LUXEMBURG
MARCO MENG

J.P. Morgan Asset Management wagt den Ausblick auf 2018

Das ablaufende Jahr 2017 war für Vermögensverwalter ein gutes. Die Aktienkurse schwankten wenig mit einer Volatilität unter drei Prozent, die Schwellenländer entwickelten sich besser als gedacht, Fixed Income-Fonds, die in festverzinsliche Papiere wie Anleihen (Bonds) investieren, verzeichneten bis August einen Rekordzufluss an Investorengeldern. „Die meisten Kunden dürften sehr zufrieden sein“, sagt Nicolas Deblauwe, Country Head Benelux und Genf von JP Morgan Asset Management.

Zehn Jahre nach der Finanzkrise, analysiert Vincent Juvyns, Global Market Strategist von JP Asset Management, triumphierten nun die Optimisten. Als Beleg weist er auf den S&P500-Index, der die Aktien von 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen umfasst und von 2008 bis heute ein enormes Wachstum um 2,5 Billionen US-Dollar erfahren hat. Allerdings sei vor allem der Tech-Sektor Haupttriebfeder des dortigen Börsenbooms. Irgendwann werde der Aufschwung stoppen, sagt Juvyns, aber nicht nächstes Jahr.

Verzahnte Weltwirtschaft

Interessant sei festzustellen, wie globalisiert die Weltwirtschaft inzwischen sei: Denn begann vor zehn Jahren eine Zeit der Krisen auf vielen Märkten, setzte danach überall auf diesen Märkten eine Erholung ein. Heute können selbst Frankreich und Brasilien wieder punkten. Demzufolge sieht Juvyns auch eine Steigerung der Inflation in den entwickelten Ländern; 2,5 Prozent sei global gesehen wahrscheinlich. Gleichzeitig beginne der „Normalisierungsprozess“ der Notenbanken, die jahrelang massiv die Märkte mit Finanzspritzen befeuerten. In den USA, aber auch in Europa werden die Zinsen anziehen, was für Anleihen eine große Herausforderung darstellt. Für die USA selbst, deren Wirtschaft vor allem durch Binnenkonsum getrieben wird, weist Juvyns auf interessante Fakten hin: Es herrscht nahezu Vollbeschäftigung, allerdings befindet sich die Sparrate auf einem Zehn-Jahres-Tief, der Häusermarkt indes auf einem Zehn-Jahres-Hoch. Eine wiederholte Immobilienkrise sieht er aber nicht, denn erstens zeigten die Finanzregulierungen positive Wirkung, die Banken seien besser kapitalisiert, zudem sei der Anteil nachrangiger Hypotheken („subprime“), also solche mit Kreditnehmern von geringer Bonität, sehr gering dank der Reformen in der Obama-Zeit. Was nun den neuen Präsidenten betrifft, herrscht eine gewisse Unklarheit. Seine Steuersenkungen könnten zwar die Ausgaben steigern, auf der anderen Seite wird sein Plan, das Bleiberecht für 800.000 Kinder von Einwanderern ohne Aufenthaltsstatus zu beenden, nicht ohne negativen Einfluss auf die Wirtschaft des Landes sein.

Die Wirtschaft der Eurozone zeigt sich hingegen von ihrer besten Seite „mit einem extrem guten Wachstum“ und positivem Ausblick. Kämpften vor Jahren noch viele Euro-Länder mit hohen Defiziten, seien es jetzt nur noch drei. „Europa investiert wieder“, sagt Juvyns. Dazu trage der Investitionsplan der Europäischen Investitionsbank (EIB), der sogenannte „Juncker“-Plan bei, positiv wirke sich auch die Steuerreform in Belgien und die Arbeitsmarktreform in Frankreich aus. Vor allem im nur wenig bekannten europäischen Tech-Sektor sieht Juvyns gute Investitionschancen. Zu Japan meinte Juvyns: „Hatte ich anfangs Zweifel, ob „Abenomics“ (nach dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe, d.R.) wirken würde, so zeigt Japan das siebte Quartalswachstum hintereinander. So etwas gab es lange nicht.“ Selbst die Inflation in dem Land mit chronischer „Deflation“ steige. Ein Stimulus für die Wirtschaft könnten die Olympischen Spiele sein, die 2020 in Nippon stattfinden. Zudem sei bemerkenswert, dass es der Regierung gelungen sei, den Anteil von Frauen an der arbeitenden Bevölkerung zu steigern. Juvyns sieht Japan als das Land für Aktieninvestitionen: Während US-Aktien oft sehr teuer sind, seien japanische oft unterbewertet und damit günstig.

Und China? „2009/2010 rettete China die Weltwirtschaft“, sagte Juvyns. Während die anderen Krisen hatten, reformierte und prosperierte das „Reich der Mitte“. Der Stratege von JP Morgan Asset Management wies darauf hin, dass China viel langfristig investiert, zum Beispiel mit der „Silk-Road“-Initiative. Zu den übrigen Schwellenländern meint Juvyns, dass sie nicht mehr so attraktiv seien wie die Jahre zuvor. Als Investor müsse man auch hier - wie überall - selektiv vorgehen.