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Nintendo gelingt mit der Wii U eine gelungene Hardware, aber nicht der große Wurf

Nintendo möchte es allen noch einmal so richtig zeigen. Nach dem Überraschungserfolg der Wii muss sich das Traditionsunternehmen gegen zunehmende Konkurrenz wehren. Denn die Gelegenheitsspieler, die der Wii zu dem Erfolg verhalfen, sind abgezogen. Facebook, iPad und iPhone heißen deren neue Spielewiesen. Wer sich das Design der neuen Spielekonsole Wii U anschaut, der merkt recht schnell, wie Nintendo das zu kontern versucht.

Imitation auf Japanisch

Als der, einem iPad mit Knöpfen ähnelnde, Controller der Fachpresse vorgestellt wurde, war die Skepsis beinahe greifbar. Grund dafür ist der altmodische resistive Touchscreen, der nicht so sensitiv ist wie bei den Tablets und ergo immer noch einen Stylus braucht, damit er ordentlich bedient werden kann. Auch die Fähigkeit, das Fernsehbild auf den kleinen Schirm zu ziehen, damit andere Familienangehörige den Fernseher nutzen können, hat nur begrenzten Nutzen. Dann kommt noch hinzu, dass die Grafik keinen Fortschritt gegenüber der Konkurrenz von Microsoft und Sony darstellt. Die neue Konsole wirkte, als würde sie zwischen zwei Generationen und Stühlen sitzen. Dabei sollen doch sowohl Hardcore- als auch Gelegenheitsspieler angesprochen werden. Bei einem zweiten, längeren Blick wird das Konzept dann, zum Glück, wesentlich plausibler. Der Controller liegt perfekt in der Hand, alle Knöpfe sind leicht zu erreichen und das Gewicht stimmt auch noch. Der Schirm ist klar, zeigt aber leider keine HD-Grafiken. Eine positive Überraschung bergen die kleinen Lautsprecher und die Möglichkeit, Kopfhörer daran anzuschließen. Der Akku ist lächerlich schlecht: Alle vier Stunden ist
Aufladen angesagt. Ebenfalls abgeschaut hat sich Nintendo das soziale Netzwerk „Miiverse“. Hier finden sich zu jedem Spiel eigene Communities, wo Zeichnungen und Nachrichten untereinander ausgetauscht werden können. Das erhöht den Gemeinschaftssinn, vor allem weil einige Hobby-Kritzler durchaus hübsche Zeichnungen hinbekommen.

Update-Schnecke

Der gute Ersteindruck wird jedoch gestört, sobald man mit der Kiste Online gehen möchte. Ein Update, das zahlreiche Funktionen, wie etwa die Fähigkeit, Wii-Spiele abzuspielen, erst aktiviert, muss umständlich runter geladen werden. 70 Minuten dauert das Runterladen und installieren, was im Jahre 2012 mit schneller Verbindung ein absolutes Unding darstellt. Auch die einzelnen Spieleupdates, Demos und Vollversionen, die sich online gekauft werden können, benötigen lange Downloadzeiten. Viel herunterladen kann man momentan aber eh nicht. Die Wii U kommt in zwei Versionen, einmal mit acht und einmal mit 32 Gigabyte Speicherplatz. Dieser Speicher füllt sich leider sehr schnell. Gut ist dabei nur, dass sich handelsübliche Festplatte per USB anschließen lassen. Da sind bis zu 2 Terabyte zusätzlicher Speicher drin.