ESCH/ALZETTE
MARA KROTH

Graffitikünstler Alain Welter lässt das Tierreich im Ellergronn aufleben

Ein Eichhörnchen mit Kappe, eine Schnecke mit Melone und eine Fliege, die den Hut zieht: Die Natur und das Tierreich stehen in den Werken von Graffitikünstler Alain Welter (24), auch als „Mope“ bekannt, oftmals im Vordergrund. Das gesprayte Gemälde im Ellergronn, welches am Escher Park zu finden ist, wird dominiert von intensiven Farben, hellem Rot, Blau und Gelb, und ist hier und da von großen Punkten und Streifen geschmückt. Etwas versteckt im Hintergrund ist auch eine Botschaft an den Betrachter zu finden: „The Earth has Music for those who listen“.

Dieses Werk hat Alain im Rahmen des „Kufa Urban Art Esch“ umgesetzt. Das Projekt bringt seit einigen Wochen viele verschiedene Künstler und Interessierte in Esch zusammen.

Große Bilder, kleine Fans

Woher seine Inspiration für dieses Werk kam, wollten wir von dem jungen Talent wissen. „Anfangs war ich mir nicht sicher, in welche Richtung ich mich bei diesem Gemälde orientieren möchte. Dann bin ich zum Ellergronn gefahren, habe mir die Wände und die Umgebung angeschaut und überlegt, was farblich passen könnte.“

Wer seine vorherigen Arbeiten kennt, besonders die aus seinem Projekt „Make Koler Kooler“, der weiß, dass Alain oft Tiere mit menschlichen Merkmalen kombiniert oder in menschlichen Situationen, wie auf dem Fahrrad oder mit Instrumenten, darstellt. Besonders Kindern gefallen die ausgefallenen Tiere „Als ich gerade hier am Sprühen war, hat eine Followerin auf meinem Instagram- Account gesehen, dass ich hier zugange bin. Sie ist mit ihren Kindern hergekommen, die total begeistert waren und auch schon mein Werk an den Gleisen in Esch gesehen hatten und mich wiedererkannten. Sie sind am nächsten Tag sofort wiedergekommen, um den Prozess weiterzuverfolgen. Das macht mir natürlich riesige Freude zu sehen, dass Kindern meine Bilder und Motive gefallen!“.

Workshops zum Sprayen

Im Zuge des „Kufa Urban Art Esch“- Projekts wurde der Künstler aus Kahler zum wiederholten Mal von der Kulturfabrik engagiert. Neben seinem Projekt im Ellergronn gab er dieses Jahr zum ersten Mal zwei Workshops, einer davon im Zuge des „Escher Jugendtags“. In diesem Workshop konnten Kinder mithilfe von selbstgebastelten Schablonen ihren Namen auf kleine Leinwände sprühen und mit nach Hause nehmen. Beim zweiten Workshop zum Thema „Peace“ sprühte Alain die Konturen Nelson Mandelas auf eine riesige Leinwand, woraufhin die teilnehmenden Kinder sich farblichen an dem Gemälde austoben konnten.

Seine künstlerischen Fähigkeiten hat Alain indes schon in der Kindheit beim Zeichnen entdeckt, selbst angefangen mit dem Sprayen hat er mit 16 Jahren im Lycée. „Ich habe damals ab und zu mit Freunden gesprayt. Regelmäßiger wurde es dann, als ich meinen Bachelor in Illustration in Berlin gemacht habe und jene illustrativen Elemente dann mit dem Sprayen kombiniert habe. Seit dem Kunstprojekt in Kahler habe ich dann fast täglich gesprüht“, erklärt er uns.

Illustration und Sprayen kombinieren

Wie er seinen Stil charakterisieren würde, sei schwer zu beschreiben. Er versuche noch, so viel wie möglich auszuprobieren: „Ich finde es wichtig, sich nicht zu früh auf einen Stil festzulegen, da man sonst einfriert und sich nur langsam weiterentwickelt“.

Seine Werke haben definitiv Wiedererkennungswert, unterscheiden sich jedoch hin und wieder deutlich voneinander. Mal erinnern seine Gemälde an die Pop Art-Ära, mal wird es eher plastisch und voller abstrakter Formern. Oder seine Werke, wie das im Ellergronn, erinnern an „Urban Art“, was Alain mit einem Lächeln als „den kleinen Bruder von Graffiti“ bezeichnet.

Sein Stil habe sich jedoch mit seinen letzten Werken für „Make Koler Kooler“ etwas gefestigt: „Mit dem Fahrrad fahrenden Frosch an unserer Hauswand oder dem Tier- Orchester am Spielplatz kann ich mich künstlerisch identifizieren“.

An einem Merkmal kann man den jungen Künstler jedoch fast immer wiedererkennen. „Ich baue sehr gerne Schriftzüge und illustrative Merkmale ein“, sagt er. Da dies eigentlich nicht zum ursprünglichen Image von Graffitis passen würde, fragte ein ehemaliger Professor ihn und einen Freund sogar, ob sie an der „Berliner Technischen Hochschule“ einen Vortrag zum Thema Illustration in Graffitis halten wollen.

Für die Zukunft würde sich Alain gerne auch neuen Projekten widmen, wie er uns erklärt: „In letzter Zeit habe ich mich sehr stark auf Wände fokussiert, aber auf eine Installation hätte ich auch Lust, wenn sich eine passende Gelegenheit findet und ich eine gute Idee habe“.


Mehr unter www.alainwelter.com oder

auf Instagram unter: alain_welter