LUXEMBURG
LJ

Frankreich ist Fußball-Weltmeister

Die Weltmeisterschaft 2018 ist vorbei; mit einem eindeutigen 4:2 setzte sich der nunmehr zweifache Fußballweltmeister Frankreich im Finale gegen Kroatien durch. Die Franzosen gingen im völlig ausverkauften Luschniki-Stadion in Moskau früh in Führung, aber die Herausforderer und „Underdogs“ aus Kroatien blieben trotzdem bis zum Schluss eine harte Nuss und kamen immer wieder zurück. Es war das Endspiel mit den meisten Toren seit dem Finale 1966 - auch damals ging das Spiel England-Deutschland 4:2 aus. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron war jedenfalls ganz aus dem Häuschen.
Im strömenden Regen herzte der klitschnasse Staatschef jeden seiner Fußball-Weltmeister und küsste den WM-Pokal. Mit der Tricolore um den Hals stemmte Kapitän Hugo Lloris die goldene Trophäe in die Höhe. Vom Glück über den zweiten WM-Sieg nach 1998 berauscht rutschten die neuen Helden der Grande Nation über das goldene Konfetti auf dem durchweichten Rasen im Moskauer Luschniki-Stadion. Bei einer bizarren Siegerehrung war nur Russlands Präsident Wladimir Putin die ganze Zeit per Regenschirm vor dem heftigen Unwetter kurz nach dem WM-Abpfiff geschützt worden.

"Das Herz ist glücklich"

Angeführt von Man of the Match Antoine Griezmann hatte Frankreich im torreichsten Endspiel seit 1966 am Sonntag einen 4:2 (2:1)-Triumph im WM-Finale in Russland gegen den Überraschungsfinalisten Kroatien gefeiert und Deutschland auf dem Fußball-Thron abgelöst.
Mit der blau-weiß-roten Fahne in den Händen ging es für den zum besten Jungprofi gekürten Kylian Mpabbé und seine Kollegen auf die Ehrenrunde. "Ich weiß gar nicht, wo ich bin", sagte Griezmann und kündigte an, den Goldpokal mit ins Bett nehmen zu wollen. "Das Herz ist glücklich. Wir haben es geschafft, den Pokal nach Frankreich zu holen", fügte er an.
Ein Eigentor von Ex-Bundesliga-Star Mario Mandžukić (18. Minute), Griezmann per Handelfmeter (38.), Paul Pogba (59.) und Kylian Mbappé (65.) vor 78 011 Zuschauern im ausverkauften Luschniki-Stadion stürzten die Millionen Fans in der Heimat endgültig in den ultimativen Party-Rausch von den Champs-Élysées bis an die Côte d'Azur.
„Es ist zu schön, es ist wunderbar für die Spieler, eine junge Generation. Wir haben viel Qualität an den Tag gelegt, mental und oft genug getroffen“, sagte Trainer Didier Deschamps. Seine Spieler warfen ihn jubelnd in die Höhe. „Es war nicht immer einfach, aber weil sie zugehört haben, haben wir schwere Momente hinter uns gelassen“, betonte Deschamps.

