LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Wasserbilliger Drogenprozess: Es war kein Bandenvorgehen

Im aktuell verhandelten Drogenprozess, wo es um großangelegten Handel in Wasserbillig geht, zeigte sich am Montag der Hauptangeklagte Joseph E. (47) komplett uneinsichtig. Eine umfassende Erklärung zur Sache hat er auch am Mittwoch nicht abgegeben, außer, dass er sein Vernehmungsprotokoll bei seiner Verhaftung nicht unterschrieben habe. Er unterschreibe kein Protokoll, in dem etwas stehe, mit dem er nichts zu tun habe, sagte der Angeklagte.

Es ist bereits das zweite Mal, dass sich ein Gericht mit der Wasserbilliger Drogenaffäre beschäftigen muss, denn jetzt steht die ganze Bande (immerhin 21 Personen) vor dem Berufungsgericht. Achtzehn nigerianische Straßendealer waren in erster Instanz jeweils zu sechs Jahren verurteilten worden.

Die Ermittler hatten festgestellt, dass die Nigerianer nachts in einem Haus in Wasserbillig wohnten und am Tag Kokain im Bahnhofsviertel in Luxemburg verkauften. Am 27. Oktober 2015 konnten Polizei und Zoll 14,3 Kilo Kokain in der Lokalität beschlagnahmen. 136.435 Euro wurden beschlagnahmt.

„Ich bin ruiniert“

Der ehemalige „Nicebar“-Besitzer und mutmaßliche Chef des Drogenbunkers G-33 in Wasserbillig sowie sein mutmaßlicher Partner und Hauptdealer aus Athus, Victor Ugochukwu N. (41), genannt „Christian“, alias Henry Paul, waren in erster Instanz zu jeweils 15 Jahren Haft und 10.000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Vor allem war es aber der Hauptangeklagte Joseph E. (47), der am Montag vor Gericht eine doch recht verrückte Show abzog. Als der Vorsitzende Richter die Anklage mit wenigen Worten vorträgt, bekam er zuerst keine Antwort. Stattdessen baute sich Joseph E. wie ein Bodyguard vor dem Richterpodium auf. Dann blaffte er den Vorsitzenden Richter mit „My Lord Reiffers“ an. Beim Sprechen gestikulierte er mit den Armen: „My Lord, ich schwöre Ihnen, dass ich nichts mit Drogen zu tun habe.“

Die Bemühungen des Gerichts, den gestikulierenden E. zur Einsicht zu bewegen, waren aber erfolglos. „Ich bin ruiniert. Die haben mir meine Immobilien versteigert, weil ich kein Geld habe, die Geldstrafe zu zahlen.“ Gemeint sind drei Häuser. Eins in Petingen, wo er wohnt. Außerdem die Nice-Bar in der Straßburger Straße im Bahnhofsviertel Luxemburg und den „Drogenbunker“ in Wasserbillig. Als gesichert gilt nach einem halben Dutzend Prozesstagen, dass Joseph E. die Eigentumswohnung als Drogenversteck diente. Sicher ist auch, dass seit geraumer Zeit nigerianische Drogendealer dort übernachteten und am Tag in den Bahnhofsstraßen die Drogen an den Mann brachten.

Am Mittwochnachmittag war es dann an den Verteidigern, ihre Plädoyers zu halten. Entgegen dem Urteil in erster Instanz erklärten gestern die Verteidiger Philippe Stroesser und Nicki Stoffel, dass es keine „aktive Hierarchie“ und auch keine kriminelle Vereinigung gab. Ihre Mandanten hätten alle „auf eigene Faust“ gedealt.

Der Berufungsprozess wird am 30. Oktober 2017 um 15.00 fortgesetzt.