LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Wohlfahrtsverbände plädieren dafür, Hilfe für Wohnungslose differenziert weiter zu entwickeln

Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz drängen darauf, Versorgungslücken in der Wohnungslosenhilfe zu schließen. Es sollte flächendeckend, d.h. in jedem Landkreis, eine Anlaufstelle für Betroffene in Form eines Tagesaufenthaltes oder eine entsprechende Fachberatung geben, so die Forderung des Wohlfahrtsdachverbandes LIGA. Die LIGA fast die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Rheinland-Pfalz zusammen. Sie setzt sich aus fünf Verbandsgruppen zusammen, der Arbeiterwohlfahrt, der Caritas, dem Deutschen Paritätischen Wohlfahrtsverband, dem Deutschen Roten Kreuz und der Diakonie und repräsentiert insgesamt zwölf Spitzenverbände. Diese beschäftigen zusammen mehr als 40.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Zusätzlich engagieren sich schätzungsweise 100.000 Ehrenamtliche bei den rheinland-pfälzischen Wohlfahrtsverbänden.

Laut LIGA zeigen Ergebnisse einer so genannt Stichtagserhebung zur Situation wohnungsloser Menschen für das Jahr 2011 deutlich einen erhöhten Bedarf an Angeboten für Wohnungslose.

Es fehlt an gezielten Hilfen

Allein die Zahl wohnungsloser Heranwachsender im Alter bis 24 Jahre liegt mit knapp 11 Prozent auf hohem Niveau. In den letzten Jahren ist es zu einer Verhärtung der Situation von jungen Menschen in prekären Lebensverhältnissen gekommen. Gezielte Hilfen für wohnungslose Heranwachsende und junge Erwachsene fehlen nach Auffassung der Sozialverbände. Die derzeitigen Einrichtungen und Dienste für wohnungslose Menschen entsprächen in Einrichtung und Ausstattung keineswegs den Bedarfen junger Menschen am Rande der Gesellschaft. Nach Einschätzung der Mitarbeiter in den Sozialeinrichtungen verfestigt sich ein soziales Problem: Heranwachsende erlernen das Überleben auf der Straße. Sie arrangieren sich nicht zuletzt aus individueller Hilflosigkeit mit einem Leben am Rande der Gesellschaft.

Die so genannt Stichtagserhebung zeige weiterhin, dass die Zahl wohnungsloser Menschen ab 60 Jahren in den letzten fünf Jahren kontinuierlich von 11,7 auf 17,5% gestiegen ist. „Es handelt sich hier um Menschen, die meist lange Zeit auf der Straße oder in prekären Wohn- und Lebensverhältnissen gelebt haben. Diese Menschen sind körperlich und sozial stark belastet und häufig chronisch krank“, so die LIGA. Seit Jahren fordern die Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege ein Hilfekonzept, das der demografischen Entwicklung und den damit verbundenen speziellen Bedarfen gerecht wird.

Die Auswertung der Stichtagserhebung nimmt auch die Situation von Frauen in der Wohnungslosenhilfe in den Blick. Die differenzierte Auswertung zeigt, dass der Anteil von Frauen bei mindestens 25% liegt. Dies unterstreicht einmal mehr den Bedarf an Hilfeangeboten speziell für Frauen, welche es bislang in Rheinland-Pfalz nur an vier Standorten gibt.

Die Situation in Trier

Im Frühjahr 2012 meldete die Internetzeitung „16vor“, dass die Zahl der Obdachlosen in Trier, nach Aussagen des Sozialamtsleiters der Stadt, Hans-Werner Meyer, zwar an sich relativ gering ist, der Anteil von jugendlichen Obdachlosen aber deutlich gestiegen ist. Genaue Zahlen über die Obdachlosen in Trier gibt es nicht, aber im Benedikt-Labre-Haus der Caritas, einer Obdachlosen-Unterkunft werden pro Jahr bis zu 8.000 Übernachtungen gezählt. Langfristig ist nach Einschätzung der Experten ein zusätzliches Heim für jüngere Obdachlose erforderlich.

Bestandsaufnahme im Saarland

Auch im Saarland mangelt es an konkreten Zahlen, wobei das Sozialministerium darauf hinweist, dass es einen Unterschied zwischen Wohnungslosigkeit und Obdachlosigkeit gibt, die Grenzen aber verschwimmen.

Aus einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage, allerdings aus dem Jahr 2007, geht hervor, dass damals „Die Zahl der im ordnungsrechtlichen Sinne von Wohnungslosigkeit betroffenen Personen im Saarland“ circa 870 betrug. 580 davon lebten alleine im Stadtverband Saarbrücken, an zweiter Stelle folgte Saarlouis mit 110 Wohnungslosen. Im ländlichen Raum war ihre Zahl sehr gering.