LUXEMBURG
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Sozialpanorama 2018: Einkommensschere klafft weiter auseinander

Die von der Arbeitnehmerkammer seit mehr als 20 Jahren beobachteten Ungleichheiten in der luxemburgischen Gesellschaft wachsen weiter und auch das Armutsrisiko ist im Verlauf des vergangenen Jahrzehnts kontinuierlich gestiegen. Jean-Claude Reding, Präsident der „Chambre des Salariés“ (CSL), warnte gestern vor möglichen Folgen dieser Tendenzen, die vor allem arbeitslose Menschen, die jüngere Generation und Alleinerziehende und hier vor allem Mütter betreffen. „Das Gefühl der Ungerechtigkeit kann sich verschärfen“, sagte Reding anlässlich der Vorstellung des „Sozialpanorama 2018“, mit der Folge, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt zerfasere.

Gini-Koeffizient „kräftig gestiegen“

Ein Indikator ist etwa der Gini-Koeffizient, der die Einkommensverteilung misst. „Seit Anfang der 2000er Jahre ist der Gini-Koeffizient in Luxemburg kräftig gestiegen“, erklärte Félix Martins de Brito. 2016 habe der luxemburgische Messwert zum ersten Mal den europäischen Durchschnitt überschritten. Im Klartext: Die Einkommensverteilung ist ungleicher geworden.

Konkreter zeigt sich das an anderer Stelle: Während das höchste Einkommen unter den 20 Prozent der Arbeitnehmer, die am wenigsten verdienen, zwischen 2000 und 2016 um lediglich 35,6 Prozent zunahm, wuchs das geringste Einkommen unter den fünf Prozent der am Bestbezahlten um 61,7 Prozent. „Die hohen Einkommen wachsen massiv schneller als die niedrigsten“, bemerkte Reding, der eine Ursache darin sieht, dass immer weniger Beschäftigte über einen Kollektivvertrag abgesichert sind. Reding führte aus: „Wenn man den Mindestlohn nicht von Zeit zu Zeit strukturell erhöht, dann fehlt es an Dynamik im System.“

Auch wenn in Luxemburg seit 2000 jedes Jahr im Durchschnitt 2,9 Prozent neue Jobs entstanden sind, so schneidet Luxemburg in Sachen Arbeitsbedingungen nicht unbedingt gut ab. So ist dem Bericht zufolge das Armutsrisiko von Arbeitnehmern in Luxemburg höher als im Rest der Eurozone. Seit einigen Jahren sei zudem eine bedeutende Zunahme von befristeten Arbeitsverträgen (mit einem Anteil von neun Prozent im Jahr 2016) festzustellen.

Stichwort Armutsrisiko: Das lag zuletzt 2016 im Großherzogtum bei 16,5 Prozent. Einem besonders hohen Risiko ausgesetzt sind Alleinerziehende. Wenig überraschend ist auch die Feststellung, dass die Preise fürs Wohnen für viele Familien eine hohe Belastung bedeuten, genauer gesagt für fast 40 Prozent der Haushalte. Damit belegt Luxemburg einen der hinteren Plätze vor Ländern wie Italien, Spanien oder Zypern. In Deutschland sind es lediglich 13,5 Prozent.
Der rund 135 Seiten starke Bericht der CSL kann unter tinyurl.com/cslpubli heruntergeladen werden.