LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Berufungsverfahren im Prozess um Schifflinger Juwelierüberfall

Vor dem Berufungsgericht Luxemburg stand gestern ein vielfach vorbestrafter Serbe. Er geht gegen ein Urteil bezüglich einer Haftstrafe von sechs Jahren in Berufung. Der Angeklagte Dragan P. (50) hat am Montag gegen das Urteil vom 8. März 2018 des Bezirksgerichts Luxemburg (erste Instanz) Berufung eingelegt.

P. war wegen der Beteiligung an einem Überfall zu sechs Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Mann verbüßt seine Strafe in der Strafvollzugsanstalt Schrassig.

Im Mai 2012 hatten mindestens drei Täter ein Juweliergeschäft in Schifflingen überfallen. Die Täter hatten in der späten Nacht ein Seitenfenster des Juweliergeschäfts eingeschlagen. Zwischen den Glasscherben rafften die maskierten Männer Schmuck im Wert von 37.000 Euro aus der Auslage und aus dem Geschäft.

Angriff oder Verteidigung mit Baseballschläger?

Der Einbruchsfall machte vor allem deshalb Schlagzeilen, weil der Geschäftsinhaber von dem Lärm wach geworden war, auf die Straße gelaufen und die Täter mit einem Baseballschläger angegriffen hatte. In dem im Berufungsprozess gezeigten Video war zu sehen, wie der Besitzer des Juwelierladens mit voller Wucht auf die Einbrecher einschlägt. Der Einbruch bleibt für den Besitzer des Juweliergeschäftes eine belastende Geschichte.

Der Angeklagte musste sich gestern einer Reihe von Fragen der Vorsitzenden Richterin stellen. So unter anderem auch, wie er und die anderen Täter auf die Idee kamen, in Luxemburg in einen Juwelierladen einzubrechen. Der 43-jährige Serbe gab an, er habe sich die Taten damals nicht so vor Augen geführt, wie er es heute tun würde. Heute tue es ihm leid. Er will seine Familie wiedersehen. Die Verteidigung hat im Laufe des Berufungsverfahrens das Opfer scharf kritisiert, das Opfer habe Selbstjustiz verübt. „C’était très violant“, so der Verteidiger Says. Die Verteidigung will eine Abänderung des erstinstanzlichen Urteils. Maître Eric Says bat das Gericht, die Freiheitsstrafe seines Mandanten herunterzusetzen.

Die Anklage bleibt bei ihrem Argument. Fakt sei, man rede hier von einem Überfall, sagte die Staatsanwältin. Der Überfall sei organisiert gewesen. „Wir reden hier nicht von einem Drogensüchtigen, der in einem Laden klaut, um sich Drogen zu kaufen.“ Für die Staatsanwältin soll es beim erstinstanzlichen Urteil von sechs Jahren bleiben.

Auf der Flucht

Ein weiterer Täter aus dem Einbrecher-Clan ist Ljubinko Dechnik (55). Dieser Mann war wegen der gleichen Straftat in einem Versäumnisurteil ebenfalls zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der Einbrecher war zur Prozessverhandlung gar nicht erschienen. Er ist zur Fahndung ausgeschrieben. Der Mann hat seine Strafe nie angetreten.

Das Urteil wird am 24. Oktober gesprochen.