LUXEMBURG
MARCO MENG

Job Today wächst rasant - in einem ganz besonderen Markt

Erst 2015 gegründet, hat Job Today heute bereits 50 Mitarbeiter. Der Großteil davon stellt in Luxemburg das „Tech“-Team dar, während die Mitarbeiter in Spanien und Großbritannien für Verkauf und Marketing zuständig sind. Die schnelle Stellenvermittlung ist die Geschäftsidee. Das „Journal“ sprach mit der Co-Gründerin Polina Frolova-Montano.

Was genau macht Job Today?

Polina Frolova-Montano Job Today hilft Menschen, einen Job zu finden. Das ist unsere wichtigste Aufgabe. Job Today ist ein Werkzeug, um Leute einzustellen und freie Stellen zu finden, ein Werkzeug, das sofort und auf direktem Weg Jobsuchende und diejenigen, die Stellen anbieten, miteinander verbindet, um so innerhalb von Stunden freie Stellen zu finden und zu besetzen. Im Mittelpunkt stehen vor allem Branchen wie das Gastgewerbe, Hotellerie und Einzelhandel, wo die Fluktuation von Personal und auch die Schwankung des Personal-
bedarfs sehr hoch ist.

Das machen Sie für den luxemburgischen Markt?

Frolova-Montano Nein, unser Fokus liegt auf dem internationalen Markt. Da Luxemburg ein sehr kleiner Markt ist, sind unsere Hauptmärkte derzeit Spanien und das Vereinigte Königreich. In Spanien sind wir nun schon seit mehr als zwei Jahren aktiv, und wir sind dort auch sehr erfolgreich, bereits Marktführer, weil das, was wir anbieten, einzigartig ist. Auch im Vereinigten Königreich wachsen wir sehr schnell. Ich veranschauliche es an ein paar Zahlen: In zwei Jahren haben vier Millionen Menschen unser Tool genutzt, um Stellen zu finden, und mehr als 300.000 Unternehmen nutzten uns, um Stellen anzubieten. Die wichtigste Zahl ist aber, dass wir in den letzten zwei Jahren mehr als 200.000 Menschen halfen, über Job Today eine Arbeitsstelle zu finden.

Sie sagten, Ihr Geschäft im Vereinigten Königreich entwickelt sich gut. Haben Sie keine Angst, dass es nach dem Brexit damit vorbei ist?

Frolova-Montano Nein, denn unsere Dienstleistung ist jetzt mehr denn je relevant. Auf dem britischen Markt gibt es viele Arbeitgeber, die sehr damit kämpfen, ihre freien Plätzen mit den richtigen Bewerbern zu besetzen. Und Job Today hilft ihnen, dieses Problem zu lösen.

Wie kamen Sie auf die Geschäftsidee?

Frolova-Montano Ich gründete Job Today zu-sammen mit einem Freund, Eugene Mizin, der den „Technologie“-Hintergrund mitbrachte und Geschäftsführer des Unternehmens ist. Die Inspiration dazu erhielt ich aber tatsächlich durch meine Berufserfahrung hier in Luxemburg, als ich als Unternehmerin einige Jahre im Einzelhandel arbeitete. Das heißt, ich hatte selbst ein kleines Unternehmen und war tagtäglich damit konfrontiert, wie ich kurzfristig Leute einstellen kann. Ich schaltete Zeitungsanzeigen, beauftragte Zeitarbeitsagenturen, ging zum Arbeitsamt, aber ich stellte nur fest, dass es nichts gab, was kurzfristig Stellensuchende und Stellenanbietende miteinander in Verbindung bringt. 75 Prozent der Stellenvermittlung in Einzelhandel und Gastgewerbe geschehen übrigens immer noch „offline“. Wir vermitteln Stellen, die normalerweise nie online ausgeschrieben stehen. Das macht uns so einzigartig. Das Problem für kleine Unternehmen ist ja, dass sie nicht die Ressourcen haben für lange Auswahlverfahren und Vorstellungsgespräche. Darum die Idee, hierfür eine Lösung anzubieten, die es beiden Seite einfach macht: Stellensuchende und Anbieter mit einem Interface direkt miteinander zu verbinden, wodurch beide Seite auch sofort die relevanten Fragen stellen können: Sprichst du Deutsch? Sprichst du Französisch? Kannst du Cocktails machen? Kannst du samstags arbeiten oder sonntags, morgens oder abends? Arbeitssuche ist nichts Angenehmes, es stresst die Leute. Das müsste aber nicht sein. Es ist eigentlich nur eine Konversation zwischen zwei Personen.

So haben Sie diese Nische für sich entdeckt...

Frolova-Montano Es ist eigentlich keine Nische, sondern ein riesiger Markt. Millionen von kleinen Unternehmen nutzen nach wie vor „altmodische“ Methoden, um Personal für ihre freie Stellen zu finden. Das Besondere ist nun, dass wir diesen Markt online bringen. Überall auf der Welt machen Menschen zu einer gewissen Zeit einfache Jobs im Restaurant oder Supermarkt, um das Studium zu finanzieren, sich etwas dazuzuverdienen oder warum auch immer. Dieser Sektor ist für eine große Bevölkerungszahl sehr relevant.

Wie war der Geschäftsstart? War es nicht schwierig, Kunden zu finden?

Frolova-Montano Man wird Unternehmer, weil man eine Idee hat. Der Unterschied zwischen einem Träumer und einem Unternehmer ist, dass der Träumer weiterträumt, während der Unternehmer aus seiner Idee ein Projekt macht, das er in die Realität umsetzt. Sicher ist es nicht einfach, ein Unternehmen zu starten, aber wenn man an sich glaubt, geht es. Als wir mit Job Today begannen, stellten wir fest, dass das, was wir tun, das Leben von Menschen positiv verändert, und das war ein weiterer Ansporn für uns. Unser erster Markt war Spanien, wohin ich oft reiste, um dort in Barcelona die Filiale zu gründen, das richtige Personal zu finden. Dann kam die zweite Filiale in Madrid. Wir wussten sofort, dass das, was wir anbieten, nicht auf einen Markt beschränkt sein muss, und so gaben wir uns auch eine globale Ausrichtung.

Wer sind Ihre Kunden?

Frolova-Montano Primär war unsere Zielgruppe kleine Unternehmen, so wir ich einst eines führte, von dem ich eben geredet habe. Ein kleines Unternehmen muss sich um die tägliche Arbeit kümmern, mit Kunden und Lieferanten reden, und hat dabei nur wenig Zeit, Personal zu suchen. Zuletzt kommen aber auch immer mehr größere Kunden auf uns zu, weil sie hörten, dass unsere Lösung schnell und einfach funktioniert.

Gewinn machen Sie aber noch keinen?

Frolova-Montano Nein, unser Fokus lag bis jetzt darauf zu wachsen und in unserem Sektor die Nummer 1 zu sein. Allerdings dürfte dieses Jahr mit einem leichten Überschuss enden.

Welche Pläne haben Sie für die nächste Zukunft?

Frolova-Montano Wie gesagt denken wir global und möchten ein auch global aktiv sein. Existenzberechtigung ist, Nutzern einen Mehrwert zu bringen, dazu wollen wir robust sein und die richtige marktrelevante Größe haben. Dazu möchten wir vor allem in Spanien und Großbritannien weiter wachsen, bevor wir weiter in Europa
expandieren wollen.

www.jobtoday.com