LUXEMBURG/BHIKAMKOT
JEFF KARIER

Mit Devï will Debbie Kirsch einen Beitrag zu Nachhaltigkeit und sozialer Verantwortung leisten

Farbenfroh, mit modernen Schnitten und bequem: So lässt sich die Kleidung des nachhaltigen Modelabels Devï beschreiben. Der Name beutet auf Sanskrit so viel wie Göttin und zeigt den Bezug des Labels zu Indien, wo die Kleidung von benachteiligten Frauen designt und hergestellt werden. Die Idee für das Label hatte die aus Stadtbredimus stammende Debbie Kirsch. Bevor sie allerdings ihr eigene Label gründete, studierte sie Biologie mit dem Schwerpunkt Umwelt und machte dabei eine Beobachtung. „Im Studium wurde immer wieder über die negativen Effekte des Menschen auf die Umwelt gesprochen, aber nicht gezeigt, was getan werden kann, um die Situation zu verbessern. Das hat mich genervt“, erklärt die junge Frau. Nachdem sie ihren Bachelor in der Tasche hatte, entschied sie sich dazu, ein Jahr Pause zu machen, um sich neu zu orientieren.

Absolvierte sie zunächst beim Nachhaltigkeitsministerium und der UNESCO-Kommission hier in Luxemburg ein Praktikum, zog es sie anschließend nach Indien. „Ich wollte schon immer dieses Land besuchen“, meint Kirsch, die bereits nach ihrem „Première“-Abschluss viel durch Asien reiste. „Außerdem interessiert mich die Nachhaltigkeitsarbeit in Entwicklungsländern am meisten, denn hier ist der Gedenke der Nachhaltigkeit noch nicht angekommen. Auch, weil dafür oft die finanziellen Mittel fehlen.“

Baumwollanbau in der Wüste

Anfang Februar dieses Jahres reiste sie in das kleine Wüstendorf Bhikamkot, zwei Stunden nördlich von Jodhpur im Bundesstaat Rajasthan, um dort bei der kleinen NGO „Institute for Philanthropy and Humanitarian Development“ (IPHD) bei einem Bio-Baumwolle-Projekt zu helfen. „Ich war voller Enthusiasmus und hatte mich ausführlich informiert, wie ich ihnen bei diesem Projekt helfen könnte, besonders beim Wasser.“ Denn Baumwolle benötigt unglaublich viel Wasser. Für eine Jeans werden so alleine rund 8.000 Liter Wasser benötigt. Und wenn die Infrastruktur nicht entsprechend ist, geht zusätzlich viel von dem hehren Gut verloren. Außerdem wird oft nicht gezielt gewässert. „Hinzu kommt, dass beim Anbau von Baumwolle in Ländern wie Indien sehr viele Pestizide und Herbizide zum Einsatz kommen. Und es besteht kaum ein Bewusstsein dafür, dass diese für Mensch und Umwelt schädlich sein können.“

Neben dem Bio-Baumwolle-Projekt hat die NGO noch weitere Projekte, unter anderem die „Saheli Women“, benannt nach der Wüste, in der sie leben. Hierbei handelt es sich um Frauen, die von ihren Familien und oder Gemeinschaft verstoßen wurden, etwa weil ihr Ehemann verstorben ist.

„In Indien dürfen Frauen nicht arbeiten. Und wenn Dein Mann gestorben ist, verlierst Du Dein Zuhause. Denn dann hast Du ihrer Ansicht nach als Ehefrau versagt.“ Madhu Vaishnay nahm diese verstoßenen Frauen in einem Zentrum auf, das nicht viel mehr als ein kleines Haus ist. Sie brachte ihnen das Nähen bei und baute ein kleines Unternehmen auf, das Kleidung und andere Produkte aus Stoff als Auftragsarbeiten herstellt. Allerdings sei das anfangs auch deswegen kompliziert gewesen, da diese Frauen aus unterschiedlichen Kasten stammen, sowie anderen Religionen angehören und eigentlich nichts miteinander zu tun haben wollen. Das hat sich aber seit Beginn des Projekts vor rund drei Jahren verändert und heute gibt es 24 „Saheli Women“.

