ROTTERDAM
CORDELIA CHATON

Der niederländische Designer Daan Roosegaarde hat eine Menge Ideen - und stellt eine bald in Luxemburg aus

Das Licht fällt durch die riesigen Fenster des Ateliers auf eine kleine Vitrine, in der sich ein Ring mit einem schwarzen Stein befindet. „Das ist nicht irgendein Stein. Das ist Schmuck aus Smog“, erklärt Marie-Anne Souloumiac. Sie trägt einen grauen Overall aus T-Shirtstoff, das Haar zurück genommen und führt durch eine Welt des Designs am Hafengelände von Rotterdam.

Da, wo früher Obst und Gemüse gelagert wurden, residiert heute „Studio Roosegaarde“. Den Namen hat die Schmiede für „Interactive Art & Design Architecture“ von Gründer Daan Roosegaarde. „Er ist erst 38 und schon so viele Ideen. Daan ist auch Global Leader beim Weltwirtschaftsforum in Davos“, sagt Souloumiac fast schwärmerisch. Sie ist für die Öffentlichkeitsarbeit und die Koordination der Geschäftsentwicklung zuständig. Roosegaarde war auch Anfang Februar 2017 Gastredner beim Start des Creative Clusters in Luxemburg. So viel Ehre hat der Niederländer vor allem seinen Ideen zu verdanken.

Da ist beispielsweise der „Van Gogh Radweg“ in Nuenen bei Eindhoven, der nachts grünlich schimmernd leuchtet und dabei Motive aus einem Bild des Meisters in innovativer Technologie nachempfindet, da die Steine sich tagsüber mit Licht aufladen. So hat van Gogh, der hier gelebt hat, in mehrfacher Hinsicht Spuren hinterlassen. Das neueste Projekt ist ein „Vakuum Smog Cleaner“, der im Freien aufgestellt wird und die Luft in 20 Metern Umkreis reinigt. Übrig bleibt Carbon, das gepresst zu Schmuck verarbeitet wird. „Unter Druck wird es zu Diamanten“, lächelt Souloumiac.

Radler reinigen Smog

Zur Zeit arbeitet der Designer mit seinem Team mit China und dem weltgrößten Betreiber von stationsfreien Fahrradverleihsystemen namens Ofo zusammen an einer Technologie, die Fahrräder zu Smogreinigern macht. Dabei dient die Muskelkraft der Radler zur Reinigung der Luft, die dem Radler dann frisch ins Gesicht weht. Allein in Peking fahren über neun Millionen Räder und die Idee kommt gut an. Souloumiac zeigt eine Getränkedose. „Hier drin ist Smog aus China“, sagt sie. „Aber was ist mit dem Müll im All? Was, wenn der auf die Erde stürzt? Wir arbeiten deshalb mit der ESA zusammen. Die Zeit läuft, wir müssen etwas tun.“

Die Europäische Raumfahrtagentur hat ihr „Space Research and Technology Center“ in Noordwijk, und die Designer wollen ab Oktober mit den Raumfahrtforschern arbeiten. Das Projekt: Müll im All durch LED-Licht sichtbar machen. Könnte das ein Kunstwerk oder Projekt sein, das Luxemburg interessiert? Die Frage steht unausgesprochen im Raum. „Daan sagt, dass wir schon längst hätten etwas tun sollen angesichts des Mülls im All. Das sei keine Frage des Geldes, sondern der Phantasie“, erläutert Souloumiac, und fügt hinzu: „Kreativität ist der Kompass in einer komplexen Welt.“

Sinn für Geschäfte und Kunst

Diese Mischung aus Zeitgeist, Design und Geschäftssinn macht „Studio Roosegaarde“ erfolgreich. Souloumiac weiß, dass Luxemburg an Space-Themen interessiert ist. „Wir würden gern mehr Projekte mit Luxemburg machen“, verkündet sie der Delegation der Journalisten, die im Vorfeld des Staatsbesuches am Montag und Dienstag in den Niederlanden war. Und weist gleich auf bestehende Beziehungen hin: „Wir arbeiten an einer Show für das Mudam, wo wir als Teil der Biennale Design City vom 19. Oktober bis 18. November im Fort Obergrünewald ausstellen werden.“ Dabei wird das Kunstwerk „Dune“ aufleuchten, wenn Menschen vorbeigehen. Es sieht aus wie ein Felsbrocken aus weißem Plastik und ist wieder so ein Hybrid zwischen Natur, Mensch und Technologie, typisch für die Entwürfe des Designers, der sich seine Ideen gern aus der Natur holt. Ein anderes Beispiel ist der „Creative Kite“, ein Drachen, der Energie generiert. Roosegaarde experimentiert auch mit Algen. Die Einzeller leuchten im dunkeln auf, wenn das Glas geschüttelt wird. Wofür er das nutzt, ist noch unklar. Auch Deiche und Autobahnen bringt der Designer zum Leuchten, ebenso wie Windkraftanlagen. Souloumiac unterstreicht, dass das Studio mit Museen in Shanghai, Paris und London zusammen arbeitet.

Licht als Wasser für ein Land ohne Deiche Die Designer von Roosegaarde haben noch mehr Ideen: Ein Kleid, das die Erregung der Trägerin als Energie als leuchtende Streifen auf der Plastikhaut anzeigt oder gar das „Space-Bild“, das die Luftverschmutzung sehr ästhetisch aus der Sicht eines Astronauten zeigt und im Bahnhof von Eindhoven hängt. Ganz neu ist die Ausstellung „Wasserlicht“, die zeigt, wie die Niederlande wären, wenn es die Deiche nicht gäbe, wenn also ein Viertel des Landes unter Wasser stünde. Sie kommt in ihrer ästhetischen blauen Pracht sanft in LED daher, Licht simuliert Wasser in sanften Wellen und hat schon mehr als 60.000 Zuschauer verzaubert und dem Designer zwei Preise eingebracht. Das passt alles zu den Ideen von Verantwortung und Circular Economy in Zeiten des Klimawandels.

„Wir haben nur eine Welt und die ist so fragil“, unterstreicht Souloumiac, während sie die Besucher hinaus begleitet. „Dreamfactory“ nennt sich das Studio auch. Es ist eine lichtdurchflutete Fabrik der Träume, die von Deichen und der Tradition beeinflusst ist. Und pragmatischen Lösungen; jedenfalls, wenn sie schön sind.


www.studioroosegaarde.net