt Niccolò Hurst ein Messgerät für Helme

Es war ein perfekter Tag zum Skifahren. Der erste Tag des neuen Jahres 2014. Es war sonnig. Niccolò Hurst, 15, ist unterwegs mit seinem Vater, seinem Onkel und seiner Schwester. Die Familie kommt jede Weihnachten hierhin in die italienischen Dolomiten. Niccolòs Mutter ist Italienerin, ihre Familie kommt aus Florenz. Niccolò hat schon als Kind begonnen, Ski zu fahren.

Die vier fahren bereits seit Stunden. Nun ist es Nachmittag und sie sind sie auf dem Weg zurück. Niccolò filmt seinen Vater vor ihm mit einer GoPro-Kamera, die an seinem Helm befestigt ist.

Dabei kommt er ihm zu nah. Sein Vater stürzt und schlägt mit dem Helm auf. Als die anderen ihn ansprechen, regt er sich nicht. Er ist bewusstlos. Und in seinem Helm ist ein Riss. Niccolò bekommt Angst.

Ganz in der Nähe ist zum Glück ein Chalet, wo man zum Essen einkehren kann. Von dort wird der Rettungshubschraber alarmiert. Niccolò möchte wissen, wie schwer sein Vater verletzt ist, aber der Notarzt kann es nicht sagen. Sie fliegen ihn ins nächste Krankenhaus. Auch dort müssen ihn die Ärzte erst eingehend untersuchen. „Ich wusste bis zum Tag drauf nicht, ob mein Vater in Ordnung war. Es hat mich schockiert, nicht zu wissen, wie schwer ich ihn verletzt hatte“, sagt Niccolò. Dann kommt der erlösende Befund: nur eine geringe Gehirnerschütterung.

Doch den Sohn lässt der Vorfall nicht los. Er denkt sich: „Warum gibt es keinen Helm mit einer Vorrichtung, welche die Erschütterung bei einem Aufprall misst, sodass alle sofort wissen, welche Kraft gewirkt hat?“ Niccolò beginnt Skizzen zu machen - und entwickelt einen elektronischen Prototypen. Doch was, wenn die Batterie leer ist?

Der erste (oben) und der zweite Prototyp. Bis zum 11. November ist die Entwicklung noch in einer Ausstellung im Forum Campus Geesseknäppchen zu sehen.  - Lëtzebuerger Journal
Der erste (oben) und der zweite Prototyp. Bis zum 11. November ist die Entwicklung noch in einer Ausstellung im Forum Campus Geesseknäppchen zu sehen.

Niccolò wird bewusst, dass das Gerät mechanisch sein sollte und so schlicht wie möglich. Er entwickelt einen anderen Prototypen und dann noch einen kleineren nach dem gleichen Prinzip: Eine kleine sehr längliche Schachtel mit einem Gewicht in der Mitte. An den Seiten Federn. Bei einem Aufschlag von der Seite rastet das Gewicht bei einer gewissen Kraft ein - abhängig von der Stärke der gewählten Feder -, die Markierung außen wechselt von grün zu rot.

Premier Bettel gratuliert

Beim jährlichen Wettbewerb der „Jonk Fuerscher“ im März 2015 gewinnt Niccolò Hurst mit seiner Konstruktion den ersten Platz. Und auch bei dem „China Adolescents Science and Technology Innovation Contest“ im August 2015, bei dem er für Luxemburg antritt, gewinnt er den ersten Platz.

Wieder in Luxemburg gratuliert Premier Xavier Bettel ihm persönlich und bietet an, die Patentkosten zu übernehmen, wenn es so weit sein sollte. Der heute 18-Jährige würde sich freuen, wenn seine Idee es irgendwann einmal zur Marktreife schaffen würde. Der Sensor müsste dafür natürlich kleiner und professioneller gebaut werden.

Die Prototypen entstanden mit einfachsten Mitteln. Der junge Entwickler ist sich aber sicher: „Es gibt einen Markt dafür.“ Zuletzt hat sich Niccolò auf sein Abitur an der „European School“ konzentriert.

Vergangene Woche ist er nach London umgezogen, um dort sein „Mechanical Engineering“-Studium am Imperial College zu beginnen. Einen Professor dort kennt er bereits. Er beschäftigt sich mit der Sicherheit von Helmen.

Niccolò Hurst gewann mit seiner Entwicklung den jährlichen Preis der „Jonk Fuerscher“ sowie einen internationalen Preis in China. - Lëtzebuerger Journal
Niccolò Hurst gewann mit seiner Entwicklung den jährlichen Preis der „Jonk Fuerscher“ sowie einen internationalen Preis in China.