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CORDELIA CHATON

FEDIL-Mitglieder besuchen das Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST)

Auf der Packung steht „Gelenk-Fit“, daneben befinden sich drei Pflanzen mit verdächtig bekannt geformten Blättern. „Nein, nein, das ist kein Marihuana, sondern Industriehanf“, lächelt ein Mitarbeiter des „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST). „Wir befassen uns mit Molekülen und ihrer Wirkung, das reicht von Cremes bis zur Weinherstellung und Dämmmaterialien.“

Ein paar Meter weiter bewegt Luc Vandenabeele kleine Symbole auf einer interaktiven Karte. Diese wechselt die Farbe, die Größe und mehr. „Wir können hier mit mehreren Entscheidern visualisieren, was passiert, wenn wir bestimmte Parameter ändern. Wenn wir beispielsweise eine Paket-Station für Online-Dienste aufstellen wollen, können wir mit den Online-Händlern, den Kunden und dem lokalen Handel, aber auch mit den Verkehrsplanern sehen, wie sich das auswirkt“, sagt Vandenabeele. Diese Karte wurde unter anderem bei der Festlegung der Tram-Strecke benutzt.

In einer Vitrine zeigt Prof. Jens Kreisel auf einen Reifen. „Der besteht aus über 40 Komponenten, darunter Draht, Textil und Polymere. Wir arbeiten an Verfahren, Drähte besser mit Polymeren zu verbinden“, erklärt der Forscher. Die rund 15 Besucher nicken.

Ortstermin Showroom

Gestern besuchte ein gutes Dutzend Interessierter des Industrieverbandes FEDIL das LIST. Sie wollten wissen, was das Forschungsinstitut konkret macht - und auch, was sie vielleicht davon haben könnten. Schon jetzt gibt es enge Verbindungen zwischen Unternehmen wie Goodyear, Guardian, Dupont oder der SES und den drei Forschungsabteilungen des LIST. Das sind konkret die Bereiche Informationstechnologie, Materialien und Umweltforschung. Mit dem Besuch traut sich das LIST ein bisschen aus seiner verschwiegenen Ecke, denn noch vor gar nicht langer Zeit war der Showroom eine Art streng gehütetes Geheimnis.

Das soll sich nun ändern. „Wir wollen auch verstärkt Schulklassen und Besucher empfangen“, betont Kommunikations-Chef Thomas Schoos. Seit 2015 waren über 2.000 Besucher da. Das LIST will seine Exzellenz sichtbar nach außen tragen. Die FEDIL ihrerseits weiß, wie sehr die Mitglieder durch Umweltanforderungen, Digitalisierung und Klimawandel unter Druck stehen. Schon jetzt arbeiten einige von ihnen mit dem LIST zusammen. Erst vor zwei Tagen gab der Hartmetallspezialist Ceratizit eine Zusammenarbeit bei Beschichtungen für Industrie-Schneidewerkzeuge bekannt. Diese Beschichtungen können Temperaturen von über 850 Grad Celsius aushalten.

Mittlerweile hat das LIST eine eigene Industrie-Plattform entwickelt, an der sich fünf Industriepartner beteiligen. „Wir bringen sieben bis acht Millionen Euro Mehrwert, fünf davon haben wir schon realisiert“, sagt Prof. Kreisel nicht ohne Stolz. Das LIST arbeitet derzeit auch in acht „Public Private Partnerships“ mit Unternehmen zusammen.

Die Anwendungen können so unterschiedlich sein wie eine App, die den Barcode von Supermarkt-Produkten liest und feststellt, ob das Lebensmittel Stoffe enthält, auf die der Nutzer allergisch reagiert, oder ein Wasserverteilungsalgorithmus. Das LIST hat auch eine Behandlung für Materialien entwickelt, die entflammbar sind, um eine Flammenentwicklung zu vermeiden. Das kann im Zweifel Leben retten. Zwei kleine Glasscheiben zeigen ein Experiment, dass Autofahrer interessiert, die im Winter unter beschlagenen Scheiben leiden. Durch eine Beschichtung des Glases leitet die Scheibe elektrisch und bleibt so trocken und transparent. „Nur den rosafarbenen Ton müssen wir noch wegbekommen“, lächelt Prof. Kreisel.

Nach rund zwei Stunden ist Alain Schumacher, verantwortlich für die Materialentwicklung bei IEE in Contern, ganz angetan: „Das ist spannend, vor allem Beschichtungen sind ein Thema in der Industrie. Hier stellt sich die Frage nach der Exzellenz.“ Die will das LIST vor allem durch internationale Kunden und EU-Forschungsprojekte beantworten. Beide nehmen zu.