COLETTE MART

Das Jahresende ist stets eine Zeit der Besinnung und des Rückblicks, in der wir zu uns selbst und zu wesentlichen Werten zurückfinden sollten. Auf politischer Ebene sollte sie genutzt werden, um gesellschaftliche Entwicklungen des vergangenen Jahres zu analysieren. Dies ist allerdings schwierig in einer Zeit, in der der politische Alltag mittlerweile wie ein Krimi anmutet, derweil viele andere wesentlichen Probleme des Landes nicht immer verständlich gemacht und noch weniger angegangen werden.

Das europäische Umfeld verunsichert, und wir alle verfolgen mit Bedenken jene Transfers astronomisch anmutender Summen an verschuldete EU-Länder, derweil sich viele Luxemburger noch immer über ein sicheres Gehalt freuen können und eher Nicht-Luxemburger und Grenzgänger bei uns von den Problemen der Wirtschaft betroffen sind. Zahlreiche aufeinander folgende politische Skandale mobilisierten im Jahr 2012 die öffentliche Meinung. Während das Land die wohl spannendste Pressekonferenz des Premierministers im Jahr 2012 zum Abhörskandal mitverfolgte, kann festgestellt werden, dass die Probleme der Staatsverschuldung, der Arbeitslosigkeit, des Null-Wachstums eher verdrängt werden.

Die politischen Meinungsumfragen deuten dann auch einen Vertrauensschwund in die Regierung und einen möglichen Regierungswechsel im Jahr 2014 an. So weit, so gut. Im Jahr 2012 offenbarte sich die Politik also oft als überfordert, manchmal auch verzweifelt; jedenfalls gewannen die Bürger unerwartet zahlreiche Einblicke hinter die Kulissen der Macht, die nicht unbedingt vertrauenserweckend waren. Auch wenn die Politik manchmal selbst Opfer von Machenschaften wurde, auch wenn sich offenbarte, dass eine Regierung die Kontrolle über Institutionen, sowie über wirtschaftliche und soziale Entwicklungen verlieren kann, ist hier und jetzt zu unterstreichen, dass unser Land sich den wirtschaftlichen Realitäten, sowie sie sich seit der Finanzkrise aus dem Jahre 2008 anbahnen, nicht wirklich stellte.

In diesem Zusammenhang sei deswegen ein sehr beachteter Vortrag des früheren STATEC-Direktors Georges Als in der Handelskammer erwähnt, der im Beisein zahlreicher führender Persönlichkeiten seiner Generation gleich mehrere Kinder beim Namen nannte und der Luxemburger Politik den Spiegel vorhielt. Um den Reichtum der aktuellen Generationen zu erhalten, werden die zukünftigen Generationen durch öffentliche Schulden belastet. Während die Reserven gen Null tendieren, decken die Einnahmen mittlerweile die Ausgaben nicht mehr. Die Luxemburger haben europaweit die höchsten Sozialleistungen, Pensionen und auch Gehälter, allerdings verliert das Land an Attraktivität in einer globalisierten Wirtschaft, in der die industrielle Produktion sich in Niedriglohn-Länder verlagert, in denen die Löhne niedriger sind. Denken wir mal in den besinnlichen Tagen, die da kommen, über unsere Gewohnheiten nach, sowie über unsere Tendenz, über unsere Verhältnisse zu leben. Und suchen nach Lösungen damit auch die kommenden Generationen noch etwas Wohlstands geniessen können.