LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Urteil im Gafferprozess: Behinderung der Rettungskräfte bei Lkw-Unfall hat Geldstrafe und Fahrverbot zur Folge

Im sogenannten Gaffer-Prozess hat das Polizeigericht Luxemburg am Mittwoch sechs Hauptangeklagte zu Geldstrafen von jeweils 250 Euro und zu drei Monaten Fahrverbot auf Bewährung verurteilt.

Ein Angeklagter erschien nicht

Einer der Beschuldigten war dem Verfahren ferngeblieben. Dem Beschuldigten wird aber rechtliches Gehör sowie die Möglichkeit uneingeschränkter Verteidigung in einem neuen Verfahren gewährt werden.

Die Beschuldigten waren angeklagt, da sie Helfer am Unfallort behindert oder Fotos und Videos vom Unfallort gemacht hatten. Die Vorsitzende Richterin sah den Tatvorwurf der Behinderung von Polizei und Rettungsdienst als erwiesen an. Mit seinem Urteil folgte das Polizeigericht dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Prozess wurde sehr stark in den sozialen Netzen verfolgt und sorgte für zum Teil sehr emotionale Reaktionen.

Am 4. Oktober 2016 kam es zu einem Auffahrunfall zwischen drei Lkw auf der Autobahn A1 vom Senningerberg aus kommend, auf Höhe der Auffahrt auf die Autobahn A7 in Richtung Kirchberg. Ein Lkw war ungebremst und mit großer Wucht auf einen zweiten Lkw aufgefahren. Die Fahrerkabine wurde hierdurch eingedrückt, der Fahrer eingeklemmt.

Gaffer vor den Rettern aktiv

Erst nach vierzig Minuten konnte er von der Berufsfeuerwehr sowie den anwesenden Rettungsdiensten des Einsatzzentrum Niederanven-Schüttringen mit schwerem Rettungsgerät aus der Kabine befreit werden. Bereits wenige Minuten nach dem Unfall hatten sich Schaulustige positioniert und die Handys gezückt, um den besten Blick auf das Geschehen zu haben. Es kam dadurch zu Behinderungen der Einsatzkräfte.

Pietät- und distanzlos

Einer der Angeklagten filmte mit seinem Handy sogar den Rettungshelikopter, der auf der Autobahn gelandet war - für seinen Sohn, sagte er vor Gericht. Der Rettungshubschrauber war mit dem Notarzt aus Ettelbrück auf den Fahrbahnen der Autobahn gelandet. Die anderen Gaffer waren offensichtlich von der Katastrophe so fasziniert, dass sie nicht mal merkten, dass ein Polizist ihre Autonummern aufschrieb.

Ein Pressesprecher der Polizei hatte vor Gericht das Verhalten der Gaffer als völlig pietät- und distanzlos kritisiert. Es sei nicht hinzunehmen, wenn Schaulustige die Arbeit von Rettungskräften behindern.