LISSABON
CORDELIA CHATON

Lissabon ist aus gutem Grund eine der beliebtesten Hauptstädte Europas

Rund 30 Jahre ist es her, dass ich als Praktikantin einen Monat lang beim Lissaboner Rundfunk ein Praktikum gemacht habe. Seither war ich nicht mehr in der portugiesischen Hauptstadt. In meiner Erinnerung fuhren schwarze alte Mercedes-Taxen über Kopfsteinpflaster, gab es am Pavillon im Chiado leckeren Tee und Longdrinks und am Hieronymus-Kloster die besten „Pastéis de Nata“ („Puddingtörtchen“) der Welt.

Also flog ich mit meiner Familie hin. Vorweg: Wir hatten Glück, nicht im Haupttourismusmonat Mai dort zu sein, wenn die Stadt überfließt vor Touristen. Genau wie Barcelona, Amsterdam oder Venedig gehört Lissabon zu beliebtesten Städtereisezielen. Also ist es besser, es dort außerhalb der Saison zu probieren. An günstigen Unterkünften mangelt es nicht, denn sehr zum Leidwesen der Einwohner werden immer mehr Wohnungen an viele der über vier Millionen Touristen jährlich vermieten.

Lissabon erläuft man sich, denn die Fahrt mit der gelben Tram-Linie 28 ist aufgrund der Überfüllung sinnlos oder nur sehr früh oder spät möglich und auch die rote Alternative für Touristen ist nicht viel besser. Durch die gewundenen Gassen der Alfama geht es an der Kathedrale Sé vorbei, hoch zum Pantheon und dann hinunter zum Praça de Commercio, dem größten innerstädtischen Platz Europas. Hier beginnt die Baixa, jenes Viertel, das sich durch gerade Gassen und Muster der schwarz-weißen Pflastersteine auszeichnet. Im Keller der Bank Millenium BCP gibt es römische Funde zu bestaunen. Hier gab es mal eine Fischeinsalzungsfabrik, aber auch Badestube und Reste anderer Kulturen. Die Baixa verdankt ihr Aussehen dem Erdbeben von 1755, das Lissabon nachhaltig zerstörte. Hier entstanden dann die ersten erdbebensicheren Bauten. Heute locken tolle Kirchen oder der winzige Laden „Luvaria Ulisses“, der handgefertigte Handschuhe zu kommoden Preisen verkauft.

Mercedes-Taxen und Kopfsteinpflaster gibt es kaum noch, statt des Pavillons sind jetzt Drinks in der „Embaixada“ angesagt, einem alternativen Shopping-Tempel. Die „Pastéis de Nata“ vom Familienbetrieb gleich neben dem Hieronymuskloster sind nach wie vor wunderbar warm und süß - und Lissabon auf jeden Fall eine Reise wert.