LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

35-Jähriger hält Rettungskräfte mit Messer in seiner Wohnung fest - auch Regierungsrat hat sich mit dem Thema beschäftigt (siehe Update unten)

Sie sind rund um die Uhr im Einsatz für jeden von uns - und doch werden sie mitunter an ihrer Arbeit gehindert, beleidigt oder gar angegriffen: Am 2. Mai 2017 wurden drei Rettungssanitäter von einem 35-jährigen Mann in dessen Wohnung angegriffen und auch festgehalten. Eine Rettungsassistentin wurde dabei verletzt. Gestern stand der Mann vor Gericht und konnte sich an gar nichts mehr erinnern.

Wie ein Polizist am Donnerstagmorgen vor Gericht aussagte, hatte die Ehefrau am 2. Mai 2017 gegen 18.00 den Rettungsdienst gerufen, weil sie sich Sorgen um ihren Mann machte. Die Sanitäter trafen gegen 18.00 ein und fanden den Mann in der Küche auf seinen Knien hockend vor. Für die Sanitäter war es wichtig, die Situation vor allem medizinisch einzuschätzen. Laut Staatsanwaltschaft war der Mann schon sehr früh auf Alkoholtour und hatte bereits gegen 16.00 Probleme in einem Restaurant.

Mit 2,06 Promille einen Filmriss?

Der Angeklagte sei zwar verbal aggressiv gewesen, habe sich jedoch zunächst behandeln lassen. Während der Behandlung sollte dann dem Mann der Blutdruck gemessen werden. Aus irgendeinem Grund soll plötzlich die Stimmung umgeschlagen sein: Der Mann riss die Blutdruckmanschette vom Arm und fing an zu schreien. Die Rettungsassistentin ließ sich jedoch nicht aus der Ruhe bringen und versuchte, mit dem Mann zu sprechen. Sie wollte herausfinden, wie der Abend abgelaufen war. Da sich der Betrunkene schlecht auf den Beinen halten konnte, beschloss die Rettungsassistenten, ihn auf einen Stuhl zu setzen, um ihn genauer zu untersuchen. Der Einsatz wird immer problematischer. Der Betrunkene verweigerte schlussendlich die Behandlung komplett. Er wurde immer wütender, griff nach einem Küchenmesser und schrie: „Hier werdet ihr nicht mehr lebend rauskommen.“ Mit dem Messer fuchtelte er der Sanitäterin vor der Nase herum.

Über Funk versuchte einer der Sanitäter, Alarm zu schlagen. Doch erst beim vierten Versuch gelang es ihm, die Sicherheitskräfte zu alarmieren. Währenddessen redete der Mann über Krieg und Frieden, über Waffen, Bomben, über Trump, über Nordkorea, China. Bis die Stimmung wieder umschlug und er die Wohnungstür aufsperrte und die Sanitäter nach rund 80 Minuten gehen ließ. „Ok! Ech loossen iech elo goen, mee gitt mer äre Numm.“ „Ich bedauere, was ich gemacht habe, ich bewundere die Sanitäter und deren Arbeit. Leider weiß ich nicht mehr, was ich gemacht habe. Mir fehlt der ganze Abend, ich kann mich nicht mehr an den Vorfall erinnern“, so der Angeklagte vor Gericht. Sein Verteidiger Maïtre Lannoue bat das Gericht um Milde: „Mein Mandant will, dass sie ihm eine Chance geben.“ Die Körperverletzung sei nicht „willentlich“ erfolgt. Der Verteidiger beantragte eine Strafe auf Bewährung oder eine sechsmonatige Freiheitsstrafe in Form von gemeinnütziger Arbeit.

In der Nebenklage beantragte Maître Philippe Penning den „symbolischen Euro“ für den Rettungsdienst. Einer der Sanitäter hatte aufgrund des Erlebten 40 Kilo an Gewicht verloren. Die Summen der einzelnen Nebenklagen wurden nicht bekannt.

Die Vertreterin der Anklage sprach von einem rechtswidrigen Festhalten der Sanitäter, von willentlicher Körperverletzung, Drohungen, Beleidigungen. Der Mann sei seit langem auf Drogen und der Justiz bekannt. Sein Alkoholpegel lag bei 2,06 Promille. Sie beantragte zwei Jahre Haft.

Das Urteil fällt am 5. Juli 2018.

====UPDATE====

Übrigens hat sich auch am Freitag auch der Regierungsrat mit dem Thema beschäftigt:

"Le Conseil a avalisé le projet de loi portant modification de l'article 410-2 du Code pénal pour sanctionner les agressions contre les services de secours.
Le projet de loi vise à ajouter à l’article 410-2 du Code pénal un second alinéa qui sanctionnera le fait de s’opposer, par violences ou menaces, à l’action des services de secours et de leurs membres lorsque ces derniers sont en intervention. Les peines encourues vont de l'amende (251 euros à 10.000 euros) jusqu'à l'emprisonnement de huit jours à cinq ans."