DANIEL THEISEN

Dass wir uns mehr bewegen müssen, wenn wir gesund bleiben wollen, sollte jedem mittlerweile bewusst sein. Warum das so ist und wie man am erfolgreichsten den Einstieg in sportliche Aktivitäten findet, erklärt der Leiter des sportmedizinischen Forschungslabors am „Luxemburg Institute of Health“ (LIH).

„Es ist wichtig zu wissen, dass wir immer noch mit dem Genom unserer Vorfahren ausgestattet sind, den Jägern und Sammlern. Dieses Genom ändert man nicht innerhalb von - zeitgeschichtlich gesehen - ein paar Generationen. Damals haben diejenigen überlebt, die bis zu 20 Kilometer am Tag zu Fuß zurücklegen konnten und diejenigen, die ihren Energiehaushalt gut verwaltet haben, sprich sparsam waren. Wir haben noch immer den Reflex, mit dem Auto möglichst nahe heranzufahren - den gilt es heute allerdings zu überwinden. Denn wir sind physikalisch dafür gemacht, zu Fuß zu gehen und haben den optimalen Körper dafür.

Die Sesshaftigkeit heute steht im krassen Gegensatz dazu. Vorwiegend Büroarbeit, Auto, Computer, Internet - man braucht nicht einmal mehr zum Essen aufzustehen, sondern kann es sich bequem nach Hause liefern lassen. Das Risiko und die Wahrscheinlichkeit, Übergewicht, hohen Blutdruck, eine Herz-Kreislauferkrankung, Diabetes oder sogar Krebs zu entwickeln, ist bei Menschen, die sich nicht regelmäßig bewegen, aber erhöht. Es ist nicht nötig, gleich für einen Marathon zu trainieren. Man kann dem mit relativ einfachen Mitteln entgegenwirken, indem man in seinen Alltag mehr Bewegung einbaut. So sollte man langes Sitzen regelmäßig unterbrechen und ein paar Schritte gehen. Wenn man den Bus nimmt, kann man eine Haltestelle vorher aussteigen und das letzte Stück zu Fuß zurücklegen. Man kann die Treppe nehmen anstelle des Lifts. Möchte man mehr Sport treiben, sollte man sich normale und realistische Ziele setzen, sonst riskiert man, sich zu überfordern und die Motivation zu verlieren. Übertreiben Sie nicht gleich, machen Sie etwas, was Ihnen Spaß macht, was interessant ist, was Sie mit anderen zusammen machen können, was also auch eine soziale Komponente hat. In den meisten Sportclubs oder bei Initiativen, wie ‚Sport pour tous‘ findet man Gleichgesinnte.

Viele gehen laufen - das ist wegen des geringen Zeitaufwands einfacher als beispielsweise schwimmen zu gehen und beansprucht Ausdauer und Kraft. Schafft man es dreimal die Woche und je 25 Minuten, hat man schon viel getan, um seine Gesundheit zu erhalten: Das Minimum, das die WHO oder Fachgesellschaften vorschlagen, sind 150 Minuten pro Woche moderat bewegen, wie zügig gehen oder 75 Minuten pro Woche intensiver bewegen, wie laufen oder joggen.

Ich sehe körperliche Aktivität als ein Medikament, das man dosieren kann, richtig dosieren soll und das dann einen dementsprechend positiven Effekt hat - eine Medizin, die nichts kostet. Man muss sie nur nehmen.“