LUXEMBURG
MARIE-ANNE MISTERI
Lëtzebuerger Journal

„Die Aufnahme eines Haustieres in die Familie sollte wohlüberlegt sein“, meint Marie-Anne Misteri vom Regionalen Tierasyl Düdelingen.

Die Tierheime platzen aus allen Nähten und immer öfter sehen sie sich mit schlecht sozialisierten oder unartgerechten und unfairen Methoden behandelten Tieren konfrontiert, die immer länger auf immer weniger verständnisvolle Tierfreunde warten müssen: trauriger Alltag, nicht nur zum Jahreswechsel, sondern das ganze Jahr über. Trotzdem dürften auch zu diesem Fest wieder Haustiere verschenkt werden – ein alarmierender Trend, wie Marie-Anne Misteri vom Regionalen Tierasyl Düdelingen betont.

„Schon länger warnen alle seriösen Tierschutzorganisationen davor, Tiere zu verschenken, sei es nun niedliche Hunde(welpen), Katzen, Kleinnager, Kaninchen, Ziervögel, Fische, exotische Tiere. Diese noch immer verbreitete Praxis sollte endlich aufhören. Tiere sind kein Geschenkartikel … und zwar weder zu St. Nikolaus, Weihnachten, Ostern, zum Geburtstag, noch zu sonst einer Gelegenheit.

Vor der Anschaffung eines Haustieres sollte jeder Tierfreund sich bewusst sein, dass er mit dieser Entscheidung sein Leben von Grund auf verändert und deshalb zuerst selber gründlich überlegen sollte, welches Haustier am besten zu ihm und seinen Lebensgewohnheiten passt. Dabei müssen die Ansprüche und Bedürfnisse des Tieres an erster Stelle stehen, Egoismus und falsch verstandene Tierliebe sind fehl am Platz, sie führen über kurz und lang nur zu einer bitteren und folgenreichen Enttäuschung - für Mensch und Tier gleichermaßen. Der Entschluss für die Wahl eines bestimmten Haustieres, genauso wie der Zeitpunkt obliegen auf jeden Fall dem oder den zukünftigen Haltern und keinesfalls irgendwelchen Außenstehenden, sei es Familienangehörige oder Freunde, auch wenn sie meinen, mit ihrem ‚besonderen Geschenk‘ etwas Gutes zu tun.

Die Anschaffung eines Tieres auf Drängen der Kinder, als lebendes Geschenk, Ferienbeschäftigung oder aus sogenannten ‚therapeutischen Gründen oder Erziehungsmaßnahmen‘ ist nicht nur eine denkbar schlechte Idee, sondern kann kläglich scheitern, wenn man erwartet, dass die Kinder sich hauptsächlich oder exklusiv um das Tier und seine Bedürfnisse kümmern werden. Unsere Erfahrung beweist nämlich immer wieder, dass es praktisch ausnahmslos die Erziehungsberechtigten sind, die früher oder später die Hauptlast der Verantwortung und der Versorgung für dieses Lebewesen übernehmen und tragen müssen. Mit dieser Aufgabe sehen sie sich dann häufig überfordert, daraus resultiert in vielen Fällen unartgerechte und unfaire Haltung. Schließlich landet das Tier in einem Tierheim oder wird schlimmstenfalls schnell und leichtfertig weitergereicht, weil der Aufwand den Menschen über den Kopf wächst.

Zudem gilt: Auch wenn die Entscheidung für die Aufnahme eines Haustieres nach gewissenhafter Überlegung entschieden und von allen Familienmitgliedern getragen wird, sind die Hektik und der Trubel von Fest- und Feiertagen sicher nicht der geeignete Zeitpunkt für eine solche Entscheidung. Eine langsame und stressfreie Eingewöhnung in das neue Zuhause in einer ausgeglichenen, ruhigen Atmosphäre ohne Zeitdruck sind die idealen Voraussetzungen, damit der Start in die gemeinsame Zukunft für Tier und Mensch ein voller Erfolg wird.“