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JEFF KARIER

Olivier Toth über die Arbeit der „Rockhal“, schöne Erinnerungen und junge Talente

Selbst Musiker und gelernter Jurist, ist Olivier Toth seit der Eröffnung 2005 CEO der „Rockhal“. In diesen zwölf Jahren haben er und sein Team einen großen Einfluss auf die luxemburgische Musikszene ausgeübt. Nicht nur haben hunderte internationale Bands und Künstler hier Konzerte gegeben, auch nationale Musiker sind ein wichtiger Teil des Konzepts der „Rockhal“.

„Irgendwo muss man ja die Künstler aufbauen, die später einen Saal von 6.000 Plätzen füllen“, meint Toth. Hierbei hilft das „Rocklab“, das vor einigen Jahren noch „Centre de Ressource“ hieß. Dieses soll Musiker, egal ob Amateur oder Profi, unterstützen, beraten und begleiten. Zum einen können Musiker die insgesamt sechs Proberäume, das Tonstudio und den Tanzraum nutzen. „Das Rocklab organisiert aber auch Workshops und Seminare, und kann die Musiker bei spezifischen Projekten begleiten“, führt der CEO aus. Das können Alben sein, die Release-Show einer EP oder die Vorbereitung einer Tour. Aktuell bekommt das „Rocklab“ neue Büros und ein „Open Office“, das von den Künstlern genutzt werden kann. Das „Rocklab“ soll so auch die Rolle eines begleitenden Inkubators für Musiker übernehmen.

Austausch ermöglichen

Zu einem Steckenpferd der „Rockhal“ geworden ist das „Sonic Visions“. Bei diesem treffen Konferenzen und Workshops auf nationale sowie internationale Musiker. „Wir laden jedes Jahr Profis aus der Musikbranche zu uns ein, um Wissen zu vermitteln, von dem unsere Künstler und wir als Musikszene profitieren.“ Der Austausch von Wissen und Erfahrung bringe alle Beteiligten voran und ermögliche neue Wege zu gehen. Diese entstehen auch durch neue Kontakte, die auf dem „Sonic Visions“ geknüpft werden. So etwa bei „Speed Meetings“. „Hier kann man sich ungezwungen mit Profis unterhalten und Fragen stellen, die man sich vielleicht bei einer vorangegangenen Diskussionsrunde nicht getraut hatte zu stellen.“ Das „Sonic Visions“ ist aber auch ein Showcase-Festival, auf dem nationale und internationale Talente sich präsentieren. Da unter dem Fachpublikum auch Booker aus dem Ausland sind, können so nationale Künstler auf sich aufmerksam machen.

Um den Austausch von aufstrebenden Talenten zu fördern, wurde vor fünf Jahren „Live Europe“ gegründet. Die Idee hatte ein Bekannter von Toth, der auch gute Verbindungen zum Konzertsaal „Ancienne Belgique“ in Brüssel hat. „Er meinte damals zu mir, dass neue Kulturprogramme der Kommission geschaffen würden und er wolle versuchen, ähnlich wie ‚Europa Cinemas‘, ein solches Musikprogramm ins Leben zu rufen“, erinnert sich Toth. „Europa Cinemas“ ist ein Programm, bei dem man als Kinobetreiber im Grunde einen Bonus bekommt, wenn man europäische Produktionen zeigt. Ein ähnliches Konzept verfolgt nun „Live Europe“, in dem sich 13 Konzertsäle in Europa zusammengeschlossen hatten. Zu diesen Sälen gehört neben der „Rockhal“ und dem „Ancienne Belgique“ etwa auch das „FZW“ in Dortmund, das „Bla“ in Oslo oder das „Sala Apolo“ in Barcelona.

„Die Konzertsaalbetreiber erhalten Bonuszahlungen für europäische Bands, die bei ihnen auftreten.“ Diese Zahlung orientiert sich aber auch an der Vielfalt der Herkunftsländer der Künstler, damit etwa nicht nur englische Bands gebucht werden. Mittlerweile sind es 14 Konzertsäle, die Teil von „Live Europe“ sind und es werden wohl weitere folgen.

