LUXEMBURG
JEFF KARIER

„Sessiz Çiglik Bisiklet Kulübü“ setzt Zeichen für Rechte von Behinderten und Frieden

Unter dem Namen „Sessiz Çiglik Bisiklet Kulübü“, was so viel wie „Stiller Schrei Fahrradklub“ heißt, sind zwölf Teilnehmer mit dem Fahrrad durch Europa unterwegs. Dabei verfolgen die Initiatoren der Aktion gleich mehrere Ziele. „Zum einen wollen wir auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen aufmerksam machen und fordern die gleichen Rechte für Behinderte ein. Dazu gehört auch, dass ihnen etwa Psychologen, Pädagogen sowie Zeichensprachübersetzer zur Seite gestellt werden, falls dies nötig ist“, erklärt Hüseyin Nacar, der als Dokumentarfilmer bereits oft mit Menschen mit Behinderungen zu tun hatte, selber Menschen mit Behinderungen in der Familie hat und sich für ihre Belange stark macht.

„Zum anderen wollen wir ein Zeichen des Friedens sowie gegen Krieg, Hass und Terrorismus setzen.“ Denn durch Terroranschläge kommt es nicht nur zu Toten. Die Verletzten verlieren oft Gliedmaßen und müssen ab dann mit diesem Handicap leben. Leider werden Menschen mit Behinderungen in der Türkei, aber auch in vielen anderen Ländern der Welt, oft an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Weshalb es wichtig ist die Gesellschaft daran zu erinnern, dass Menschen mit Behinderungen nicht weniger wert sind, und dass die Betroffenen mehr zu leisten imstande sind, als sie sich zutrauen.

Quer durch Europa

Um dies unter Beweis zu stellen setzt sich das Team aus etwa seh-, hör-, und gehbehinderten Personen zusammen, die 4.521 Kilometer zurücklegen werden und am Samstag in Luxemburg angekommen sind. Los ging es bereits am 15. Juli. Vom Taksim-Platz in Istanbul aus ging es bislang durch Bulgarien, Rumänien, Ungarn, Österreich, Deutschland, die Schweiz und Frankreich. Morgen geht es weiter nach Belgien, ehe sie am 1. September in Den Haag ankommen. Ein solches Unterfangen gab es weltweit noch nicht. Später soll auch ein Dokumentarfilm über die Reise veröffentlicht werden. Ekrem Taskin gehört zu den Teilnehmern der Aktion. Der frühere Soldat hat 2003 durch eine Mine seinen linken Fuß verloren. „Auch Menschen mit Behinderungen verdienen dieselben Rechten wie alle anderen. Dazu gehört auch, dass sie in menschenwürdigen Bedingungen leben“, erklärt der 46-Jährige ist. „Ich bin froh einen Teil zu dieser Aktion beitragen zu können“, meint der Parathlet, der für die Türkei erfolgreich an Turnieren teilgenommen hat und sich für Menschen mit Behinderungen einsetzt.

Nevzat Özdemir lebt ebenfalls mit einer Behinderung und hofft, dass sich die Bedingungen für Behinderte weltweit verbessern werden und will ihre Botschaft der Hoffnung und des Friedens weit über die Grenzen Europas hinaustragen. Seit seinem zweiten Lebensjahr ist Nihat Demir gehbehindert, ist aber als Sportler in seinem Rollstuhl sehr erfolgreich. Er hat bereits mehrere Marathons gewonnen und möchte ein Vorbild sein und zeigen, was ein Mensch mit Behinderung zu erreichen imstande ist.

Ali Cavdar ist seit seiner Geburt blind, was ihn jedoch nicht davon abhält ein aktives Leben zu führen. Er arbeitet in einer Behörde und spielt Blindenfußball auf hohem Niveau. „Ich bin stolz, Teil dieser Aktion sein zu dürfen, und will anderen Mut machen trotz ihrer Behinderung am öffentlichen Leben teilzunehmen und sich nicht von Hindernissen aufhalten zu lassen.“

Treffen mit Vertretern

Auf ihren Stationen haben Nacar und die anderen Teilnehmer Vertreter von etwas UN, FIFA, UEFA, der EU und mehreren Menschenrechtsbewegungen getroffen, um sie auf die Belange der Behinderten aufmerksam zu machen und sich für den Frieden stark gemacht. So fordert Nacar etwa, dass auch Kinos behindertengerecht gemacht werden, also Untertitel für Hörgeschädigte oder auch Audiospuren für Menschen mit Sehbehinderung eingeführt werden.

Bei ihrer Rundreise wurde das Team von den türkischen Botschaften der jeweiligen Länder unterstützt, erhielt aber auch logistische sowie organisatorische Hilfe vom türkischen Außenministerium, dem niederländischen Generalkonsul in Istanbul, Bart Van Bolhuis, und einigen anderen Seiten. Diesen sind Nacar und die anderen Teilnehmer auch sehr dankbar.


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