LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Anne-Mareike Hess und Annick Schadeck erhielten den Jugendpreis 2012

Zeitgenössischer Tanz boomt. Nicht nur die Tanzkunst an sich entwickelt sich ständig weiter sondern auch die Terminologie, die von Post Modern Dance, New Dance bis hin zu choreografisches Theater reicht. Videoinstallationen kommen zum Einsatz, interdisziplinäre Arbeitstechniken werden einbezogen. Was den zeitgenössischen Tanz aber in erster Linie auszeichnet, ist seine Vielfalt. Klar definieren kann man ihn also nicht, zu abhängig ist seine Darstellung vom jeweiligen Künstler. Tanzwissenschaftler Johannes Odenthal spricht von Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten und einem permanenten Bruch mit vorhandenen Formen.

Permanente Suche und Entwicklung

Zeitgenössische Tänzer und Choreographen verstehen ihre Arbeit als Suche und Entwicklung. So auch die beiden jungen Luxemburgerinnen Anne-Mareike Hess und Annick Schadeck, die vor kurzem von der Stiftung zur Förderung junger Künstler in Luxemburg mit dem Jugendpreis 2012 ausgezeichnet wurden.

Fragt man die Choreographin Anne-Mareike Hess nach dem roten Faden, der ihre Arbeiten durchzieht, so nennt sie „die menschliche Beziehung“ als Ursprungsgedanken. „Wie funktionieren Menschen zusammen? Wie kommunizieren sie? Welchen Problemen begegnen sie? Das sind die Gedanken, die ich in meinen Arbeiten umzusetzen versuche“, erklärt die junge Frau. Bereits die Titel einiger ihrer Produktionen spiegeln dies wider:
„I believe that we are having a dialogue“ (2012) oder „Essays on the Body and Soul“ (2011).

Die Titel verraten, dass hier gleichzeitig eine Philosophin am Werke ist. „Die Frage nach dem Zusammenleben der Menschen ist immer aktuell. Der Mensch verändert sich. Er begegnet immer neuen Herausforderungen. Es ist nicht mehr alles vorgegeben. Heute gibt es verschiedene Lebensmodelle. Ich mache mir viele Gedanken. Das alles fließt mit ein“, erklärt Anne-Mareike Hess, die hierzulande mit Bernard Baumgarten und Gianfranco Celestino zusammengearbeitet hat.

Nie abgeschlossener Entstehungsprozess

Ihre tänzerische und musikalische Ausbildung hat Anne-Mareike am hauptstädtischen Musikkonservatorium, am Trois C-L, an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Frankfurt/Main und am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin erhalten. Heute arbeitet sie als freischaffendende Tänzerin und Performerin und produziert auch eigene choreographische Arbeiten. Zwei bis drei Monate arbeitet Anne-Mareike Hess in der Regal an einer Choreographie. Der Entstehungsprozess ist dabei eigentlich nie ganz abgeschlossen, wie die Choreographin erklärt: „Ich arbeite sehr viel mit dem Raum, in dem das Stück aufgeführt wird. Außerdem suche ich immer den Kontakt zum Publikum. Häufig sitzen die Zuschauer um uns herum und werden mit einbezogen. Ein Stück wird ständig aktualisiert und wächst mit den Darstellern“.

Im Dezember beginnt Anne-Mareike Hess ein neues Projekt mit einer Choreographin in Berlin.

Vom zeitgenössischen Tanzfieber gepackt

Auch Profitänzerin Annick Schadeck hat das zeitgenössische Tanzfieber gepackt. Bis vor kurzem war sie fest in der „Compagnie des Zhukov Dance Theatre“ eingestellt, mit der sie in San Francisco gastierte. Nun ist sie eher als „freelance“ unterwegs, nimmt kleinere Projekte an und freut sich über die Zusammenarbeit mit interessanten Choreographen.

Ihre Leidenschaft wurde bereits im Kindesalter geweckt, richtig gepackt wurde sie aber erst mit 13. Dann ging es richtig los: Ballett, Jazz und zeitgenössischer Tanz standen in den darauf folgenden Jahre auf dem Programm. „Oft habe ich mir Stücke bekannter Kompanien im Großen Theater angeschaut. Genau das wollte ich auch“, erzählt Annick Schadeck. Studiert hat sie schließlich am Konservatorium in Luxemburg und in Esch/Alzette. Ihren Bachelor in Bühnentanz hat sie an der Palucca Schule Dresden gemacht. Wichtige Erfahrungen konnte die junge Frau bei Choreographiegrößen wie Jean-Guillaume Weis und Anu Sistonen sammeln.

Eisernes Training ist unerlässlich

„Im Augenblick sind es besonders die Bereiche zeitgenössischer und sehr moderner Tanz, die mich am meisten reizen, da sie auch die physischste Form des Tanzes sind. Eigentlich interessiert mich aber alles“, schmunzelt Annick Schadeck, die übrigens auch als Model arbeitet. Für diesen Nebenjob nimmt sie sich jetzt wieder etwas mehr Zeit. „Wenn man fest in einer Tanzkompanie angestellt ist, stehen täglich acht Stunden Training an sechs Tagen in der Woche an. Ist man mit einer Kompanie unterwegs, bleibt keine Zeit für etwas anderes. Natürlich kommen tagelange Trainingspausen nicht in Frage, man muss schließlich in Form bleiben“, gibt die Tänzerin zu bedenken.

Zwischendurch immer mal wieder auf Stippvisite

Anne-Mareike Hess und Annick Schadeck sind eher selten in Luxemburg anzutreffen. Eine kurze Stippvisite anlässlich der Überreichung des Jugendpreises 2012 konnten natürlich beide einrichten. Gleichzeitig stellten sie ihr Talent vor dem einheimischen Publikum unter Beweis, bevor es beide wieder in die große weite Welt zog.