LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Brandstiftung im Gefängnis - Schaden klein, Aufsehen groß

Weil sie in der Justizvollzugsanstalt Schrassig Feuer gelegt hatten, müssen sich seit Mittwoch zwei Brandstifter vor dem Bezirksgericht Luxemburg verantworten. Ihnen wird auch Rebellion und Körperverletzung zur Last gelegt.

Aus Ärger sollen die Strafgefangenen, Paulo A. (22) und Alessandro F. (33) am 28. April 2015 Feuer in der Justizvollzugsanstalt Schrassig, im Block B/P3, gelegt haben. Die beiden hatten mutmaßlich eine Matratze von innen direkt gegen die Zellentür gelehnt und mit einem Feuerzeug angezündet. Justizangestellte konnten die Flammen jedoch schnell löschen. Das Feuer zerstörte das Bett und die Matratze in dem betroffenen Haftraum. Die beiden Häftlinge wurden zur Sicherheit in ein Krankenhaus gebracht, konnten aber nach kurzer Untersuchung wieder entlassen werden. Andere Personen wurden durch den Vorfall weder verletzt noch gefährdet.

Nach Angaben eines Polizisten wurden nach dem Vorfall, die verbrannte Matratze, Scherben einer Porzellanschüssel, zwei Gabeln und drei Flaschen mit Alkohol auf dem Boden der zerstörten Zelle gefunden.

Was war wirklich in der Zelle passiert?

Dennoch ist der Fall voller Unklarheiten, so sah es gestern zunächst so aus, als ob das Verfahren auf ein späteres Datum vertagt würde. Über einen Zeitraum von mehr als einer Stunde beriet sich das Gericht mit den Prozessbeteiligten. In knapp 36 Monaten ist es dem Bezirksgericht Luxemburg nicht gelungen, alle Unklarheiten und Widersprüche in diesem Fall offen zu legen, der weit über das Gefängnis hinaus Wellen geschlagen hat. Doch nun scheint die Vorsitzende Richterin Elisabeth Capesius entschlossen, den Prozess schnell zu Ende zu bringen. Der zweite Verhandlungstag wurde auf kommenden Montag verlegt, und findet nicht wie vorgesehen heute statt. Weitere Zeugen, darunter ein Brandexperte, werden dann aussagen, um die Abläufe am 28. April 2015 zu rekonstruieren, ebenso wie die auslösende Situation.

Die Frage nach dem „Warum?“ bleibt

Ob die Brandstiftung als Protesthandlung oder Folge einer Psychose einzustufen ist, vielleicht sogar ein Suizidversuch vorlag, versuchten zwei Psychiater zu klären. Gestern trugen sie ihre Gutachten über den Angeklagten Paulo A. vor. Der erste Gutachter, Dr. Reynaud, ist überzeugt, dass der Brandstifter Paulo A. wegen einer Persönlichkeitsstörung wenigstens zum Teil nicht zur Rechenschaft gezogen werden kann. Der Betroffene sei derart reizbar, dass ihn bereits eine kleine Meinungsverschiedenheit zu einer Gewalttat animieren könne. Der Gefangene gelte deshalb, entsprechend dem Artikel 71.1 des Strafgesetzbuches als - eingeschränkt - schuld- und steuerungsunfähig.

Die Meinung des zweiten Gutachters, Dr. Gleis, wich etwas ab, aber in einem zentralen Punkt waren die Psychiater derselben Meinung: Wenn der Patient selbst nicht einsieht, dass seine Einstellung gegenüber seinen Mitmenschen und sein Verhalten problematisch sind, sei keine Therapie möglich. Dr. Gleis kam allerdings zur Überzeugung, dass der Gefangene Paulo A. voll schuldfähig ist.

Psychiatrische Behandlung verweigert

„Die Medikamente haben mich kaputt gemacht“, schrie der Mann in den Saal. Er habe keinen Bock auf Antidepressiva und Stimmungsaufheller, beteuerte er vor Gericht. Deshalb verweigere er jegliche psychiatrische Behandlung. Für ihn gibt es keine Medikamente, die sich als wirksam erwiesen hätten. Das Gericht solle über ihn urteilen, „ich will meine Strafe bis zum letzten Tag absitzen“, sagt er.