LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Vor 70 Jahren begann das Auto-Abenteuer im Zeichen der Bullen

Im Jahr 1948 wurde das Unternehmen Lamborghini in Italien gegründet, genauer in Cento, Ferrara. Der Gründer, Ferruccio Lamborghini, wollte damals dringend benötigten Traktoren bauen, die aus obsoleten Militärfahrzeugen umgebaut wurden. 1959 wurde die Produktion um Brenner und Klimaanlagen erweitert.

1963 eröffnete Lamborghini dann eine Autofirma in Sant’Agata Bolgonese. Dazu gibt es eine schöne Geschichte, von der niemand weiß, ob sie wahr ist. Lamborghini, der bereits ein erfolgreicher Landmaschinenproduzent war, soll sich Anfang der 60er Jahre einen Ferrari gekauft haben. Der Sitz von Ferrari liegt übrigens nur 35 Kilometer von Sant’Agata Bolognese entfernt. Doch der Sportwagen wies so viele Mängel auf, dass Lamborghini zu seinem Nachbarn hinüber brauste und sich beschwerte. Aber Enzo Ferrari soll ein Gespräch mit dem Traktorproduzenten abgelehnt haben. Daraufhin soll dieser wütend die Produktion von Sportwagen unter dem Emblem des Stiers beschlossen haben.

Denn der Stier war das Zeichen von Lamborghini. Das mag daran liegen, dass der Gründer selbst im Zeichen des Stiers geboren war. Warum er als Italiener sich aber auf eine spanische Tierzucht berief, ist bis heute unklar. Das Rätsel begann 1965. Damals kam der „Miura“ auf den Markt. Niemand weiß genau, wie das Auto zu seinem Namen kam. „Vor allem wollte Ferruccio nie erklären, was er an den legendären, kraftvollen Bullen fand. Bis heute sind alle Lamborghinis nach Stieren benannt, die sich in den Stierkämpfen besonders ausgezeichnet haben. Wenn Toreros von den Stieren der Miura-Zucht sprechen, dann jedenfalls auf eine sehr vermenschlichende und respektvolle Art und Weise. Ausnahmen waren nur der Countach, der Silhouette und der Espada.

Lamborghini setzte sich ebenfalls durch, in Rennen schlug es mehrfach Modelle von Ferrari, was Enzo Ferrari sehr erbost haben soll. 1972 musste Ferruccio Lamborghini während der weltweiten Ölkrise seine Unternehmen wegen wirtschaftlicher Probleme verkaufen. Die Traktoren wurden von der SAME-Deutz-Gruppe übernommen. So fährt mancher Landwirt einen Lamborghini und meint damit den Traktor, nicht die Sportflitzer. Die Sportwagengruppe ging zunächst an private Investoren und wechselte dann noch öfter den Besitzer. Sie wurde später von Audi aufgekauft und in den VW-Konzern eingegliedert.

Der Gründer selbst verlegte sich auf Weinbau auf einem Gut in Borgo Panicale in Umbrien. Damit hatte er so viel Erfolg wie mit den Wagen: Die Qualität seiner Weine sprach sich herum, seit Anfang der 1990er Jahre sind Lamborghinis „Landweine“ im Hochpreissegment zu finden. Auf dem Etikett prangt ein angriffslustiger Stier - was sonst.

Treff in Genf: Eine besondere Bedeutung für Lamborghini

Noch bis zum 18. März präsentiert Lamborghini seine Modelle auf dem Genfer Automobilsalon. Diese Auto-Leistungs-Show hat eine besondere Bedeutung für den italienischen Hersteller.

Denn Lamborghini war zwar 1964 mit seinem Sportwagen auf den Markt gekommen, aber der Durchbruch erfolgte erst zwei Jahre später auf dem Genfer Salon. Dort beeindruckte der Zwölfzylindermotor mit dem Fahrwerk und der Karosserie. Statt wie geplant 20 Exemplare des „Miura“ zu verkaufen, fertigte Lamborghini bis 1972 ganze 765 Supersportwagen. 2014 sorgte die Huracán-Serie in Genf für Aufsehen, die es mit einem Zehnzylinder-Motor auch als Coupé, Spyder und Rear-Wheel-Drive-Version gab. Vergangenes Jahr trumpfte dann der Huracán Perfomante in Genf auf, begleitet vom zwöflzylndrigen Aventador S Coupé und Roadster .