Ein möglichst hohes Niveau

„Wir weisen die von uns betreuten Bands auch darauf hin, dass sie bei der Planung ihrer Tour diese 13 anderen Mitglieder von ‚Live Europe‘ berücksichtigen, sich bei diesen melden und wenn möglich in ihre Tour integrieren sollen.“ Das sei immerhin eine Win-Win-Situation. Luxemburgische Bands, die bereits von diesem Programm profitieren konnten, sind etwa „Mutiny on the Bounty“ oder auch „Monophona“.

Seit Gründung von „Live Europe“ sind in den Konzertsälen der Gruppe 36 Prozent mehr europäische Künstler aufgetreten. „Das ist enorm“, betont der CEO. „Live Europe“ werde es noch weitere vier Jahre in der Form geben, da solange auch die Unterstützung der EU läuft. „Wir versuchen Türen zu öffnen und Möglichkeiten zu schaffen“, fasst Toth diese Bemühungen zusammen.

Ein weiteres Programm, das die „Rockhal“ erst kürzlich mitinitiiert hat, ist „Innovation Network for European Showcases“, (INES). Bei diesem soll das Wissen, das über Konferenzen von „Showcase Festivals“ in Europa verbreitet wird, auf das höchstmögliche Niveau gebracht werden. Auch hierüber findet ein Austausch an aufstrebenden Talenten statt.“ Die „Rockhal“ ist mit dem „Sonic Visions“ vertreten.

Einmaliges Erlebnis

In mittlerweile zwölf Jahren „Rockhal“ haben sich auch reichlich interessante und tolle Anekdoten angesammelt. Einige davon sind in dem Buch „Ten years of Rockhal Stories“ zusammengefasst. Eine, an die sich Toth besonders gerne erinnert, ist mit Mark Knopfler. „Das müsste 2007 gewesen sein. Er wollte für ein „Meet and Greet“ vor dem Konzert eine unsere Logen nutzen. Sein Tourmanager wollte, dass ich dabei bin, was ich dann auch tat. Die Leute wurden in die Loge geführt, wo überall Instrumente standen. Als wir dann alle drinnen waren, ging die Tür auf und Mark Knopfler kam mit seiner ganzen Band rein. Er stellte sich bei jedem einzelnen persönlich mit ‚Hi, I am Mark‘ vor. Seine Band tat es im gleich.“ Anschließend spielten sie den rund 14 Leuten ein privates Konzert von 15 Minuten. Dabei sei Knopfler nicht als Frontmann, sondern ganz bescheiden als einfaches Bandmitglied aufgetreten. Laut Toth sei Knopfler allgemein einer der bescheidensten Künstler, denen er je begegnet sei. „Als sie fertig waren, bedankten sie sich bei den Leuten und machten mit ihnen Fotos, gaben Autogramme und wünschten ihnen viel Spaß beim Konzert.“

Eine weitere Anekdote dreht sich um Sting, der im April 2017 in der „Rockhal“ spielte. „Er besitzt ein Weingut und in Luxemburg gibt es einen Weinhändler, der seinen Wein verkauft. Sting und seine Frau sind also für eine Weinverkostung dahin. Zu dieser waren auf Einladung nur Frauen geladen.“ Sting und seine Frau sprachen mit den Gästen über den Wein, tranken und hatten scheinbar eine gute Zeit. Toth selbst wusste nichts davon, als er dann ein Livevideo auf Facebook sah, war er sehr überrascht. „Am Ende verspäteten sie sich sogar.“ Für die Konzertbesucher gab es vor der „Rockhal“ die Möglichkeit, den Wein zu probieren. „Verkauft hat er ihn jedoch nicht. Die Leute bekamen eine Karte mit der Adresse des Händlers in Luxemburg.“ Es gebe zwar noch krassere Anekdoten, die wolle er aber lieber für sich behalten. Ganz nach dem Motto: „What happens in the ‚Rockhal‘ stays in the ‚Rockhal‘“...