Nachhaltige Mode mit sozialer Verantwortung

„Ich hatte mich schnell in das Projekt verliebt und damit begonnen, ihnen neben der Arbeit an dem Bio-Baumwolle-Projekt zu helfen“, erinnert sich Kirsch. Sie übernahm etwa die Kommunikation mit den Auftraggebern und die Koordination der Lieferungen. Um das Projekt noch mehr zu unterstützen, kam ihr die Idee, von den Frauen Kleider herstellen zu lassen, die sie dann unter einem eigenen kleinen Label verkauft. Da Kirsch viel Wert auf Nachhaltigkeit setzt, wurden nur Stoffe verwendet, die auch entsprechend hergestellt wurden. Außerdem wurden getreu dem Gedanken des „Upcycling“ alte Seiden-Saris verwendet, um aus diesen neue Mode zu machen. „Seiden-Saris werden von den Frauen in Indien auf Hochzeiten getragen. Da es allerdings verpönt ist, den gleichen Sari mehrfach anzuziehen, haben viele Frauen zuhause einen ganzen Stapel liegen, den sie aber nicht mehr brauchen.“ Die Wiederverwertung dieser alten Kleider stellt für Kirsch auch eine schöne Verbindung zwischen den indischen Frauen und denen hier in Luxemburg her.

Plötzliches Unternehmertum

Da die Saheli-Frauen bereits mehr Erfahrung mit der Herstellung von Kleidern hatten, waren sie auch maßgeblich für das Design der Kleidung verantwortlich. Kirsch ließ dabei aber ihre Ideen und Vorstellungen mit einfließen. Allerdings wurde aus den paar Röcken, die zunächst angedacht waren, schnell eine ganze Kollektion. Diese besteht auch aus eher schlichten Kleidern und Jumpsuits aus Leinen und Baumwolle. Mittlerweile wird auch Schmuck von einem indischen Silberschmied, den Kirsch kennengelernt hat, unter dem Label verkauft. „Als ich wieder in Luxemburg war und mir klar wurde, was alles an Arbeit mit so einem Label verbunden ist, begriff ich erst, auf was ich mich eingelassen hatte.“ Auch ihre Freunde waren von dem plötzlichen Unternehmertum der jungen Frau überrascht, schließlich hatte Kirsch weder einen Businessplan noch Design studiert oder vergleichbare Erfahrungen.

Bewusst konsumieren

Mittlerweile studiert Kirsch „Sustainable Business and Environment“ in Utrecht und koordiniert die Herstellung der Kleider von dort und von Luxemburg aus. „Meine Mutter ist mir eine große Hilfe, etwa beim Versand der Kleidung.“ Denn jedes Stück wird von Kirsch oder ihrer Mutter persönlich eingepackt und verschickt. „Was mir sehr wichtig ist: dass bei jedem Kleidungsstück ein Zettel dabei liegt, auf dem steht, wer dieses hergestellt hat und eine kurze Beschreibung von ihr. Denn der soziale Aspekt ist ein wichtiger Teil des Ganzen. Außerdem sollen sich die Leute vor Augen führen, woher die Kleidung und auch andere Dinge, die sie kaufen stammen und nicht immer nur konsumieren und konsumieren“, betont die junge Unternehmerin.

Kirsch hatte vor einigen Wochen die Gelegenheit, im Hauptstadtzentrum einen Pop-Up-Store zu eröffnen und konnte ihre Mode den Leuten zeigen und verkaufen. Der Großteil wird bislang noch über den Online-Shop verkauft, wo demnächst auch die Winterkollektion erhältlich sein wird. Außerdem soll Kleidung für Männer folgen. Kirsch schließt dabei nicht aus, dass in Zukunft in entsprechenden Geschäften, die ähnliche Werte wie sie vertreten, die Devï-Mode zu finden sein wird.

Die Kollektion ist unter www.devï.com zu finden