LUXEMBURG
SVEN WOHL

„De Bichergeck“ liest nicht nur, sondern teilt ihre Liebe zur Literatur mit anderen

Literaturblogs gibt es im Netz wie Sand am Meer. In Luxemburg sind sie dagegen eine Seltenheit. Doch wer die Lust zum Lesen bei anderen wecken möchte, dem bleibt keine andere Wahl, als über das Netz seine Liebe zur Literatur zu verbreiten. „De Bichergeck“, oder Jessica Mersch, tut genau dies bereits seit Jahren. Wir haben die Bloggerin gesprochen, um einen tieferen Einblick zu erhalten.

Wie ist es dazu gekommen, dass du einen Bücherblog eröffnet hast?

Jessica Mersch Eigentlich habe ich die Facebookseite gegründet, um meine Bücher im Second Hand zu verkaufen. Durch eine Aktion von Jerome Jaminet habe ich dann allerdings meinen ersten Text geschrieben. Das sollte man eigentlich als Video verarbeiten, aber das habe ich mich nicht getraut. Dabei habe ich aber festgestellt, dass es mir Spaß machte, diesen Text zu schreiben. Ergo habe ich meine Second-Hand-Bücher gelöscht und aus dem „Bichereck“ einen „Bichergeck“ gemacht.

Der Name trifft auf dich zu?

Mersch Ja! Ich lese Bücher seit ich lesen kann. Zu jeder Gelegenheit schenkte man mir als Kind Bücher, etwas anderes wollte ich gar nicht. Die neuen Schulbücher habe ich früher jedes Jahr in der Schule schon im Voraus gelesen.

Du widmest dich auch stark der luxemburgischen Literatur. Ist die etwas Besonderes für dich oder ist es für dich eine Literatur unter vielen?

Mersch Sowohl als auch. Die Literatur Luxemburgs ist etwas Besonderes für mich, auch weil ich bis vor kurzem noch nichts auf Luxemburgisch gelesen hatte. Da habe ich allerdings mittlerweile viele Schmuckstücke entdeckt! Unter den Luxemburger Autoren gefällt mir vor allem Jhemp Hoscheit („Klangfaarwen“, „Mondelia“).

Welche Art von Leser sprichst du mit deinem Blog an?

Mersch Ich spreche vor allem Vielleser an. Durch den Blog wird die Wunschliste immer größer. Wir tauschen uns auch untereinander aus, was lesenswert ist.

Was konntest du für dich entdecken durch den Blog?

Mersch Jugendbücher und Fantasy konnte ich durch den Blog für mich entdecken. Diese Art der Literatur war vorher nicht so sehr auf meinem Radar. Darunter auch Anne Freitag und Luc François - letzterer war meine erste Erfahrung mit Fantasy.

Hast du das Gefühl, dass mehr oder weniger gelesen wird wie zu deiner Jugendzeit?

Mersch Definitiv weniger. Heute hat man auch einfach eine größere Auswahl: Fernsehen, Spielekonsolen, soziale Medien und so ähnliches nehmen da viel Zeit in Anspruch.

Lässt sich der Trend irgendwie umkehren?

Mersch Blogger könnten da durchaus etwas daran ändern. Im Moment versuche ich es mit Überraschungspaketen (auf Luxemburgisch: „Virwëlztuten“), denn überraschen lässt sich doch jeder gerne! Ich bin davon überzeugt, dass es für jeden das passende Buch gibt - man muss es nur finden.

Wie viele Bücher liest du im Jahr?

Mersch Das hängt ein wenig von meiner Lust ab - und natürlich auch von der Hitze! Drei bis vier Bücher in der Woche kommen da aber durchaus zusammen. Für ein Buch brauche ich vielleicht zwei bis drei Stunden. Selbst nach Jahren kann ich Bücher zusammenfassen, nachdem ich den Klappentext gelesen habe.

Wenn es mir nicht gefallen hat, lese ich ein Buch durchaus ein zweites Mal. Aber auch, wenn es mir ganz gut gefallen hat. Wenn mir das Buch nicht gefallen hat, gebe ich ihnen gerne eine zweite Chance. Manchmal gefallen sie mir dann doch.

Wie besorgst du dir deine Bücher?

Mersch Am liebsten gehe ich immer noch in den Bücherladen. Recherchieren tue ich online, aber bestellen tu ich sie im Laden. Bibliotheken nutze ich leider viel zu selten. Da müsste ich einmal stärker drauf setzen. Mit eBooks kann ich dagegen weniger gut.

Auch wenn weniger gelesen wird, halten Bücher oft gerne als Stoff für Filme und Serien her. Wie gefallen dir solche Umsetzungen?

Mersch Da hängt es wirklich ganz von der Umsetzung ab. „Gone Girl“ beispielsweise war eine großartige Verfilmung. Bei den Stephen King Verfilmungen gibt es starke Qualitätsschwankungen. „Dreamcatcher“ (im Original „Duddits“) dagegen fand ich eher misslungen. Auch „Under the Dome“ musste da enttäuschen. Bei „Ein Mann namens Ove“ von Fredrik Beckmann waren sowohl die Vorlage wie auch die Umsetzung gut.


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