CLAUDE KARGER

„Trau dech!“ heißt eine vor zehn Jahren gestartete Initiative der Regierung zur Förderung des Unternehmergeists und der Selbständigkeit, insbesondere bei jungen Leuten. Dass sich viele gerne trauen würden oder sich zumindest fit fühlen, den Weg zu gehen, belegt der am Mittwoch vorgestellte „Global Entrepreneurship Monitor“. Aus diesem geht beispielsweise hervor, dass in Luxemburg 45,6% der Befragten empfinden, dass die Möglichkeiten zur Unternehmensgründung hierzulande gegeben sind, während 43,3% ihrer Meinung zufolge die Fähigkeit besitzen, einen Betrieb ins Leben zu rufen. Die Werte liegen deutlich über jenen unserer Nachbarländer. Das Großherzogtum ist also ein Land potenzieller Unternehmer, die übrigens in den Augen von 70,6% der Umfrageteilnehmer ein hohes Ansehen genießen.

Der große Respekt vor Unternehmern steht allerdings im Gegensatz zum vergleichsweise schwachen Prozentsatz von Umfrageteilnehmern - 39,4% - welche die Entscheidung für das Unternehmertum als eine gute Berufsentscheidung betrachten. Am Ende haben tatsächlich nur knapp 19% der Befragten die konkrete Absicht, in den nächsten drei Jahren einen Betrieb zu gründen. Laut GEM haben 8,7% der Teilnehmer eine Firma gegründet - das ist mehr als in den Nachbarländern und im EU-Durchschnitt. Allerdings geben nur 2,4% an, ihren Betrieb nach ein paar Jahren „etabliert“ zu haben - der letzte Platz im Vergleich unter 23 Ländern. Diese hochinteressante Studie, die in einem wirtschaftlich weiterhin schwierigen Umfeld unternommen wurde, gilt es jetzt natürlich zu verfeinern. Um die Profile der Unternehmensgründer herauszuschälen. Und vor allem, um herauszufinden, was genau die Hürden sind, die die Interessierten von einer Betriebsgründung abhalten - über die Angst vor dem Scheitern hinaus, die freilich immer und überall bei einem Schritt mitschwingt, bei dem man meist für alles. was kommt, persönlich haftet, der einem in der Regel unzählige Arbeitsstunden abverlangt, ohne dass eine Garantie auf Erfolg besteht. Diese Feinanalyse - die bereits läuft - ist eine eminent wichtige Arbeit, ist Luxemburg doch als kleines Land mehr noch als andere darauf angewiesen, alle Weichen zu stellen, damit vor allem innovative Firmen - das Rückgrat unsere Wirtschaft, unseres Arbeitsmarkts und ein wesentlicher Bestandteil unserer Gesellschaft - hierzulande entstehen und gedeihen können. Die Detailstudie dürfte bekannte Probleme zu Tage fördern: Die Finanzierung des Projekts über längere Dauer - alles andere als evident; die Suche nach dem passenden Lokal, den geeigneten Mitarbeitern - oftmals ein hehres Unterfangen; die Verwaltungsgänge - nicht selten ein Spießrutenlauf sondergleichen. Auch wenn sich in den letzten Jahren vieles verbessert hat.

Vielleicht liefert sie aber auch mehr Aufschluss über Ausbildung, Hintergrund und Erwartungen potenzieller Unternehmensgründer und weshalb die einen erfolgreich sind und die anderen nicht. Erkenntnisse, die nicht nur wichtig sind, um direkte politische Akzente für die Unterstützung von Betriebsgründungen zu setzen, sondern vor allem auch, um sie dort zu nutzen, wo es gilt, den Unternehmergeist besonders zu fördern: In den Schulen.