LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Ehepaar steht wegen mutmaßlicher Kindesmisshandlung vor Gericht

Was geht in Eltern vor, die ihre Kinder regelmäßig schlagen? Diese Frage muss sich aktuell auch das Gericht in Luxemburg stellen. Am Freitag standen Laurent (34) und Christiane G. (35) erneut vor der 13. Strafkammer im Bezirksgericht Luxemburg. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, ihre drei Kinder zuhause in Tetingen misshandelt und geschlagen haben. Die Taten gehen auf die Jahre 2014 bis 2016 zurück, als die Kinder vier, sechs und zehn Jahre alt waren. Der Vater sei ziemlich autoritär und die Mutter dulde keinen Widerspruch. Laut Staatsanwaltschaft wuchsen die Kinder auf in einer Welt voller Angst und brutaler Gewalt. Weil die Kinder nicht artig waren, gab es laut Staatsanwaltschaft regelmäßig Schläge. Ohrfeigen und Prügel mit dem Holzlöffel setzte es beim geringsten Fehlverhalten. Der Vater soll mit Händen und Fäusten auf die Kinder eingeschlagen haben - ins Gesicht oder auf den Hinterkopf. Laut Anklage haben diese Eltern ihre Kinder physisch und seelisch traumatisiert.

Zeichen für Hilflosigkeit der Eltern?

Laut Familienberatern schlagen Eltern ihre Kinder oft aus reiner Hilflosigkeit. Gewalt sei meistens eine physische Abkürzung, um schnell Probleme zu lösen. Oder sie schlagen ihre Kinder, weil sie selbst geschlagen wurden. Im Regelfall hätten diese Personen Schwierigkeiten in ihren Familien gehabt. Es drehe sich meistens um „psychisch schwache, unstrukturierte Eltern“, die sich nicht unter Kontrolle haben würden und die nicht in der Lage seien, ihre eigenen Bedürfnisse zurückzustellen, komplett überfordert wären und dann ihr Kind schlagen würden. Am Anfang sei es meistens ein Klaps auf die Hand. Wenn die Erziehungsmethoden aber nicht mehr fruchten, sei es irgendwann soweit, dass die Eltern ihr Kind regelmäßig schlagen würden.

Doch die Verhandlung steckte am Freitag in einer juristischen Sackgasse. Grund: Verteidiger Gennaro Pietropaolo stellte in einem Antrag die Gültigkeit des Protokolls der Jugendschutzpolizei vom 12. Juli 2017 sowie sämtliche Verfahrenshandlungen in Frage. Darunter sind drei Tonaufnahmen mit den Aussagen der minderjährigen Kinder. So sollen diese Aufnahmen gegen die Strafprozessordnung verstoßen. Deshalb wird das Gericht am 20. Dezember mit einem Zwischenurteil bekannt geben, ob der Prozess neu verhandelt wird. Der Prozess wurde bereits zweimal vertagt. Der Vater war zweimal nicht vor den Richtern der 13. Strafkammer des Bezirksgerichts erschienen. Als Grund gab sein Verteidiger an, der Angeklagte sei krank und darum nicht verhandlungsfähig gewesen.

Das Zwischenurteil erfolgt am 20. Dezember.