LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Stück „Hughie“ feiert heute Premiere in Düdelingen - Schüler durften kreatives Team treffen

Warum wurde ausgerechnet dieser Text ausgesucht? Kann man von diesem Beruf überhaupt leben? Und welche Schwierigkeiten gab es bei der Umsetzung des Theaterstückes? Anfangs noch recht schüchtern, aber dann kamen sie doch recht zahlreich, die Fragen der Schüler an die beiden Schauspieler. Manche Fragen waren spontan, andere im Unterricht vorbereitet, aber relativ schnell entwickelte sich eine natürliche und entspannte Diskussionsrunde.

Schüler von drei Schulen, darunter vom „Lycée Nic Biever“ aus Düdelingen, haben gestern Nachmittag im Kulturzentrum „opderschmelz“ nicht nur der Schulvorstellung von „Hughie“ zugeschaut, sondern im Anschluss auch noch an einer Fragerunde mit den beiden Hauptdarstellern François Baldassare und Olivier Baume teilgenommen.

Echte Gangster und desillusionierte Träumer

Das Stück „Hughie“ hat der US-amerikanische Autor Eugene O’Neill 1942 geschrieben, es aber im Jahr 1928 angesiedelt. Es dreht sich um den Glücksspieler, Kleinganoven und Träumer Erie Smith, der seit 15 Jahren in einem schäbigen New Yorker Hotel lebt und den Geschäftsmann, Mafiagangster und Zocker Arnold Rothstein verehrt. „Einmal habe ich mir mit einem Hundertdollarschein eine Zigarre angezündet, in New Orleans“, prahlt der Möchtegern-Lebenskünstler über sein Glück im Spiel. Doch das ist lange her. Sein eintöniges Leben bekommt eine neue Wendung, als er in der Lobby auf den neuen Nachtportier Charlie trifft. Mit dessen Vorgänger Hughie verband Erie eine besondere Freundschaft: Seit dieser gestorben ist, ist auch Eries Glück im Spiel dahin. Doch Charlie ist eher der schweigsame Typ, der seinen Gedanken nachhängt und das Hotel als Gefängnis empfindet.

Inszeniert hat das Stück François Baldassare, der auch die Hauptrolle des Erie spielt, Olivier Baume verkörpert Charlie. Sowohl der gute Freund Hughie als auch der Gangster Rothstein hingegen glänzen in anwesender Abwesenheit. Die Frage, um die das Stück letzten Endes auch kreist, lautet, ob Erie seinen Kummer, sein inneres Gefängnis, überwinden, sich auf eine neue Freundschaft einlassen und die Enttäuschung über sein Leben überwinden kann - oder ob nicht etwas dazwischen kommt. „Wir wollten die Verzweiflung von zwei Menschen zeigen, die letzten Endes ziemlich verloren sind, das ist sehr zeitgenössisch“, erklärt Baldassare. „Es geht um richtige und um falsche Träume, denen man nachjagt, die aber für das wahre Leben keine Bedeutung haben“.

Jugendliche aus Erziehungsanstalt bauen an Bühnenbild

Aber die Schüler, von denen einige auch selbst Theater spielen, interessieren sich auch für ganz praktische Dinge. So gibt Baldassare auf Nachfrage aus dem Publikum auch über seine Vorbereitung für seine Auftritte Auskunft. „Ich bereite mich anderthalb Stunden vor, dazu gehören eine halbe Stunde Stimmtraining, 20 Minuten entspannen und das Anlegen des Kostüms.“ Mit Lampenfieber habe er kein Problem mehr. „Man hat ja geprobt.“ Das Wichtigste sei allerdings, während der Vorstellung die Verbindung zu den anderen Schauspielern nicht zu verlieren. „Steht man auf der Bühne, sind das sehr intensive Momente, man lebt im Jetzt“, beantwortet Baume die Frage eines Schülers nach den Gefühlen, die ein Schauspieler auf der Bühne erlebt.

Das Stück ist eine Koproduktion des „Centre culturel régional opderschmelz“ und des Vereins „Canopée“ und kam unter Zusammenarbeit mit weiteren Partnern zustande: Die „Ligue luxembourgeoise d’Improvisation“ bot ein Atelier für Improvisation im Theater an. Insgesamt gab es vier Workshops, um Jugendliche zwischen 14 und 30 Jahren an die Theaterkunst heranzuführen. In einer weiteren Partnerschaft steuerten junge Leute aus dem „Centre socio-éducatif de l’Etat Dreiborn“ einen Teil des Bühnenbildes bei. Sieben Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren aus dem Holzatelier der Erziehungsanstalt haben den Tresen des Portiers gebaut, um den sich ein Großteil des Zwei-Mann-Stückes abspielt. „Wir haben es erst auf der Bühne fertig entdeckt. Danke“, heißt es nach der Vorstellung von den Jugendlichen, als sie vom kreativen Team auf den Tresen angesprochen werden.


Die Premiere des Stückes „Hughie“ findet heute Abend, 20.00, in „opderschmelz“ statt. Karten kosten 20 Euro für Erwachsene und 5 Euro für Jugendliche im Vorverkauf, 25 Euro und 7 Euro an der Abendkasse. Mit Kulturpass ist der Eintritt frei. Weitere Informationen unter www.opderschmelz.lu