LUXEMBURG
MARCO MENG

Wird die Bilanz von SES enttäuschen? Aktienkurs rauscht in den Keller

Wenn kurz vor der Bilanzvorlage Chef und Finanzvorstand ausgetauscht werden, ist das für Aktionäre kein gutes Zeichen. Bei Luxemburgs Vorzeigeunternehmen, dem Satellitenbetreiber SES, ist das am Montag geschehen - Geschäftsführer Karim Michel Sabbagh und Finanzchef Padraig McCarthy wurden vom amtierenden Geschäftsführer von SES Networks, Steve Collar, und dem Finanzchef des Satellitenbetreibers „O3b“ Andrew Brown ersetzt.

Prompt rauschte gestern der Aktienkurs in den Keller, denn viele Aktionäre nahmen das zum Anlass, ihre Anteile zu verkaufen. Letztendlich wissen wir es erst, wenn kommende Woche Freitag, am 23. Februar , die Geschäftszahlen des vergangenen Jahres auf den Tisch gelegt werden. Die Aktie von SES Global ließ aber nicht nur von Montag auf Dienstagmittag um mehr als zehn Prozent auf 10,74 Euro nach; im April 2015 stand sie bei 34,70 Euro: das ist bis gestern eine Wertminderung von knapp 70 Prozent.

Angst um die gute Rendite

Sah man sich am gestrigen Dienstag die Analystenkommentare an, so wurde positiv vermerkt, dass das Geschäft von SES profitabel laufe und das Papier renditestark mit einer relativ hohen prognostizierten Dividende sei. Negativ stach hervor, dass die Prognosen zum Umsatzwachstum den Schätzungen der Finanzagentur Thomson Reuters zufolge sehr schwach über die kommenden Berichtszeiträume sind.

Benders negativ bewertet werden das hohe Maß an Nettoverbindlichkeiten bei einem relativ niedrigen Vorsteuergewinn (EBITDA); damit weise das Unternehmen „eine schwache Finanzsituation auf“, heißt es beispielsweise auf 4-traders.com. Wie aber ist die Situation tatsächlich? Die Prognosen hinsichtlich des Konzernumsatzes wurden in der Tat kürzlich nach unten revidiert. Hauptgrund dürfte die teure Übernahme von O3B-Networks sein. Nach dem Kauf des Satellitenbetreibers O3B refinanzierte SES dessen Schulden von 1,4 Milliarden Euro unter anderem durch Ausgabe einer neuen Anleihe. Insgesamt spare SES dadurch 60 Millionen Euro Finanzierungskosten jährlich, hieß es letztes Jahr dazu.

Ob der Zukauf von O3B sich letztlich rechnen wird, soll sich laut Voraussage von SES 2018/2019 zeigen, wenn deren Satelliten alle im All sind und arbeiten. SES hatte den Anteil an O3B 2016 mit 20 Millionen US-Dollar von 49,1 auf 50,5 Prozent erhöht und dann den Rest für weitere 710 Millionen Dollar gekauft. Insgesamt wies SES letztes Jahr Verbindlichkeiten von 4,05 Milliarden Euro auf bei einem Umsatz von 2,07 Milliarden Euro und einem Vorsteuergewinn von 1,451 Milliarden Euro, was einem Nettogewinn von 963 Millionen Euro entsprach. Zwar stieg das Verschuldungsratio gegenüber dem EBITDA von 2015 mit 2,54 auf 3,06 Mal im Jahr 2016. Das allerdings bei einem Auftragsstand von 8,1 Milliarden Euro (gegenüber 7,4 Milliarden 2015.) Sieht man sich SES über einen längeren Zeitraum hinweg an, stellt man fest, dass sich die Dividende in den letzten zehn Jahren mit einem Plus von 123 Prozent mehr als verdoppelt hat. Auch der Gewinn von SES hat sich in zehn Jahren um 139 Prozent deutlich erhöht. Aktionäre befürchten nun, dass es wohl damit in Zukunft schwieriger wird.