LUXEMBURG
SVEN WOHL

„Augmented Reality“ verwandelt unseren Alltag

Wie eine Schablone legt sie sich über unsere Realität, reichert sie an mit neuen Informationen und verwandelt sie somit. „Augmented Reality“ (Gesteigerte Realität) ist eines jener Konzepte, das wie Science-Fiction klingt, sich jedoch in unseren Alltag geschlichen hat. Populärer wird sie allein deshalb schon, weil sie auf bereits bestehende und weit verbreitete Technologien zurückgreifen kann - Allen voran das Smartphone.

Vom Einzelfall zur Omnipräsenz

Das war nicht immer so. Als die ersten Systeme für die amerikanische Luftwaffe und die NASA in den 90er Jahren entwickelt wurden, waren diese immer an Maschinen gebunden. Das lag auch daran, dass ihr Nutzen begrenzt war und sich vor allem auf die Unterstützung von Piloten konzentrierte.  Fern war der Traum einer digital gesteigerten Realität, die jederzeit abrufbar ist.

Spulen wir vor ins Jahr 2016 und die ganze Welt leidet unter dem „Pokémon Go“-Fieber, einer spielerischen Anwendung, die ebenfalls auf „Augmented Reality“ zurückgreift. Hier spielen zahlreiche typische Funktionen zusammen: GPS-Daten werden genutzt, um die Nutzer zu lokalisieren, die Kamera hält als Tor zur Welt her und auf dem Bildschirm betrachtet man die Monster, die sich in der realen Umgebung befinden. Im Hintergrund hält das mobile Internet die Verbindung zum Spieleserver aufrecht. Ein komplexes technisches Zusammenspiel, das ein großes Potenzial in sich birgt.

Niedrige Hürden 

Es ist ein bemerkenswertes Zusammenspiel der Sensoren: Kompasse, Gyroskope, Kameras, GPS, RFID – sie alle können zusammenarbeiten. Desto mehr die Sensoren im Einklang sind, je mehr lässt sich erreichen. Verständlich also, dass im kulturellen, medizinischen und militärischen Bereich das Interesse groß ist. Auch in der Bildung könnten die neuen Techniken für einen plastischeren Unterricht sorgen. Da heute jeder ein Smartphone oder Tablet bei sich hat, sind die Hürden zur Nutzung, anders als bei der virtuellen Realität, wo teure extra-Hardware benötigt wird, bemerkenswert gering.

Derweil tummeln sich auf den Smartphones bereits zahllose Applikationen, die auf diese Tools zurückgreifen. Sei es das Scannen eines QR-Codes, das automatische Übersetzen eines Schriftzuges über die Kamera oder die Bearbeitung eines Selfies via Snapshat: Augmented Reality schöpft immer wieder neue Möglichkeiten aus. Allein schon, weil sie sich der fortschreitenden Digitalisierung des Alltags anpassen muss. •

Zum Begriff

Augmented Reality

Bei der „Augmented Reality“ wird die Realität genommen und durch digitale Mittel angereichert. Im Praxisfall bedeutet dies meistens, dass die Realität mit einem Sensor (oft eine Kamera) erfasst wird und auf einem Wiedergabegerät (zum Beispiel ein Bildschirm) verändert dargestellt wird. Dieses Konzept ist von der „Virtual Reality“ zu unterscheiden, da dort eine Realität komplett virtuell dargestellt wird. Ein Brückenkopf stellt die „Mixed Reality“ dar, wo virtuelle Realität in einem realen Raum existieren kann – und umgekehrt!