LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Statt großem Theaterfest: Spielzeiteröffnung 2018/19 mit Infoständen und Rundtischgespräch

Weniger eventbezogen, dafür aber immer noch informativ und außerdem zunehmend kulturpolitisch: Das Theaterfest, mit dem traditionell jedes Jahr im September die neue Spielzeit in den Kultur- und Theaterhäusern eingeläutet wird, präsentiert sich diesmal unter neuem Format. Streng genommen darf es noch nicht einmal mehr als Theaterfest bezeichnet werden, „um die Leute nicht zu verwirren“, wie Andrea Primm von der „Theater Federatioun“ gestern bei der Vorstellung anmerkte. Am 15. September wird also nicht zum Theaterfest, sondern zum „Lancement de la saison théâtrale 2018/19“ in die Oberstadt geladen.

Fast alle Mitglieder der „Theater Federatioun“ werden von 14.00 bis 18.00 mit Ständen quer durch die „Groussgaass“ vertreten sein, um dem Publikum einen Einblick in die neue Spielzeit ihrer Häuser zu geben und die anstehenden Projekte schmackhaft zu machen. Wurden diese Einblicke während der vergangenen Auflagen auch immer mit Ausschnitten aus den kommenden Produktionen oder Textauszügen in Form von Lesungen geboten und stand noch dazu reichlich Animation auf dem Programm, so beschränkt man sich dieses Mal auf eine „light Version“, dies aus mehreren Gründen.

Weniger Event, mehr Austausch

„Wir wollen den Tag wirklich dazu nutzen, die neue Bühnenkunstsaison zu starten, und das bedeutet diesmal: weniger Theaterfest, demnach weniger Event. In der Logik unserer Umstrukturierung haben wir uns neue Prioritäten gesetzt und wollen kulturpolitisch aktiver sein“, erklärte die Präsidentin der „Theater Federatioun“, Carole Lorang. Aus diesem Grund wird auch ein Rundtischgespräch zum Programm der Spielzeiteröffnung am 15. September gehören. Über das Thema „Bühnenkunst in Luxemburg: Welches politische Engagement für welche Bühne(n)?“ diskutieren ab 16.00 Sam Tanson (déi gréng), Franz Fayot (LSAP), Claudine Konsbruck (CSV), Kulturstaatssekretär Guy Arendt (DP) und (noch nicht bestätigt) ein Vertreter von déi Lénk, dies unter der Moderation von Christian Mosar im Auditorium des Cercle Cité.

Anhaltende Problematiken werden aufgetischt

Auch heute noch leiden viele Kultur- und Theaterhäuser sowie Kompanien und Künstlerkollektive unter einem Mangel an Professionalisierung. Personalmangel sowie juristische und steuerliche Unklarheiten legen ihnen regelmäßig Steine in den Weg, dies nicht zuletzt oftmals auf Kosten der Künstler. Die Probleme sind spätestens seit der Vorstellung des Kulturentwicklungsplans (KEP 0.1) bekannt, beziehungsweise seit der dadurch herbeigeführten Diskussion. Während der „table ronde“ sollen politisch Verantwortliche noch einmal zu Fragen wie „Wie kann man die Professionalisierung effizient vorantreiben?“ oder „Welche Ressourcen und Perspektiven gibt es?“ Stellung beziehen. Der Zeitpunkt für eine solche Gesprächsrunde könnte einen knappen Monat vor den Parlamentswahlen und anderthalb Wochen vor der Vorstellung des definitiven Kulturentwicklungsplans (KEP 1.0) in der Tat nicht besser gewählt sein. Auch Künstler werden sich an der Diskussion beteiligen und von ihren Erfahrungen berichten.

„Es ist uns natürlich nach wie vor ein Anliegen, an diesem Tag zu zeigen, welches die Inhalte der einzelnen Häuser und Kompanien sind. Gleichzeitig wollen wir aber auch darauf aufmerksam machen, was hinter der Bühne passiert und was dort die Problematik ist“, erklärte Lorang. „Es ist der richtige Moment, noch einmal mit den politischen Akteuren über Kulturpolitik und die Probleme im Kultursektor zu reden. Wenn wir das jetzt im Wahljahr nicht tun, wann dann?“, meinte auch Nicolas Steil, Vizepräsident der „Federatioun“.

Zeichen setzen

Wenngleich die Organisation eines solchen Rundtischgesprächs durchaus zu begrüßen ist, darf man sich doch fragen, ob schlichte Informationsstände ohne das gewohnte bunte Rahmenprogramm die Leute wirklich anziehen. „Es kann schon sein, dass das Publikum mit gewissen Erwartungen kommt, gerade wegen der vergangenen Auflagen. Das Risiko besteht, aber wir gehen es ein“, so Primm. Im Kontext der Umstrukturierung und Neuausrichtung der Theaterföderation sei es jedoch wichtig, ein Zeichen zu setzen. „Ein Zeichen, dass wir in eine andere Richtung gehen wollen, und dass wir die Gelder anders investieren wollen als in Spektakel“, fügte sie hinzu. Seit kurzem hat der Dachverband, der inzwischen den gesamten Sektor der darstellenden Künste vertritt, zwei feste Posten im Verwaltungsbereich. „Das hat natürlich seinen Preis. Wir haben uns entschieden, eher darein zu investieren, statt in Events, die an einem einzigen Tag viel Geld kosten. Dies erlaubt es uns schließlich auch, zunehmend kulturpolitisch unterwegs zu sein“, führte Lorang weiter aus. Davon abgesehen, sei es ohnehin wichtig, nach einer gewissen Zeit etwas Neues auszuprobieren.

Zusätzliche Infos unter www.theater.lu