WECKERCORDELIA CHATON

Die KÖHL-Gruppe aus Wecker ist einer der kaum bekannten „Champions“ der Industrie und verkauft weltweit Schaltanlagen, Hochregallager, Intralogistik, Roboterapplikationen und mehr

Walter Breuer rät noch zur Anfahrt: „Fahren Sie ganz durch, wir sind hinten im Gewerbegebiet.“ Breuer ist Geschäftsführer der KÖHL Maschinenbau GmbH/ AG. Was sich laut der Wegbeschreibung anhört wie ein kleines Unternehmen ist in Wahrheit einer der stillen Riesen im Land. Die KÖHL-Gruppe beschäftigt rund 700 Mitarbeiter und setzt insgesamt etwa 120 Millionen Euro um. Die KÖHL Maschinenbau AG ist eines von sechs Einzelunternehmen und exportiert ihre Waren zu 99 Prozent in die ganze Welt. Der breiten Öffentlichkeit ist das Unternehmen aber wenig bekannt. Denn KÖHL verkauft Maschinen und Anlagen an Unternehmen wie Nestlé, Siemens oder Continental.

Start mit Elektroheizungen

Angefangen hat alles ganz klein. Der Elektriker Wilfried Köhl gründete das Unternehmen 1971 in Trier gemeinsam mit seiner Frau Edith, die sich um die Buchhaltung kümmerte. Erst verkaufte das Ehepaar Elektroinstallationen, dann kam der Teilbereich Maschinenbau hinzu und 1993 ging KÖHL nach Luxemburg, wo Baugenehmigungen schnell erteilt wurden.

1994 wurde in Trier die KÖHL Maschinenbau GmbH gegründet. Diese konstruiert und produziert Anlagen und Sondermaschinen für die Zigaretten - und Tabakindustrie, sowie Intralogistiksysteme zum Transport von Stückgütern wie beispielsweise Paletten. Dieser Bereich wurde erweitert und vollautomatisch arbeitende Hochregallager wurden in Verbindung mit Logistiksystemen, eigenen Automatisierungssystemen sowie eigener IT Systeme verkauft.

2008 wurde die KÖHL Maschinenbau AG neu gegründet und das Unternehmen zog nach Wecker auf das Gelände der ehemaligen „Usine de Wecker“, wo auch weitere Unternehmen der KÖHL-Gruppe angesiedelt sind. Die Produktionstätte der KÖHL Maschinenbau GmbH blieb in Trier ansässig. Die Zahl der Mitarbeiter der KÖHL Maschinenbau AG ist im Laufe der Jahre von rund 30 auf über 200 und der Jahresumsatz auf rund 40 Millionen gestiegen.

„Zur KÖHL Maschinenbau AG zählen heute die Bereiche Tabaktechnologie, Intralogistik, Robotics, Systemtechnik, Manufacturing-IT und After Sales Services“, berichtet Breuer, der auch über eine Niederlassung mit rund 30 Mitarbeitern in Sankt Petersburg verfügt. Zu den Kunden der KÖHL Maschinenbau zählen mehr oder weniger alle Zigarettenhersteller auf dieser Welt, Unternehmen der Pharma- und Lebensmittelindustrie sowie Getränkeindustrie, aber auch Gießereien.

„Wir bieten ganz unterschiedliche Produkte und Projekte“, erklärt Breuer. „Das reicht von der kompletten Tabakaufbereitungsanlage über vollautomatische Hochregallagersysteme bis hin zu kundenspezifischen Roboterapplikationen und deren Greifkonzepten, Industrieautomation und Materialfluss- sowie Lagerverwaltungssystemen.“ KÖHL ist global aktiv. „Wir exportieren weltweit, beispielsweise nach Taiwan, Malawi, Südafrika, auf die Philippinen, nach Polen und Skandinavien. Bei der Montage kann ein Team schon mal ein halbes Jahr mit dem Aufbau eines Systems beschäftigt sein“, berichtet Breuer. „Deshalb suchen wir immer wieder händeringend nach Mitarbeitern, die auch bereit sind, ins Ausland zu gehen und dort diese Maschinen und Anlagen zu montieren und in Betrieb zu nehmen“.

KÖHL Maschinenbau hat täglich mit dem Thema Digitalisierung zu tun. „Industrie 4.0 beschäftigt uns sehr“, bestätigt der Geschäftsführer. Das betrifft nicht nur die eigenen Maschinen und Anlagen, sondern auch bestehende Anlagen der Kunden. „Wir machen unsere Kunden auch sicher gegen Cyberangriffe“, verrät Breuer. „Damit sind wir sehr erfolgreich.“ Er erzählt die Geschichte eines Kunden, dem Hacker die gesamte Fabrik lahm legten. „Ich wundere mich immer wieder über den nachlässigen Umgang mit der Sicherheit“, sagt Breuer kopfschüttelnd.

Sehr aktuell ist derzeit das Thema „Track & Trace“, also die Rückverfolgbarkeit von Produkten, sagt Breuer. „Hierzu hat die KÖHL Maschinenbau AG sehr spezielle und sehr schnelle Maschinen mit 1.000 Codes pro Minute mit der entsprechenden Software entwickelt, welche mittels Lasertechnik Produkte codieren und diese Codes verwalten.“

Markus Pudritz kommt ins Büro. Er führt gemeinsam mit dem 67-jährigen Breuer die Geschäfte, denn so langsam will sich der erfahrene Manager, der seit 24 Jahren beim Unternehmen ist, zurückziehen.

Auf dem Gelände soll bald ein mehrstöckigen Parkhauses entstehen, um den Mitarbeitern entgegen zu kommen. „Pläne, ältere Gebäude abzureißen und dann neue Büros zu errichten gibt es auch schon.“, weiß Breuer. Wer dahin will, der muss dann wieder bis ans Ende des Gewerbegebiets fahren - zum „Hidden Champion“.


www.koehl-mb.eu