LUXEMBURG
INGO ZWANK

80.000 bis 90.000 Waffen legal in Luxemburger Händen

Nach dem bislang schlimmsten Amoklauf an einer US-Schule mit 27 Toten rätselt Amerika schockiert über die Hintergründe der Tat. Der 20 Jahre alte Todesschütze nahm sich das Leben, nachdem er 20 Kinder zwischen fünf und zehn Jahren sowie sechs Erwachsene getötet hatte. Die Waffen gehörten - ganz legal - seiner Mutter. Laut USA Today sind die Waffenkäufe seit ein paar Tagen in den USA gestiegen.

Das hänge teils mit Weihnachten, aber auch mit dem Amoklauf selber zusammen. Sobald irgendein Politiker einen Satz in Richtung Verbot halbautomatischer Waffen sagt, strömen die Leute in den Laden, heißt es in dem Artikel. Bedenklich? Das Großherzogtum blieb bislang von einer derartigen Gräueltat verschont. Doch auch in Luxemburg gibt es zahlreiche Schusswaffen in privater Hand. 80.000 bis 90.000 sind es dem Justizministerium zufolge. Dies entspricht in etwa dem europäischen Durchschnitt. 18.500 Personen besitzen laut Ministeriumsangaben einen Waffenschein.

Justiz und Polizei durchleuchten den Antragsteller

Wir beleuchten einmal den legalen Erwerbsweg einer Schusswaffe in Luxemburg. Im Großherzogtum beispielsweise ein Gewehr Kal. .22 Mag (auch .22 WMR, Winchester Magnum Rimfire genannt ist eine von dem Unternehmen Winchester entwickelte Patronenmunition) zu kaufen, ist so betrachtet einfach. Der Käufer muss im Besitz eines gültigen Waffenscheins sein. Und um diesen zu erlangen, reicht es aus, einen Antrag an das Justizministerium zu richten. Dort wird geprüft, ob der Antragsteller alle Kriterien erfüllt, um eine Schusswaffe besitzen zu dürfen.

Der Vorgang wird ebenfalls an die Polizei weitergereicht. Der Antragsteller darf hier keine Einträge im Strafenregister haben und somit als „ungeeignet“ erscheinen. Ferner muss dargelegt werden, warum der Antragsteller die Waffe erwerben will (Schützenverein, Jagd, Sammlung usw.). So muss eben der Käufer eines Jagdgewehrs einen gültigen Jagdschein vorlegen, ein Sportschütze die Mitgliedskarte seines Vereins. Man muss aber zwischen Waffenbesitz und dem Tragen einer Waffe unterscheiden. Das Tragen einer Schusswaffe, zum Beispiel zum Selbstschutz, wird hierzulande nur in den seltensten Fällen erlaubt. Das zuständige Ministerium genehmigt Sportschützen für das erste Jahr ihrer Tätigkeit: Waffen mit gedrehtem Lauf bis zu dem Kaliber .22 Mag. So können z.B. Waffen in den Kalibern .17 HMR / .22l.r./.22 Mag gekauft werden. Schrotgewehre können im ersten Jahr bis zu einem Kaliber 12 erworben werden. Für Jäger gilt diese Begrenzung nicht.

Übrigens: Verboten sind laut Waffengesetz auch zweischneidige Blankwaffen wie z.B. Bajonette, Schwerter, Säbel, Dagger, Stiletto- sowie Wurfmesser. Außerdem sind verboten: Fall-, Spring- und Butterflymesser sowie Stockklingen.