LUXEMBURG
MARIA WIMMER

Viele der „Young Pilots“ des Fliegervereins Aéro-Sport träumen davon, Pilot zu werden

Nur zwei Wochen nach seinem 17. Geburtstag hat Gilles Klosen die Pilotenlizenz gemacht - lange vor seinem Führerschein. Bei David Muno ist es ähnlich - der 18-Jährige hat im Oktober seine Pilotenlizenz bekommen und erst im Dezember seinen Führerschein. „Wir konnten fliegen, bevor wir Auto fahren konnten“, sagt er und lacht. Bei dem internationalen Wettbewerb „Air Navigation Race“ in Donaueschingen hat Gilles Klosen zudem zusammen mit Mathy Holweck den zweiten Platz gemacht. Schon als Kind hat er mit seinem Vater ferngesteuerte Flugzeuge fliegen lassen. „Wenn ich ein Flugzeug sehe, ist es einfach nur unglaublich. Als ich mit zwölf Jahren das erste Mal auf einem Linienflug war, wusste ich, dass ich das mein Leben lang machen will“, sagt Gilles.

Die jungen Piloten gehören zu den „Young Pilots“, der Abteilung für Jugendliche des Fliegervereins Aéro-Sport, die rund 25 Mitglieder hat. Ein Teil von ihnen macht derzeit die Grundausbildung zum Piloten, die „Private Pilote Licence“ (PPL), eine Handvoll hat sie bereits - diese berechtigt zum nicht-gewerblichen Fliegen von Flugzeugen bis 750 Kilogramm. Viele der jungen Piloten wollen später auch beruflich als Pilot arbeiten. Gilles will, wie viele seiner Freunde, Ingenieurwesen an der Universität Luxemburg studieren, um ein sicheres Standbein zu haben, falls er gesundheitlich nicht mehr fliegen kann. David Muno, der bereits Ingenieurwesen studiert, will Militärpilot werden.

Die Ausbildung kostet rund 11.000 Euro

Doch die Ausbildung ist sehr teuer: Rund 11.000 Euro muss man insgesamt dafür hinlegen. Eine Flugstunde kostet rund 145 Euro, plus Lehrer sind es dann etwa 165 Euro. Um die Lizenz zu bekommen, müssen mindestens 45 Flugstunden absolviert und 120 Theorie-Stunden gebüffelt werden. Beim Praxistest müssen die jungen Piloten dann zum ersten Mal alleine fliegen - eine Stunde lang testen sie Anflug und Landen rund um den Flughafen Findel. Der zweite Praxistest umfasst einen Flug von mindestens 270 Kilometern mit Landung an zwei Flughäfen, zum Beispiel in Dahlemer-Binz, einem Segelflugplatz in der Eifel, und Koblenz.

Dennoch hatten die jungen Piloten keine Angst vor dem ersten Alleinflug. „Meist erfährt man das erst am Tag selbst, so dass man nicht lange drüber nachdenkt. Außerdem werden wir sehr gut vorbereitet“, sagt David. Es sei ungewohnt gewesen, dass plötzlich keiner mehr neben einem sitze. „Angst hatte ich aber keine, aber die Konzentration ist drei Mal so stark. Man fühlt sich frei und freut sich, weil man damit dem Ziel, allein fliegen zu können, näher kommt.“ Dass Fliegen gefährlich ist, halten sie für ein Klischee. „Wenn ich mit dem Auto oder dem Bus zum Flugplatz komme, ist das gefährlicher als zu fliegen“, sagt Gilles. Zudem bestehe der Großteil der Ausbildung darin, für den Ernstfall zu trainieren - wenn zum Beispiel der Motor ausfällt, was einem der Lehrer bereits passiert ist, jedoch sehr selten vorkommt. Mit Unfällen sei eher bei der Landung zu rechnen.

Ausflüge nach Mainz oder Ostende

Manchmal unternehmen die „Young Pilots“ Ausflüge in die Umgebung - zum Beispiel nach Mainz, Frankfurt und Pirmasens oder nach Ostende. Große Flughäfen wie Frankfurt meiden sie, weil die Landegebühren oft sehr hoch sein können, bei den kleinen seien diese überschaubar. Oft nehmen sie Freunde mit, die sich an den Spritkosten beteiligen. Das Fliegen sei in Luxemburg günstiger als zum Beispiel in Deutschland, wo der Spritpreis deutlich höher ist. Pro Stunde verbrauche ein einmotoriges Flugzeug rund 35 Liter Sprit. Die jungen Piloten versuchen, alle zwei Wochen zu fliegen, um nicht aus der Übung zu kommen.

Kürzlich wollten sie zum Europapark nach Rust fliegen, mussten aber wegen des Wetters umkehren. „Wir dürfen nicht in die Wolken fliegen, weil wir dann nichts sehen. Wir müssen immer auf Sicht fliegen, Sicherheit geht vor“, erklärt David. Das Problem an den Wolken sei, dass das Flugzeug nicht mehr stabil ist. Häufig würden deswegen Unfälle passieren, weil Piloten sich selbst überschätzen. „Das ist, als ob die Augen verbunden sind. Man bemerkt nicht, wenn das Flugzeug sich dreht.“ Zudem sind nicht alle der zwölf Flugzeuge, die den Piloten zur Verfügung stehen, mit den nötigen Instrumenten ausgestattet. Um durch Wolken fliegen zu können, brauchen Piloten die sogenannte Instrumentenflugberechtigung (IR).

Vor dem Abflug müssen die Piloten den Ölstand kontrollieren und einen Rundgang um das Flugzeug machen, das per Hand aus dem Hangar geschoben wird. Wer am Wochenende fliegen will, muss bereits Monate im Voraus ein Flugzeug reservieren. Auch mehrtägige Flüge sind möglich, allerdings müssen dann täglich zwei Flugstunden absolviert werden.

Für Gilles Klosen gibt es nichts Schöneres als das Fliegen. „Dieses Bild vom Sonnenuntergang oder über den Wolken zu sein, das ist einfach das Beste.“