SAARBRÜCKEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Der Musical-Klassiker „My Fair Lady“ im Saarländischen Staatstheater

Das Musical „My Fair Lady“, nach dem Theaterstück „Pygmalion“ von George Bernard Shaw, das Alan Jay Lerner adaptierte, mit den Evergreens von Frederick Loewe, begann seinen Siegeszug 1956 am Broadway. Seit der deutschsprachigen Erstaufführung 1961 in Berlin, zählt es zu den meistgespielten Musicals in Deutschland. Am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken engagierte man den Musical-Regisseur vom Stadttheater Bielefeld Thomas Winter („Das Molekül“) sowie Thomas Klotz, der für viele Choreografien in Winters Musicals zuständig war.

Der respektlose Professor

Regisseur Winter beginnt mit dem Schluss des Musicals. Der überzeugte Junggeselle und Phonetik-Professor Henry Higgins (Tobias Licht) spielt alte Phonograph-Aufnahmen ab und beginnt seine Geschichte zu erzählen, welche im Covent Garden anfängt. Hier begegnet er dem Blumenmädchen Eliza Doolittle (Herdís Anna Jónasdòttir), das einen fürchterlichen Akzent hat. Außerdem trifft er auf seinen Kollegen Oberst Pickering (Stefan Röttig), der auf seine Wette eingeht, dass er aus dem Straßenmädchen binnen sechs Monaten eine feine und ordentlich redende Dame machen kann. Der Rest ist bekannt: Eliza wird eine „Fair Lady“ und gefällt nicht nur beim Pferderennen in Ascot der Mutter von Higgins (Gabriela Krestan) und dem charmanten Freddy Eynsford-Hill (Salomón Zulic del Canto), sondern überzeugt auch auf dem Diplomatenball. Higgins ist stolz auf seinen Erfolg, vergisst aber, dass er Eliza alles zu verdanken hat.

Veränderungen

Regisseur Winter lässt nicht nur Higgings in unregelmäßigen Abständen Kommentare zum Geschehen abgeben, bei denen das Ensemble in seinen Bewegungen einfriert, sondern er beendet den ersten Akt mit dem Pferderennen, um dann den zweiten mit dem wunderschönen Lied „In der Straße, mein Schatz, wo du lebst“, von Freddy gesungen, zu beginnen. Während des anschließenden Diplomatenballs tanzen lediglich Pickering und Higgins mit Eliza - der Rest des Ensembles in hübschen zeitgemäßen Kostümen von Christof Cremer schaut zu. Der ungarische Phonetiker Zoltan Karpathy wird ganz weggelassen. Choreograf Klotz hat dagegen weniger Innovatives parat, und die Tanzeinlagen ähneln den bisher gesehenen.

Der Salon im Haus von Higgins, der seitlich von der Bühne bewegt werden kann und Platz für die Szenerie des Covent Garden macht, ist eine beachtliche Leistung von Bühnenbildner Dirk Becker. In der Szene, in der Eliza, nachdem sie Higgins verlassen hat, Zuflucht bei dessen Mutter sucht, bleibt die Bühne jedoch leer, und es hängen lediglich zwei Schaukeln von der Decke herab. Symbolisch gesehen ist der Bühnenraum genau so leer wie das Leben von Higgins, das nur durch Eliza gefüllt wird. Am Schluss spielt Higgins die Aufnahmen wieder ab, ehe Eliza den Salon betritt.

Tobias Licht ist stets in Bewegung als eingefleischter Junggeselle, der lieber hätte, die Frauen wären so wie die Männer, und zu dem Thema hat er die unmöglichsten antifeministischen Sprüche parat. Seine Liebe zu Eliza drückt er schließlich überzeugend mit „Ich bin gewöhnt an ihr Gesicht“ aus. Herdís Anna Jónasdòttir fehlt es etwas an Energie, mit der ein Londoner Straßenmädchen sich gegen diese Beleidigungen gewehrt hätte. Gesanglich kann sie aber gefallen. Elizas Vater Alfred P. Doolittle wird von Markus Jaursch gespielt, der zwei weitere Evergreens singt: „Mit ’nem kleenen Stückchen Glück“ und „Bringt mich pünktlich zum Altar“.

Insgesamt lohnt sich der Weg ins Saarländische Staatstheater, wo nicht nur Ensemble, Bühnenbild und Kostüme gefallen, sondern wie immer bei „My Fair Lady“ die unsterblichen Melodien.

Weitere Vorstellungen am 12. und 15. Dezember. Zusätzliche Informationen und Tickets unter www.staatstheater.saarland