LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Mitglieder einer „Home-Jacking“-Bande stehen vor Gericht

Vor der Kriminalkammer des Bezirksgerichts Luxemburg hat gestern der Prozess gegen Mitglieder einer „Home-Jacking“- und Einbrecher-Bande begonnen. Mit diesem Fall hat die Kriminalkammer es mit Formen des organisierten Verbrechens zu tun. Drei mutmaßliche Mitglieder im Alter zwischen 22 und 30 Jahren sitzen seit 26 Monaten in der Strafvollzugsanstalt Schrassig: Jason B. (22), Laetitia B. (30) und Ceca J., alias J. Svetlana, alias J. Bruna (27). Zu der Bande sollen noch zwei weitere Täter gehören. Die beiden sind zurzeit in belgischen Strafanstalten inhaftiert. Dabei handelt es sich um Alex J. (31), genannt „le Gitan“, und Logan B. (24).

Den fünf mutmaßlichen Tätern wirft die Staatsanwaltschaft Luxemburg vor, am 13. September 2014 gemeinsam in einem Haus in Eischen „Home-Jacking“ begangen zu haben. Dies bezeichnet eine Variante des Kfz-Diebstahls, bei der die Täter in Wohnungen oder Häuser einbrechen, dort die Kfz-Schlüssel mitnehmen und die in der Garage oder in der Nähe abgestellten Kraftfahrzeuge mit Hilfe der Originalschlüssel entwenden.

Mit professionellem Werkzeug hatten sich die Täter Zugang verschafft. Dann durchwühlten sie die Wohnung nach dem Safe- und den Autoschlüsseln. Dabei wurden die 86-jährigen Besitzer des Hauses geweckt, später geschlagen und mit einer Waffe bedroht. Der alte Mann, der gestern aussagte, war von den Tätern in den Keller geschleppt worden. Dort musste er den Panzerschrank öffnen. Wertsachen wie Armbänder, Halsketten, Ringe, Uhren, Bargeld und Handys wurden gestohlen. Der Mann beantragte gestern in seiner Nebenklage einen Schadenersatz von 50.000 Euro.

Oft teilten sich die Ganoven die Arbeit

Eine große Rolle im Verfahren spielt Alex J.. Er wurde 2007 von der Kriminalkammer in Charleroi wegen organisierter Kriminalität und Verbrechen zu 20 Jahren Haft verurteilt. Im Jahr 2012 hatte seine spektakuläre Flucht, während er ins „CHR High Senne“ von Soignies ins Krankenhaus eingeliefert wurde, für Aufsehen gesorgt.

Die belgische Staatsanwaltschaft verweigerte allerdings die Auslieferung der beiden Täter nach Luxemburg. Bei ihnen soll es daher zu einer Abtrennung des Verfahrens kommen, was bedeutet, dass ihnen zu einem späteren Zeitpunkt der Prozess gemacht würde. Allerdings sagte gestern Maître Sébastian Lanoue, Verteidiger des Angeklagten Alex J., dass die luxemburgische Justiz durch eine Direktive des Europäischen Parlaments und des Europäischen Rats von der belgischen Justiz verlangen könnte, die beiden Angeklagten Alex J. und Logan B. nach Luxemburg auszuliefern. Man müsste in diesem Fall mit einer Verzögerung von rund zwei Monaten rechnen. Das Gericht zog sich zur Beratung zurück. Nach einer Stunde Beratung entschieden die Richter der Kriminalkammer, diesem Antrag des Verteidigers nicht stattzugeben.

Drei Banden-Mitglieder sind außerdem noch wegen 18-fachen Einbruchdiebstahls angeklagt. Zwischen Oktober 2013 und Juli 2014 soll die Bande im Osten des Großherzogtums 18 Einbrüche versucht oder vollendet und dabei einen hohen Schaden verursacht haben. Die Taten verliefen in unterschiedlicher Konstellation: So sollen die mutmaßlichen Täter Alex J., Ceca J.und Laetitia B. vierzehn Einbrüche verübt haben. Auf die Einbrecher-Formation Alex J., Laetitia B. und Jason B. sollen drei Einbrüche kommen. Alex J. und Laetitia B. sollen einen Einbruch begangen haben. Dem mutmaßlichen Duo Alex J. und Jason B. wird außerdem noch ein einfacher Diebstahl zur Last gelegt. Die Beschuldigten waren laut Anklage vorwiegend nachts in Häuser eingedrungen, um Bargeld, Schmuck oder sonstige Wertsachen zu stehlen - so in Luxemburg, Walferdingen, Mamer, Garnich, Hautcharage, Eischen, Beckerich, Steinfort, Koerich, Olm, Capellen, Everlingen/Laichent und Strassen. Durch eine DNS-Analyse kam die Polizei den Tätern auf die Spur. Nach telefonischer Überwachung wurde die Bande festgenommen. Für den Prozess sind vier Tage vorgesehen. Die drei Angeklagten sind geständig.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.