SCHÜTTRINGEN
PATRICK WELTER
Steckbrief Schüttringen

4.100 Einwohner auf 1.610 Hektar

Schüttringen besteht aus den Ortschaften Münsbach, Neuhaeusgen, Schrassig, Schüttringen und Uebersyren. Die Gemeinde umfasst eine Fläche von 1.610 Hektar und hat zur Zeit etwa 4.100 Einwohner. Der Ausländeranteil beläuft sich auf 49 Prozent (70 Nationalitäten). International arbeitet man eng mit der deutsche Partnergemeinde Siegelsbach zusammen. An eine Fusion denkt man im Moment nicht, da man sich selbst gut aufgestellt sieht, legt aber Wert auf eine vernetzte Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden und innerhalb des Gemeindesyndikats SIAS.

Es ist vielleicht das ungewöhnlichste Interview dieser Serie. Ein Gespräch mit zwei DP-Politikern, die sich in der ablaufenden Legislaturperiode einen Bürgermeisterposten geteilt haben. Geteilte Amtszeiten gibt es in der Regel zwischen gleich großen Koalitionspartnern, wie in Betzdorf oder Kontern. In Schüttringen lag der Fall anders, da schnitten gleich zwei DP-Kandidaten bei der Wahl 2011 gut ab, so dass man sich zu einem innerparteilichen Ämtersplitting entschloss. Die ersten drei Jahre übernahm Nicolas Welsch das Bürgermeisteramt, dann folgte für die zweite Hälfte der Wahlperiode Jean-Pierre Kauffmann, der schon früher Bürgermeister war. 2011 hatte eine Koalition aus DP und „Schëtter-Bierger“ einen LSAP-CSV Schöffenrat abgelöst.

Geänderte Stimmungslage

Beide Bürgermeister betonten, dass es vor allem einen deutlichen Stimmungswandel im Schüttringer Rat gegeben hat. Wo es früher oft hart zuging und sich Sitzungen bis in die Nacht hineinzogen, oft bis Mitternacht, funktioniert jetzt die Zusammenarbeit zwischen allen Fraktionen. Für Jemp Kauffmann ist vor allem die Gemeinde Gewinner der guten Stimmung im Gemeinderat. Die DP setze Ideen, die dann gemeinsam diskutiert werden.

Weniger Wachstum

Nicolas Welsch weist auf einen gemeinsamen Punkt der kommunalen Politik hin: Entgegen der Pläne der Landesplanung wolle man in Schüttringen keine „prioritäre“ Gemeinde werden, so wolle man auch keine Verdopplung des Gewerbegebietes. Für Kauffmann ist Schüttringen, von der Struktur und den Finanzen her, gut aufgestellt. Das Hauptproblem sei weiterhin der Durchgangsverkehr als „Schleichweg“ von Oetrange aus zur Autobahn A1, deswegen widerspreche man den Bereichsplänen.

Dass die beiden Kommunalpolitiker mit dieser Auffassung nicht alleine stehen, erläutert Nicolas Welsch. An einer entsprechenden Bürgerbefragung haben sich 700 Bürger beteiligt, dass Ergebnis sei klar gewesen: „Die allermeisten wollen eine moderate Entwicklung“, so Welsch. Das hat nicht verhindert, dass in den letzten sechs Jahren Baugenehmigungen für rund 200 Wohneinheiten ausgestellt wurden. Statt eines schnellen Wachstums verfolge man das Konzept einer „lebendigen Gemeinde“. So seien in den letzten Jahren vier neue Vereine entstanden. 33 Prozent der Bürger sind in Vereinen und Clubs aus allen Bereichen engagiert. Entsprechend wurden auch Regeln für die Erteilung der Finanzzuschüsse für die Vereine erlassen. Eine von der Gemeinde finanzierte Haftpflichtversicherung für alle Vereine wurde abgeschlossen. 

Das war eine Premiere in Luxemburg

In der Wahlperiode wurde auch der Schulcampus weiter ausgebaut. Jemp Kauffmann betont auch die Notwendigkeit, das Personal der Gemeindeverwaltung aufzustocken, damit man einen besseren Bürgerservice sichern konnte. Welsch plädiert für die Zukunft für ein „Tracking“ der Bürgeranträge. Nochmal Stichwort „Zusammenhalt“: Nicolas Welsch berichtet von zahlreichen Aktionen, die man ins Leben gerufen hat, wie Ferienfreizeiten für Kinder und Jugendliche, einen Jugendkommunalplan oder einen Nachbarschaftsdienst für Senioren.

