OSWEILER/LUXEMBURG
INGO ZWANK

„Frombuerger Haff“: Jeff Weydert bietet ein Gemüseanbauprojekt der besonderen Art an

Landwirt Jeff Weydert fährt auf seinem „Frombuerger Haff“ in der Nähe von Osweiler mit der Schubkarre durch den Kohl. Kohl, der aber nicht nur für ihn und seinen Eigenbedarf bestimmt ist, sondern für seine gegründete Solidargemeinschaft.

Denn wie kann heute angesichts der global agierenden Supermarktketten eine bäuerliche, vielfältige Landwirtschaft erhalten bleiben, gesunde und frische Nahrungsmittel erzeugt und darüber hinaus noch die Natur- und Kulturlandschaft pflegt werden? Das Zauberwort ist „SoLawi“, erzählt Weydert. „Im Frühling 2017 habe ich auf meinem Hof das Gemüseanbauprojekt gestartet.“ Es ist als „Solidarische Landwirtschaft“ bekannt. „Bei der ‚Solidarischen Landwirtschaft‘ werden die Lebensmittel nicht mehr über den Markt vertrieben, sondern fließen in einen eigenen Wirtschaftskreislauf, der von den Teilnehmern an dieser Landwirtschaft mit organisiert und finanziert wird“, berichtet der 33-Jährige.

2018: Ausbau von zwölf auf 30 Ar

Konkret handelt es sich dabei um einen Zusammenschluss des landwirtschaftlichen Betriebes mit einer Gruppe privater Haushalte. Solidarische Landwirtschaft fördert und erhält nach Ansicht ihrer Anhänger die vielfältige Landwirtschaft, stellt damit Lebensmittel aus der Region zur Verfügung. Zu Beginn eines Jahres entrichten die Teilnehmer ihren entsprechenden Beitrag, „womit ich als Landwirt dafür bezahlt werde, etwas anzubauen.“

350 Euro muss eine Einzelperson zahlen, 650 Euro eine Familie - vor Saisonstart. „Das Risiko wird so auf mehrere Schultern verteilt.“ So hat Weydert 2017 Gemüse und Obst für zwölf Familien auf insgesamt zwölf Ar angebaut, wie er im „Journal“-Gespräch berichtet. Weydert hält darüber hinaus auch noch Angus-Rinder auf seinem Hof.

„Ich möchte dieses Projekt aber weiter ausbauen“, sagt der SoLawi-Bauer. Bereits 2018 will Weydert sein Projekt auf 30 Ar ausweiten. „Man kann rechnen, dass man pro Nutzer ein Ar nutzen muss.“ Jede Woche kann man dann frisches Gemüse direkt aus dem Garten ernten und mit nach Hause nehmen. „Was unseren Anbau besonders macht, ist, dass wir samenfeste Gemüsesorten anbauen. Diese sind vielleicht etwas schwieriger anzubauen, jedoch dann ein geschmackliches Highlight.“ Zudem können die Kunden im Garten mit anpacken und miterleben, wie alles wächst. „Oder einfach mit den Kindern die Kaninchen füttern und auf dem Spielplatz spielen“, lächelt Weydert.

Ernte ein Mal pro Woche

Die Mitglieder kommen einmal pro Woche zur Ernte und bedienen sich aus dem Garten. Hier finden sie alle gängigen Sorten wie Salate, Kartoffeln, Kohlrabi, Zucchini, und vieles mehr, aber auch spezielle Sorten. „2017 konnten wir über 40 verschiedene Sorten anbauen. In unserem Gewächshaus reifen darüber hinaus Tomaten und Paprikas.“ Wobei Weydert natürlich ein Auge darauf hat, dass nicht einer eine ganze Sorte aberntet, es soll ja für alle etwas da sein.

In Luxemburg gibt es eine Hand voll Betriebe, die sich dem Thema solidarische Landwirtschaft widmen. Sein Projekt „Frombuerger Haff“ in dieser Form sei allerdings nicht mit den anderen zu vergleichen. „Die anderen Betriebe füllen entsprechend Kisten mit dem geernteten Gemüse und bringen diese dann zu den Kunden. Bei uns kann der Kunde mitbestimmen, was er bekommt.“

So will Weydert seinen Betrieb soweit ausbauen, dass er eine Person fest einstellen kann. „Aktuell habe ich eine Person, die mir 20 Stunden auf dem Hof hilft.“

Wer sich für das Projekt der Solidarischen Landwirtschaft interessiert oder gerne Mitglied in der „Gemüse-Familie“ von Jeff Weydert werden möchte, der kann sich gerne vor Ort informieren und sich mit dem SoLawi-Landwirt in Verbindung setzen, per Handy unter 621 509 879 oder per E-Mail unter jeff.weydert@hotmail.com.