Didier Deschamps: Weltmeister als Spieler und Trainer

Er setzte sich mit dem Titel ein weiteres Denkmal: 1998 hatte er den Pokal als Kapitän entgegen genommen. Der 49-Jährige ist nach Franz Beckenbauer und Mario Zagallo der dritte Fußballer, der als Spieler und Trainer Weltmeister wurde. „Der Stolz ist da. Ich bin hier um Ziele zu verwirklichen“.
Kroatien konnte seinem Ruf als Comeback-Team nach mehrmaligem Rückstand nicht gerecht werden. Ivan Perišić (28.) erzielte den Ausgleich zum 1:1. Das 2:4 durch Mandžukić (69.) nach einem schweren Patzer von Frankreich-Torwart Hugo Lloris konnte keinen furiosen Schlussspurt mehr auslösen. Der zweite WM-Platz ist dennoch der größte Fußball-Erfolg nach dem dritten Platz vor 20 Jahren. Luka Modric wurde zum besten Spieler des Turniers gewählt - als trauriger Finalverlierer wie Lionel Messi vor vier Jahren.
Zweimal gab es noch kurze Erinnerung an deutschen Titelglanz. Philipp Lahm - WM-Kapitän der 2014-Champions - brachte mit dem russischen Model Natalja Wodjanowa den Goldpokal vor dem Spiel ins Stadion. Vor der Siegerehrung platzierte er ihn auf dem Siegerpodium. Die größte aller Fußball-Bühnen gehörte diesmal anderen.
Ein von Griezmann geschickt herausgeholter Freistoß war die erste viel versprechende Offensivaktion der Blauen. Erst in der Superzeitlupe war eindeutig zu sehen, dass der Franzose abhob, bevor Marcelo Brozović ihn am Bein traf. Und Mandžukić wurde zum Pechvogel. Griezmanns Freistoß berührte er mit dem Scheitel minimal, die Flugkurve veränderte sich. Etwas ungläubig nahm der ehemalige Bayern-Stürmer das erste Eigentor in einem WM-Finale zur Kenntnis.
In allen K.o.-Spielen waren die Kroaten in Rückstand geraten - und wieder gelang ihnen der Ausgleich. Perišić drehte sich geschickt um N’Golo Kanté und schoss ein, bevor der Stuttgart Profi Benjamin Pavard zur Rettung herbeieilen konnte.

Erste Videobeweis-Entscheidung in einem WM-Finale

Die Kontroversen gingen weiter und gipfelten in der ersten Videobeweis-Entscheidung in einem WM-Finale. Das Handspiel von Perišić bewertete Referee Nestor Pitana erst nach langem Studium vor dem Bildschirm als strafstoßwürdig - debattiert wurde darüber in den sozialen Netzwerken intensiv. Griezmann ließ sich die Chance zu seinem vierten WM-Treffer nicht nehmen. Häufiger hat nur Just Fontaine mit seinen 13 Toren 1958 für die Équipe Tricolore bei einer WM getroffen.
Kroatien musste wieder seine Aufhol-Qualitäten zeigen. Ging das noch, nach drei K.o.-Partien inklusive Verlängerung? Frankfurts Ante Rebic (48.) setzte mit einem wuchtigen Schuss ein erstes Signal. Lloris parierte souverän. Für die Franzosen öffneten sich jetzt Räume - wie gemacht für Mbappé. Der WM-Jungstar entwischte nach 52 Minuten erstmals Domagoj Vida, ließ sich im Strafraum trotz Gezerre nicht fallen, scheiterte aber an Kroatiens Schlussmann Danijel Subašić.
Wenige Minuten später machte der Torwart einen Schritt zu viel nach links. So konnte er Pogbas wuchtige Abnahme nicht mehr parieren. Wieder war es Griezmann gewesen, der das Tor entscheidend initiierte, diesmal per filigraner Jonglage als Ablage für Pogba.
Was hatte Kroatien jetzt noch zu bieten? Einen Zwei-Tore-Rückstand hatten sie bei ihrem WM-Erfolgszug noch nicht. Weltmeister wurde mit so einer Konstellation nur Deutschland 1954. Kurz darauf hatten sich alle rechnerischen Gedankenspiele ohnehin erledigt. Mbappé durfte unbedrängt aus etwa 18 Metern abziehen. Der 19-Jährige ist nun der zweitjüngste Torschütze in einem WM-Finale nach Pelé 1958.
Dann leistete sich Lloris einen fatalen Aussetzer. Beim Versuch, den Ball um Mandžukić zu spielen, ließ der Kroate einfach den Fuß stehen - nur noch 2:4. Für den großen Endspurt brachte Kroatiens Trainer Zlatko Dalic den Hoffenheimer Andrej Kramarić für Rebic. Bei den Franzosen sollte Corentin Tolisso den Vorsprung mitverteidigen. Ivan Rakitic (78.) setzte einen Schuss knapp neben das Tor. Die Wende gelang dem Außenseiter nicht mehr. Die blau-weiß-rote Party konnte beginnen.
Die wurde natürlich auch in Luxemburg gefeiert.

Auch am „Glacis“ in Luxemburg-Stadt und an vielen weiteren Orten quer durch das Großherzogtum wurde eifrig beim Finale live mitgefiebert.