LUXEMBURG
NICO PLEIMLING

Wie ein Luxemburger Hobby-Maler zu seinem Beruf zurückfand

Emil Antony ist ein sehr bereister Mensch und hat in den letzten Jahren vor allem viel Zeit in Afrika verbracht. Der 60-jährige ist dieser Tage im Ruhestand, hatte als junger Mann aber keine andere Wahl, als den Beruf seiner Ahnen auszuüben. Emil Antony wollte eigentlich Maler werden, aber da er aus einer Kaminbauerfamilie stammt, galt es die Tradition am Leben zu erhalten. „Ich konnte schon als Kleinkind malen und zeichnen. Mit dem Sprechen hat es allerdings bis zum vierten Lebensjahr gedauert, bis ich es erlernt hatte. Mein Vater hat mir früh klargemacht, wo es langgehen soll und betont, dass mein Großvater, er selber und mein Bruder den Beruf des Kaminbauers ausgeübt haben und dass ich die Familientradition weiterführen soll. Somit bekam ich eigentlich die Messer an die Brust gesetzt und hatte keine andere Wahl, als der Familientradition nachzugehen.“

Seine ersten beruflichen Erfahrungen hatte Emil Antony aber bei einem anderen Arbeitgeber, der Insolvenz anmelden musste. Deshalb bekam er damals über sechs Monate sein Gehalt nicht ausbezahlt und mit zwei kleinen Kindern zu Hause war die finanzielle Situation alles andere als rosig. „Ich habe mich daraufhin mit 350 Franken, also rund 9 Euro selbständig gemacht. Damals hatte man gemeinhin Angst Geld bei der Bank zu leihen. Ich habe mir eine Kaminbürste gekauft und eine Dachleiter bei meinem Chef geklaut, weil er mir noch Geld schuldig war. Meiner Frau habe ich anschließend gesagt, dass ich mich selbständig machen werde.“

Vom Spitzenbetrieb zum Hobby

Emil Antony hat in den folgenden Jahren sehr hart geschuftet und war nicht ganz viel bei seiner Familie. Seinen Sohn und seine Tochter hat er erst kennen gelernt, als sie anfingen in seinem Betrieb zu arbeiten. Die Firma hat sich in den letzten 40 Jahren fest etabliert, ist heutzutage der viert-größte Schornsteintechnikbetrieb in Europa und weltweit das acht-größte Unternehmen seiner Art. 2008 kam dann die Entscheidung, sich aus dem aktiven Berufsleben zurückzuziehen und anschließend die Frage, was der damals 56-jährige mit seiner vielen Freizeit anfangen sollte. „Seit einer Rundreise in Afrika im Jahre 2002 hat dieser Kontinent mich nicht mehr losgelassen. Ich habe sehr viel von der Welt gesehen, aber die Tiere in Afrika haben mich am meisten beeindruckt. Letztlich kam ich auf die Idee zurückzureisen und die Tiere zu malen.“

Die Reise ging in den letzten Jahren in afrikanische Länder, wie Namibia, Botswana, Südafrika oder Mosambik, wo Emil Antony häufig im Camper oder im Zelt übernachtete. Tagsüber hat er dann unter anderem Skizzen von einem Leopard gezeichnet, da diese Raubkatzen vor allem in der Nacht aktiv und am Tag eher bewegungsfaul sind. „Zu 90% bin ich auf eigene Faust, also allein unterwegs. Somit habe ich meine Ruhe, kann sprichwörtlich tagelang auf einem Platz sitzen und bekomme die Tiere so vors Auge, wie ich sie haben will. Natürlich wird es bei Leoparden oder Geparden eher abenteuerlich und es ist dann vor allem eine Geduldssache.“

Lange Tage im Atelier

Seine Skizzen hält Emil Antony in einem Tagebuch fest. Die vielen Details prägt er sich ein und macht auch Fotos von den Tieren, die seiner Meinung nach allerdings nicht die erlebte Stimmung wiedergeben. Die Bilder malt er nach Wiederankunft im sicheren Heimathafen in Luxemburg. Dafür hat er einen eigenen Rhythmus entwickelt: „Ich stehe morgens gegen 4.15 auf und verbringe dann die meiste Zeit, bis ungefähr 20.30 im Atelier. Nachts träume ich von meinen Bildern.“

Zurück zum Kaminbau

Der luxemburgische Fernsehsender von RTL hat 2010 einen Bericht über Emil Antonys Reise in die Kalahari-Wüste produziert, woraufhin er im November 2011 von Schwestern, die im Malawi humanitäre Hilfe leisten, kontaktiert wurde. Nicht, um Bilder zu malen, sondern um im Rahmen eines Projekts seinem früheren Beruf erneut nachzugehen. „RTL hat damals von einem gelernten Kaminbauer berichtet, der Afrika bereist und malt. Die Schwestern haben mich gefragt, ob ich in einer Klinik eine größere Anlage mit mehreren Herden und einem Schornstein bauen könnte. Bis dato hatten die Leute nämlich in einem Raum mehrere offene Feuer gemacht und somit ihre Gesundheit aufs Spiel gesetzt.“

In der Theorie war es kein kompliziertes Projekt, aber Emil Antonys Plan wurde aus seiner Sicht erst einmal unverständlichen Gründen verworfen, bis er erklärt bekam, dass die Leute im südostafrikanischen Binnenstaat auf drei Steinen kochen und es galt, diese Steine in die Infrastruktur zu integrieren. „Der Pater hat mir nach ein paar Gläsern Wein erklärt, dass drei Steine in den Plan kommen müssen. Die Menschen in Malawi sind sehr abergläubisch und die Spannung war groß, ob unser Vorhaben gelingen würde. Im Mai 2012 haben wir mit der Konstruktion angefangen. Wir haben den Leuten erklärt was sie machen müssen und sie haben immer angegeben, sie hätten alles verstanden. Dem war aber nicht so und ich musste selber Hand mit anlegen.“

Eine nervenaufreibende Sache, die Emil Antony dazu brachte, für einen Kurztrip nach Sambia zu reisen, bei dem er fast mit dem Flugzeug abgestürzt ist. Bei seiner Rückkehr war immerhin der erste Ofen operationell. Allerdings musste nachträglich eine Klappe eingebaut werden, da es zu Streitigkeiten zwischen den Frauen kam. „Die haben sich gegenseitig vorgeworfen, die eine würde der anderen das Feuer klauen. Als das Problem mit dem Rauch durch den Bau des Kamins geregelt war, wurde mir, dem weißen Mann, nachgesagt, ich hätte magische Kräfte. Die Leute hatten gesehen, dass ich die Wand angefasst hatte und waren felsenfest davon überzeugt, dass dadurch der Rauch abzog.“ Ende August waren zehn mal zwölf Kochplätze fertig und inzwischen läuft das Projekt in Privathäusern weiter, wo mit Hilfe von Spendengeldern kleine Öfen gebaut werden. Die Leute müssen aber symbolisch eine kleine Abfindung, beispielsweise mit einem Kilo Mehl oder einem Hähnchen bezahlen. Emil Antony kümmert sich jetzt aber nicht mehr im Detail um diese Arbeit und konzentriert sich wieder vorrangig auf sein Hobby, das Malen von Bildern. Einige seiner Werke sind derzeit in der Galerie Schortgen zu sehen.