NEUNKIRCHEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Überragende Neuinszenierung des Musicals „Die Päpstin“ in Neunkirchen

Die amerikanische Schriftstellerin Donna W. Cross schrieb 1996 den Bestseller „Pope Joan“ (Die Päpstin). Der Roman wurde 2009 von Sönke Wortmann verfilmt und als Musical 2011 in Fulda uraufgeführt. Die Dominikanermönche Jean de Mailly und Martin von Troppau überlieferten die Legende von Johanna, die unter dem Namen Johannes Anglicus im 11. Jahrhundert zum Papst gewählt wurde, in ihren Chroniken, und es ist sogar von einer Schwangerschaft der Päpstin die Rede. In der Neuen Gebläsehalle in Neunkirchen feierte am Donnerstag eine Neuinszenierung von Benjamin Sahler Premiere. Eine neue Textfassung wurde geschrieben, aber die Musik von Dennis Martin blieb unverändert.

Intelligente Mädchen sind verboten

Johanna (Alva Kist) ist die äußerst intelligente Tochter eines Dorfpriesters (Wieland Satter) und seiner heidnischen Frau Gudrun (Stefanie Kock). Als der Gelehrte Aeskulapius (Uwe Kröger) ins Dorf kommt und ihren Sohn Johannes (Paul Hoffmann) mit in die Domschule nach Dorstadt holen will, stellt sich heraus, dass dieser kaum lesen kann, und es seine Schwester war, die alle Texte übersetzte.

Nur sind begabte Mädchen nicht gern gesehen. Die Kinder setzen sich nach Dorstadt ab, wo Johanna dem arroganten Anastasius (Sven Fliege) eine Lektion in Sachen Stellung der Frau erteilt, was den Bischof Fulgentius (Frank Müller) erfreut. Arsenius (Alexander Kerbst) und Sohn Anastasius konspirieren gegen den amtierenden Papst Sergius (Frank Bahrenberg), denn Anastasius will selbst gerne Papst werden. Johanna wird vom Markgrafen Gerold (Matthias Stockinger) und seiner Frau Richhild (Vanessa Wichetrich) aufgenommen. Sie wächst heran (nun: Anna Hofbauer), und Gerold verliebt sich in sie. Als er zum Kaiser Lothar (Marcus G. Kulp) nach Aachen berufen wurde, zwingt Richhild Johanna zu einer Zwangsheirat. Noch während der Trauung überfallen Normannen das Dorf. Johanna überlebt, schneidet sich die Haare ab, schnürt sich die Brust und zieht eine Mönchskutte an. So kommt sie als Johannes ins Kloster Fulda. Im Mönch Rabanus (Kevin Tarte) findet sie einen treuen Verbündeten, während Abt Ratgar (Rouven Wildegger-Bitz) ihren Wissensdurst nicht mag. Sie flüchtet mit einer Pilgergruppe nach Rom, wo sie sich als Mediziner einen Namen macht, und sogar den Papst heilt. Hier trifft sie auch Aeskulapius und Anastasius wieder, wie Gerold, dessen Liebe zu ihr nie erlosch.

Der gebürtige Neunkirchner Matthias Stockinger kann mit seiner Stimme und seinen schauspielerischen Fähigkeiten überzeugen. Sein Duett mit Johanna „Wehrlos“ geht tief unter die Haut. Anna Hofbauer absolvierte eine Gesangsausbildung in Hamburg. Nach vielen Bühnenauftritten, wurde sie 2014 im Fernsehen als „Bachelorette“ deutschlandweit bekannt. Sie ist eine großartige Päpstin und beherrscht jede Tonlage. Zwei Songs stechen hervor: „Einsames Gewand“ und „Wer bin ich, Gott?“. Uwe Kröger ist einer der besten Musical-Darsteller in Deutschland und beweist dies auch in Neunkirchen. Kevin Tarte gehört ebenfalls zu dieser Elite. Seine Rolle ist zwar kurz, doch sein Lied „Hinter hohen Klostermauern“ ist stimmlich ein Genuss. Sven Fliege, der dem fiesen Anastasius die nötige Tiefe verleiht, glänzt stimmlich im Duett mit Alexander Kerbst mit „Zum Ruhme der Familie“.

Stefanie Kock spielt ebenfalls die Marioza, die Besitzerin eines römischen Bordells. Sie überzeugt mit „Die Cäsarin von Rom“, mit dem sie zu erkennen gibt, dass die kirchlichen Würdenträger Stammkunden ihres Etablissements sind. Somit ist das Musical eine Kritik an einer heuchlerischen und dekadenten mittelalterlichen Kirche, sowie ein Plädoyer für Toleranz, Gerechtigkeit und Gleichberechtigung. „Die Päpstin“ ist somit immer noch ein absolut sehenswertes Musical.

Das Musical wird noch bis zum 2. Januar gespielt. Weitere Informationen und Tickets unter www.paepstin-musical.com. Im März kommt die Show nach Stuttgart ins Theaterhaus, und im Juni erneut nach Fulda.