Auch die umweltpolitischen Aufgaben seien vielfältig. Es wurden mit „Valorlux“ Papier und Glassammlungen eingeführt, außerdem eine Luftqualitätsstudie und ein Solarkataster erstellt. Im Gegensatz zu einem landesweiten Restmüllaufkommen von 220 Kilogramm pro Kopf liegt die Restmüllmenge für Schüttringen bei nur 140 Kilogramm pro Kopf und Jahr. Welsch, im Moment Präsident des interkommunalen Syndikates SIAS, will das bestehende Recycling-Zentrum innovativ umbauen und zu einem zentralen Punkt der Kreislauf- und Tauschwirtschaft machen.

Was war wichtig?

Auf die Frage nach dem, was für sie der wichtigste Erfolg der Legislatur war, nannten beide unterschiedliche Punkte. Für Kaufmann ist es die Sicherung der Lebensqualität, die Unterstützung der Vereine und der Ausbau des Schulcampus. Nicolas Welsch setzt die Schwerpunkte etwas anders. Für ihn steht der Ausbau des Gemeindehauses und die damit verbunden Verbesserung des Bürgerservice ganz vorne und dann vor allem die erfolgreiche Bürgerbefragung über die Zukunft der Gemeinde sowie die Integration der nicht-luxemburgischen Mitbewohner.

Eine Besonderheit hat Schüttringen noch zu bieten: Alle Eltern in der Gemeinde haben für ihre Kinder einen garantierten Platz in der Krippe und im „Maison Relais“ - auswärtige Bewerber, meistens Eltern, die im Gewerbegebiet arbeiten, werden abgelehnt. Interessant für andere Kommunen dürfte auch das zur Lösung von Nachbarschaftsstreitigkeiten eingeführte Mediationsverfahren sein.

Für Jemp Kauffmann ist es wichtig, dass Schüttringen keine Schulden hat und daher mit geringen Steuern und Gebühren glänzen kann. Unter anderem mit dem niedrigsten Hebesatz für die Gewerbesteuer im Großherzogtum - 225 Prozent.

Die Zukunft

Was soll die Zukunft bringen? Vor allem einen neuen allgemeinen Bebauungsplan und ein neues Kulturzentrum, das bisherige ist Teil es Schulcampus, das neue Zentrum soll an einem Platz entstehen, an dem keine Anrainer gestört werden. Auch der Vorplatz der Kirche wird neu gestaltet und der Bereich vor dem Schulcampus soll in einen „Shared space“ umgestaltet werden.

Im Rahmen des Ausbaus des Fahrradnetzes sollte man überlegen, beim Bau der neuen Abwasserleitung vom Flughafen Findel zur Kläranlagen in Obersyren deren Trasse als Fundament für eine neuen Fahrradweg zu nutzen. Was für Nicolas Welsch eine schnelle Verbindung via „Pedelec“ zwischen Schüttringen und der zukünftigen Tram- und Bushaltestelle auf „Héihenhaff“möglich machen würde.

Jemp Kauffmann will sich auch für den Bau eines neuen Feuerwehrgebäudes für das gemeinsame Feuerwehrkorps Niederanven/Schüttringen stark machen - ganz unabhängig von der nationalen Reform des Rettungswesens.

Beide Bürgermeister planen auch in der Zukunft, noch weiteren bezahlbaren Wohnraum für Jugendliche aus der Gemeinde zu bauen.

Bitte an die CFL

Ein Wunsch an die CFL oder das Infrastrukturministerium wäre der Bau eines Eisenbahnhaltepunktes direkt am Gewerbegebiet, das immerhin täglich 4.000 Arbeitnehmer anzieht, die Sache sollte leicht zu entscheiden sein, da das dafür notwendige Bauland bereits in öffentlichem Besitz ist.

Gut gemischte Liste

Die DP Liste, die zu den Kommunalwahlen antritt, sei eine „homogene Mannschaft“, meinen sowohl Kauffmann als auch Welsch, sieben Kandidaten waren schon dabei, vier sind neu, die Liste besteht aus sieben Männern und vier Frauen.

In der Vorbereitung der Wahlkampagne habe man schon lange zusammengearbeitet, so Kauffmann, und man habe gemeinsam neue Ideen „kritisch und konstruktiv“ entwickelt.