LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Aimée Frieden therapiert gestresste Hunde

Unter Stress arbeitet Aimée Frieden (27) aus Schoos schon länger nicht mehr. Sie hat früh gemerkt, dass die gesamte Lebensqualität schnell unter einem zu hohen Stresspegel leidet. Was Psychologen und Yogalehrer für Menschen sind, ist Aimée Frieden für deren besten Freund: Sie ist Hundetherapeutin. Seit einiger Zeit unterhält sie mit „Pandoga Dog Training“ ihre eigene Firma für Hundetherapie und -training. Vom 7.-9. September bietet sie einen Workshop zum Thema Ruhe und Entspannung für Hunde an. Im Gespräch erfahren wir heute mehr über die Ausbildung und Zielsetzung der Hundeflüsterin.

Wie bist du zum Beruf Hundetrainer gekommen ?

AIMEE FRIEDEN Lange Zeit habe ich nicht wirklich eine Arbeit gefunden, die mich richtig interessiert. Mit 18 habe ich angefangen, ein bisschen überall zu arbeiten. Mein Vater meinte, ich solle doch einfach mal das machen, was mir gefällt. Also habe ich angefangen, Tier- und Hundepsychologie zu studieren. So habe ich mich nach und nach in dem Bereich etabliert, wobei ich aber immer noch nebenbei gearbeitet habe, und auch momentan noch als Köchin arbeite. Es ist sehr schwer, dies hauptberuflich zu tun.

Was umfasst eine Ausbildung zur Hundepsychologin?

AIMEE Angefangen wird mit einem eher theoretischen Teil zur Tierpsychologie im Allgemeinen. Das heißt, grob gesagt, man lernt wie das Tier psychisch funktioniert. Später wird spezifisch der Hund zum Thema. Welche Vorgänge spielen sich im Hirn ab? Wie arbeitet man mit Belohnungssystemen? Zunächst lernt man anhand von Beispielen im Kurs, dann besucht man aber auch Seminare. Ich habe dies per Fernstudium in drei Jahren absolviert. Anerkannt ist mein Diplom aber nur in der Schweiz und an einigen Orten in Deutschland. Vorwiegend ging es mir ohnehin darum, mein Wissen zu vergrößern.

Welche Erfahrungen haben dich auf deinem Ausbildungsweg besonders geprägt?

AIMEE Da ich noch mehr lernen und wissen wollte, habe ich mich entschlossen, nach Thailand zu reisen und die Straßenhunde dort zu beobachten. Dann führte schnell eins zum anderen. Ich habe bald Leuten geholfen, die Straßenhunde sterilisierten und weitervermitteln. Es ist interessant zu sehen, wie sehr sich die Straßenhunde von unseren europäischen Hunden unterscheiden. Unsere Hunde müssen sich unserem stressigen Alltag anpassen und einfach unser Programm mitmachen. Straßenhunde tun was sie wollen und sind viel freier im Gemüt, sodass sie andere Eigenschaften aufweisen. Sie sind beispielsweise eher wie Katzen, sie machen ihr eigenes Ding. Wenn sie gestreichelt werden möchten, kommen sie zu dir und wenn nicht, sind sie schnell wieder weg. Sie holen sich ihr Futter wo sie gerade mögen und wohnen in Rudeln wo es ihnen passt. Sie kommen erstaunlich gut klar und haben ein sehr ausgeprägtes Sozialleben zusammen mit anderen Hunden. Das vermisse ich schon hier in Europa. Die Besitzer haben Angst um ihre Hunde, sperren sie ein und verwehren ihnen den wichtigen Sozialkontakt.

Welche Probleme behandelst du vorwiegend in der Therapie?

AIMEE Ich kümmere mich grundsätzlich gerne um jeden Fall. Meistens rufen mich die Leute wegen Hyperaktivität und Nervosität der Hunde an. Oft gibt es auch Angststörungen, wobei dies meistens alles auf den Faktor Stress zurückzuführen ist. Wir merken es doch auch an uns selbst, wir sind permanent gestresst, denn irgendetwas muss immer getan werden. Die Menschen selbst kommen schon gar nicht mehr zur Ruhe und müssen extra zum Yogatraining oder selbst zur Therapie.

Was willst du den Leuten in deinem Workshop zeigen?

AIMEE Die Teilnehmer sollen erkennen wie wichtig es ist, einfach mal herunterzufahren und sich zu entspannen und dies auch ihrem Hund zu ermöglichen. Viele Besitzer meinen es natürlich nur gut, wenn sie ihren Hund permanent versuchen zu fördern und auszulasten. Sie gehen in die Hundeschule oder bringen den Hunden Tricks bei. Im Programm fehlt aber oft das gemeinsame Entspannen. Im Sport ist es doch auch so, man braucht immer eine Dehnungsphase, um den Körper wieder runterzubringen. So informiere ich zunächst darüber, was Entspannung für den Hund bedeutet und dass der Hund diese oft schon von selbst sucht, wenn er sich zum Beispiel streckt, schüttelt oder gähnt. Das sind Zeichen dafür, dass der Hund nervös ist und dem Stress zu entkommen versucht. Wenn die Leute auf diese Signale aufmerksam werden, können sie direkt besser mit dem Hund umgehen. Ich zeige ihnen dann noch ein paar Tricks, mit denen sie den Hund entspannen können, seien dies Massagen, Aromatherapie oder Desensibilisierung.

Wie ist die Resonanz bisher?

AIMEE Die Leute sind zunächst immer sehr erstaunt. Ich merke schon, dass dies oft etwas ganz Neues für sie, oder zumindest nicht selbstverständlich ist. Wenn ich das in den Trainingsplan mit einbaue, kommen sie öfters damit in Kontakt und werden es auch bald von selbst nutzen. Schnell merken sie dann, dass ihr Hund viel ruhiger wird. Ich will mich vor allen Dingen für ein besseres Zusammenleben mit den Hunden einsetzen und den Leuten helfen, ihr Tier besser zu verstehen. Sie wissen es oft nicht besser, ohne dass sie selbst etwas dafür können.


Anmelden zum Workshop kann man sich via Facebook:

bit.ly/2MCrSLY
Näheres zu Aimées Hundetraining auf ihrer Facebookseite

Pandoga.H.O.P.E oder unter bit.ly/2MClqV3