LUXEMBURG
MARCO MENG

Bankinter kommt, Van Lanschot geht

Das spanische Finanzhaus „Bankinter“ hat die luxemburgische Filiale der niederländischen Privatbank Van Lanschot übernommen - und damit einen Fuß in die Tür zum Finanzplatz Luxemburg gesetzt.

Mit Nutzen der Bankinfrastruktur Luxemburgs werde die neue Geschäftsstrategie komplettiert, so Bankinter, eine der wenigen spanischen Banken, die keine Finanzhilfe benötigt. Das Geldhaus will vor Ort Beratungsdienste rund um die Vermögensverwaltung anbieten. Ihre Klientel sind sogenannte High-Net-Worth-Individuals (HNWI), also Personen, die Kapital von mindestens eine Million Euro zum Anlegen haben. Waren es vorher Kunden vor allem aus den Niederlanden und Belgien gewesen, so werden es nunmehr Vermögende aus Spanien sein. Die Bank geht davon aus, dass Spanien etwa 135.000 potenzielle Kunden mit einem Vermögen von 220 Milliarden Euro Vermögen hat, wovon Bankinter derzeit etwa sechs Prozent verwaltet. Diesen Prozentsatz möchte die Bank in den nächsten zwei Jahren auf acht erhöhen. Allerdings werde von nun ab auch das Geschäftsmodell von Bankinter wie folgt angepasst: unter der Klassifizierung „Personal Banking“ will man fortan auch Vermögen ab 75.000 Euro verwalten.

Luxemburg vorteilhafter als Schweiz

Die neue Niederlassung im Großherzogtum, einem „Finanzplatz mit höchstem Ansehen“ sei für das Geldhaus wie ein Fenster, aus dem man direkt auf den europäischen Markt blicken könne. Angesichts der Wirtschaftskrise Europas und hofft man, dass Luxemburg mehr Kunden und mehr Geschäft bringt. Bankinter führt das Private Banking von 38 Standorten mit knapp 170 Beschäftigten, wobei man darauf verweist, in diesem Sektor jährlich etwa 35 weitere Personen einzustellen. Im Personal Banking beschäftigt man 330 Verkaufsberater zuzüglich Verwaltungspersonal.

Die Van Lanschot-Gruppe, seit 1989 in Luxemburg, ist unterdessen dabei, ihre europäischen Vermögensverwaltung in die Schweiz zu verlagern. Nachdem man bereits 2011 das Personal reduziert hatte, folgte dann Anfang des Jahres der Sozialplan für die restlichen 24 Mitarbeiter. Acht Mitarbeiter bleiben auch unter neuer Führung der luxemburger Filiale erhalten. Unter ihnen Patrick Hermse, CEO of Van Lanschot Luxembourg, der auch wieder in die Niederlande hätte gehen können. Für ihn sei aber das Geschäftsmodell von Bankintern eine gute Strategie, die ihn überzeugt habe, hier zu bleiben, um das Geplante umzusetzen.

Warum nicht auch Bankinter sich die Schweiz ausgesucht hat? Zwei Momente seien dabei ausschlaggebend, so Hermse: dadurch, dass Luxemburg ein Investmentfonds-Standort sei, sei es der beste Platz, Vermögen zu strukturieren, zudem biete Luxemburg das nötige Rahmenwerk, um strukturiertes Kapital zu verwalten und befinde sich obendrein in der EU.

Aus dem letzten, am 30. September 2012 vorgelegten Quartalsbericht geht hervor, dass Bankinter im dritten Quartal den Gewinn leicht auf netto 49,7 Millionen Euro (Vorjahreswert 46,7 Millionen) ausbauen konnte. Die Nettozinseinnahmen kletterten auf 174,9 Millionen Euro, nach 142 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Patrick Hermse betont, dass das Engagement von Bankinter langfristig angelegt sei.