In diesem Jahr ist der Star der Urus. In Genf können die Besucher erstmals einen Blick auf den schnellsten SUV der Welt werfen. Der Luxus-SUV soll laut dem Willen der Geschäftsführung eine neue Nische samt Benchmarking schaffen. Luxus und Leistung, von allem nur das Beste - und so wird die überaus beliebte SUV-Kategorie dann zum Unterscheidungsmerkmal eines alltagstauglichen Lamborghinis. Denn wer in 3,6 Sekunden von Null auf 100 beschleunigt und mit bis zu 305 km/h zur Schule sausen kann, um den Nachwuchs abzuholen, zeigt nicht nur, was unter der Motorhaube steckt, sondern auch, wie es um das Konto bestellt ist. Für manche Käufer ein stierisches Vergnügen.

Gerne einen Lambo mehr

Lamborghini in Luxemburg läuft seit Jahren gut

In Luxemburg vertreibt Losch die Marke Lamborghini seit vielen Jahren, weil Losch Volkswagen-Konzessionär ist und Lamborghini seit 1998 zum Audi-Konzern und somit zu Volkswagen gehört. Mittlerweile gibt es einen eigenen Show-Room.

Die Kunden, die einen „Lambo“ wollen, haben oft schon zwei, drei oder mehr Autos in der Garage stehen. Beim Konzessionäre stehen die sportlichen Modelle wie der Supersportflitzer Lamborghini Aventador oder der Lamborghini Huracán, der wie die meisten Modelle seinen Namen aus dem Stierkampf-Bereich hat. Der Kampfstier Huracán der spanischen Rasse „Conte de La Patilla“ kämpfte im August 1879 in Alicante, wobei er ungeschlagen blieb. Die sportliche Variante des Huracán ist besonders beliebt in Luxemburg.

Allerdings erhält sie derzeit kräftig Konkurrenz vom Urus, der derzeit auf dem Genfer Automobilsalon vorstellt wird, wo er noch bis zum 18. März zu sehen ist. Es ist das erste Mal, dass die Italiener einen SUV bauen. Mit dem Urus kommt der erste Gelände-Lambo seit dem legendären LM002, von dem zwischen 1986 und 1993 nur 328 Stück gebaut wurden. Die Italiener sprechen beim Urus vom „ersten Super-SUV“. Um diesem Ausdruck gerecht zu werden, kommt der Urus mit 650 PS und 850 Nm Drehmoment. Mit 305 km/h Höchstgeschwindigkeit löst der Urus den Bentley Bentayga (301 km/h) als schnellstes SUV der Welt ab. Erstmals in der Firmengeschichte setzen die Italiener dabei auf einen Turbomotor. Dazu lockt er mit einem Kofferraum von über 600 Litern und zahlreichen Ausstattungsvarianten. Gerade die Möglichkeit, das eigene Auto selbst ganz nach seinen Wünschen zusammen zu stellen ist den Luxemburger Kunden wichtig. Übrigens zieht der Urus deutlich mehr Kundinnen an als die anderen beiden Modelle, die mit ihrer Sportlichkeit punkten. Darüber hinaus ist der Urus mit Preisen ab einer Schwelle von 201.000 Euro deutlich preiswerter als die beiden Vorgänger-Modelle, die schon mal bis zum Doppelten zu Buche schlagen können.

Angesichts der treuen Kunden wäre es nur normal, wenn es auch einen Club gäbe, immerhin zählt Luxemburg zwei Ferrari-Clubs. Vor ein paar Jahren gab es wohl eine solche Initiative. Eine Neuauflage wäre willkommen.