LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Prozess um Raub in Bereldingen geht mit Angeklagtenvernehmungen weiter

Eigentlich steht die Mittäterschaft der Beteiligten am Raub in Bereldingen fest. Das Gericht will aber feststellen, wer von den vier Angeklagten welchen Tatbeitrag geleistet hat. Zwar geben die vier Angeklagten Sendy Hamed F., Kevin H., Amandine U. und Marouan H. an, beim Raub auf das Ehepaar in Bereldingen dabei gewesen zu sein. Sie schieben sich aber gegenseitig die Schuld zu.

Auf der Anklagebank fehlt eine wichtige Person: Kenan D.. Besonders brisant: Sendy Hamed F. hatte am Mittwoch während des Verfahrens den Angeklagten D. als Auftraggeber und Mittäter belastet. Er beteuert, sein Tatbeitrag beruhe schlussendlich nur auf dem Druck von K., dem er permanent ausgesetzt sei. In anderen Worten: Er hat unfreiwillig und nur unter Druck geraubt. Somit bezichtigt er seinen mutmaßlichen Komplizen D. der Anstiftung zum Raub.

Auch am Donnerstag durften sich die Zuschauer im Sitzungssaal kurz wieder auf seine One-Man-Show freuen. Sein impulsives Auftreten, zeigt dass er ein sprachgewandter Blender ist. Er ist manchmal unbeherrscht, hat den Raub von vorne bis hinten organisiert, F. stellte sich wieder vor die Richter, als sei er völlig unbeteiligt am Leiden seiner Opfer gewesen. Sein Bedauern für die Tat ist oberflächlich. „J‘étais souvent dans un état second“, beteuerte er vor Gericht.

Wie erfolgte die Tatplanung?

H. wirkte in seiner gerichtlichen Vernehmung ruhig und ausgeglichen. Er gab zu Protokoll, dass ihm der „Einbruch“ in Luxemburg vorgeschlagen wurde, in der Wohnung würde sich ein Tresor befinden. Er hätte dann zugesagt, mitzumachen.

Am nächsten Tag gegen 11.00 lernte er den Angeklagten F. kennen. Vor dem „Einbruch“ hätten sie in einem Hotel übernachtet. Sie seien dann zum zweiten Mal zu viert nach Luxemburg gefahren. Im Wagen hätte auch eine Frau gesessen. Den Wagen hätten sie in einer Nebenstraße geparkt. Er hätte es sich aber plötzlich anders überlegt und wollte nicht mehr mitmachen. Es hätte sich bisher immer nur einen Einbruch gehandelt. Nie war Rede von einem Raub. Im Wagen sei er dann überredet worden, doch mitzumachen. Die Wohnungsinspektion zusammen mit der Frau sei normal verlaufen. Plötzlich seien Sendy F. und Marouan H. aufgetaucht und seien in die Wohnung gestürmt. Niemand sei vermummt gewesen. Sie hätte die Frau zu Boden gestoßen, sie geknebelt, gefesselt und mehrfach geschlagen.

Die drei Hauptangeklagten lieferten sich am Donnerstag einen versteckten Streit vor Gericht. Kevin H. hatte sich während der richterlichen Vernehmung im Griff. Nach seinen Aussagen war er zwar am Raub beteiligt, er sei aber schockiert gewesen. Eine Waffe hätte er nie gehabt. Die 1.000 Euro, die man ihm versprach, hätte er nie bekommen. Er sagt aber, dass er bedroht wurde und dass er beim Raub Handschuhe getragen habe und bestreitet formell, dass er keine Waffe gezogen hätte. Die Frau sagte das Gegenteil. Schon bei der ersten Identifizierung hatte die Zeugin angegeben, wie sicher sie sich ihrer Aussage ist.

Während sich die Mitangeklagte Amandinde U. am Donnerstag als Mitläuferin präsentierte, will sie andererseits nichts von den Überfallplänen gewusst haben. Sie gibt zu, nicht zufällig am Tatort gewesen zu sein. Von einer Wohnungsinspektion wäre aber nie die Rede gewesen. Sie war davon überzeugt, mit H. auf eine Feier zu gehen. Weil sie nicht mehr mitgehen wollte, hätte Kevin H. gesagt „Tu le fais, tu la fermes.“ Den Raub hätte sie aber nicht voraussehen und daher auch nicht verhindern können. Trotzdem hält die Staatsanwaltschaft ihr Mitwissen vor, mindestens durch schlüssiges Handeln, für hinreichend nachgewiesen.

Es sind Geschichten, die sie erzählt, unter anderem auch unter großer Angst. Angst vor Repression und Gewalt, weshalb sie sich auch eine andere Wohnung gesucht hat.

Der Prozess wird am 25. Oktober 2018 fortgesetzt.