LUXEMBURG
CAMILLE MULLER, „VEGINFO LUXEMBOURG“

Es sind Wahlen - und Themen wie „Tierschutz“ werden schlagwortartig in diesem Rahmen benutzt. „Nicht selten bleibt es jedoch bei eher inhaltslosen Parolen, bei denen suggeriert wird, dass es in erster Linie um Haustiere geht“, resümiert Camille Muller von „VegInfo Luxembourg“.

„Hier hat das neue Tierschutzgesetz schon so manches verbessern können. Was die Nutztiere angeht, wurde bis auf ideale Haltungsbedingungen für solche -die wirtschaftlich kaum vorkommen- und dem Verbot für inexistente Praktiken wie Kükenschreddern kaum eine Lanze gebrochen. Solches überlässt man ausländischen Industrien, aus denen man dennoch importiert. Dagegen hat man gängige Haltungsbedingungen wohl aus wirtschaftlichen Gründen aus dem neuen Tierschutzgesetz ferngehalten - Paradebeispiel: die Schweinezucht! 

Da die Tierliebe jedoch auch durch den Magen geht, wäre die politische Forderung nach mehr Tierwohl in der Landwirtschaft besonders sinnvoll. Man könnte dort ansetzen, wo sich die Ursachen vieler Probleme - bei Produktion und Konsum - überschneiden. 

Ein nicht zu unterschätzendes Problem bleibt der übermäßige Konsum tierischer Produkte. Hier könnte man mit einer Diversifizierung des Konsums und der Landwirtschaft dem Problem entgegenwirken. So veröffentlichte das Portal des Landwirtschaftsministeriums vor zwei Jahren sogar einen Flyer mit einer Empfehlung für den maximalen Fleischkonsum. Diese Angabe entspricht jedoch nicht mal einem Drittel des tatsächlichen Fleischkonsums unserer Bevölkerung! 

Weniger Fleisch und Milch, dafür mehr Gemüseanbau würde manchen Landwirten zudem ein weiteres Standbein bieten. Sie wären wieder Produzent aller Lebensmittel - zumal es im Land immer noch an eigener Gemüseproduktion fehlt. 

Es gibt keine Produktion tierischer Produkte ohne Ausbeutung. Und je mehr tierische Produkte erzeugt werden, je mehr Tierleid bewirkt man - besonders bei Billigimporten. Daher sollten wir unsere Lebensmittelproduktion in der Region mehr diversifizieren und den Konsumenten zu mehr pflanzlicher Nahrung überzeugen. Standortsbedingt zeigen schon erste Produzenten, dass es klappen kann - Stichwort „Solidarische Landwirtschaft“. Den Avocadofetischisten könnte man so nebenbei auch zum Verbrauch von mehr lokalen Lebensmitteln bewegen. Der Fleischliebhaber würde wieder den Sonntagsbraten zelebrieren und zwischendurch das geschlachtete Tier ganz wertschätzen. Die Engländer sagen hierzu ‚From Nose to Tail‘ - ein Tier, das nicht nur aus ‚Edelteilen‘ besteht, wieder soweit wie möglich ganz vertilgen. Dies wäre auch ein Beitrag zu weniger Lebensmittelverschwendung und rein rechnerisch müssten weniger Tiere gezüchtet werden. 

Wenige Parteien haben sich bis dato im Wahlprogramm mit diesen Themen befasst. Aber vielleicht ergibt sich ja noch die eine oder andere Aussage im Wahlkampf.“