NIC. DICKEN

Zwei ebenso spektakuläre wie tragische Vorfälle innerhalb weniger Tage haben uns in der vergangenen Woche, sofern dafür noch Bedarf bestanden haben sollte, vor Augen geführt, wie hart und unerbittlich, ja fast schon kriegerisch es mittlerweile im zivilen Verkehr auf unseren Straßen zugeht. Terminstress und Zeitnot auf der einen, Geltungsdrang, Protzgehabe und falsch verstandene Schlaumeierei auf der anderen Seite sind wesentliche Faktoren für eine zunehmende Verrohung der Sitten im verkehrstechnischen Miteinander, das doch eigentlich auf die festgeschriebenen Regeln und rücksichtsvolle Koexistenz aufgebaut sein müsste.

Kontrollen im Straßenverkehr gibt es, seit motorisierte Fahrzeuge in immer größerer Zahl die Verkehrswege bis hin zum Kollaps füllen, und die Vielzahl der festgestellten Verstöße zeigen deutlich, dass sie nach wie vor notwendig sind. Dem jeweils Betroffenen kommt die Kontrolle von Fahrverhalten und ordnungsgemäßem Zustand des Fahrzeugs in jedem Fall ungelegen, sei es auch nur, weil sie immer auch einen Zeitverlust bedeutet, den sich die wenigsten leisten zu können glauben.

Dabei haben die Kontrollen vor allem ein wesentliches Ziel: Die Erhaltung und mögliche Verbesserung der Sicherheit, die letztendlich allen Verkehrsteilnehmern zugute kommt. Das zu verstehen erfordert allerdings eine Akzeptanz, zu der erwiesenermaßen längst nicht alle Autofahrer fähig und bereit sind. Die Angst vor eventuellen Strafen führt dazu, dass sich viele, in der Regel solche Fahrer, die sich des eigenen Fehlverhaltens ohnehin bewusst sind, dazu berufen fühlen, diese Kontrollen möglichst zu umgehen.

Solange es bei Ausweichmanövern bleibt - wer hat nicht schon mal die vorgesehene Route geändert, wenn ihm mitgeteilt wurde, dass dort eine Kontrolle durchgeführt wird? - , kann man derartige Umgehungen tolerieren. Wo allerdings Haltezeichen missachtet oder die Ordnungskräfte in Ausübung ihres Dienstes in Gefahr gebracht werden, da hört dann der Spaß schnell auf. Viele tragische Vorfälle haben uns in den letzten Jahren vor Augen geführt, was daraus entstehen kann, wenn das Fahrzeug in solchen Situationen als Waffe missbraucht wird. Den Betroffenen ist in den seltensten Fällen bewusst, dass keine Sanktionierung von Fehlverhalten so schlimm sein könnte wie die Konsequenzen, die sich aus derartigem Rambo-Verhalten ergeben können.

Eben die tödlichen Schüsse auf einen Fahrer in Bonneweg und der tragische Unfalltod eines Polizeibeamten am „Lausduer“ haben uns innerhalb weniger Stunden deutlich gemacht, welche Tragik aus solch unverantwortlichem Verhalten entstehen kann.

Es ist legitim, dass jeder Fahrzeugführer seine Freiheit voll auskosten will. Nur gibt es aber eben keine Freiheit, die nicht auch Verantwortung für das eigene Verhalten beinhalten würde. Ein verstärktes Bewusstsein für diese Verantwortung stünde jedem Verkehrsteilnehmer gut zu Gesicht.