LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Mehr CDs und eigene Programme: Orchester „Estro Armonico“ feiert 25. mit zwei Konzerten

Wenn bis zu 45 Musiker einen Chor begleiten, verlangt das viel Präzisionsarbeit. Das Orchester „Estro Armonico“ macht dies bereits seit 25 Jahren und hat damit eine Nische in der luxemburgischen Musikszene gefunden und besetzt. Inzwischen hat das Ensemble mehr als 500 Konzerte gegeben. Konzertmeister Guy Goethals gründete das Ensemble 1992. Auch wenn die Chorbegleitung weiter im Vordergrund steht, will er mehr Werke luxemburgischer Künstler aufführen.

Vor 25 Jahren wurde das Orchester gegründet: Wie haben Sie die Anfänge in Erinnerung?

GUY GOETHALS Damals habe ich das Ensemble mit Studenten gegründet, eigentlich wollten wir nur spielen. Beim ersten Konzert wurde ein kleines Solokonzert von Vivaldi gespielt, dieses Werk heißt eben „Estro Armonico“ und wurde so namensgebend. Wir wollten Orchestermusik spielen und wurden dann später viel gefragt, um Chöre zu begleiten.

Wie sieht die bisherige Bilanz aus?

GOETHALS Die Bilanz könnte sein, dass wir das einzige Orchester dieser Art sind, das mit Chören quer durch das Land spielt, da gab es wirklich eine Nische. Weil wir sehr gut organisiert sind, hat diese Zusammenarbeit große Ausmaße angenommen. Inzwischen haben wir schon mehr als 500 Konzerte gegeben.

Wie läuft die Arbeit mit den Chören ab?

GOETHALS Wir bekommen Anfragen. Mittlerweile kennen wir die meisten Dirigenten sehr gut und besprechen zusammen Programm und Datum. Das Konzert muss früh, ein Jahr im Voraus, gebucht werden.

Wie werden die gemeinsamen Proben organisiert?

GOETHALS Wir versuchen, die Proben sehr kurz vor dem Konzert zu konzentrieren, ein bis zwei Wochen vorher. Das ist das effektivste, schließlich werden die Musiker bezahlt, daher muss es sehr effizient sein.

Welche anderen Engagements haben Ihre Musiker?

GOETHALS Unsere Musiker sind keine professionellen Orchestermusiker, aber die meisten leben von der Musik, etwa als Musiklehrer, und mit dem Orchester haben sie die Gelegenheit, ihr Instrument zu spielen.

Derzeit spielen bis zu 45 Musiker mit?

GOETHALS Da sind wir sehr variabel, die Zahl der Musiker hängt von den Programmen ab und reicht von einem Dutzend bis zu großer Besetzung mit 45 Musikern.
Wo liegt die Spezialität des Orchesters?

GOETHALS Auf dem Begleiten der Chöre. Aber als Orchester haben wir vor einigen Jahren eine CD mit Lou Koster herausgebracht und in dieser Richtung wollen wir weitermachen und Werke von luxemburgischen Komponisten uraufführen . Ein anderer Teil ist eine sehr gute Zusammenarbeit mit dem Konservatorium Luxemburg, für welches wir regelmäßig die Dirigierklasse begleiten.

Vor welchen Herausforderungen haben Sie mit dem Orchester in vergangenen Jahren gestanden?

GOETHALS Es ist zum einen eine administrative Herausforderung, die ich anfangs allein erledigt habe. Seit zwei Jahren haben wir aber eine Konvention und können seitdem den Orchestermanager in Teilzeit bezahlen, die Stelle gab es schon vorher, nur als Viertelstelle. Eine andere Herausforderung betrifft die Arbeit mit den Chören: Die Chorleiter, mit denen wir arbeiten, sind häufig keine Orchesterdirigenten und das Dirigieren eines Orchesters läuft technisch ganz anders ab. Daher muss ich als Konzertmeister die Anweisungen des Chorleiters ergänzen und seine Wünsche und Ideen quasi für das Orchester übersetzen. Der Konzertmeister agiert als Schnittstelle zwischen Musikern und Dirigent. Das ist technisch schwierig auf die Reihe zu bringen und benötigt viel Fingerspitzengefühl, daher sind wir auch die Einzigen, die das so im Amateurbereich umsetzen.

Ermöglicht die Konvention mit dem Kulturministerium Planungssicherheit?

GOETHALS Ja, durch die Konvention seit 2015 erhalten wir regelmäßige finanzielle Unterstützung bis zunächst 2018. Das gibt eine gewisse Planungssicherheit, aber wir wären froh, wenn wir mehr hätten. Denn die Kosten für die Musiker werden von Auftraggebern, den Chören, getragen. Unser Ziel wäre, dass es für die Chöre billiger würde.

Für das Jubiläumskonzert wurde ein Kompositionsauftrag an Luc Grethen vergeben: Was wird da geboten?

GOETHALS Wir haben einen klassischen Teil mit Haydn und Beethoven, das ist unsere tägliche Arbeit in Konzerten, und des Weiteren stellen wir unsere eigenen Musiker in den Mittelpunkt, was von Anfang unsere Idee für die Jubiläumskonzerte war. Daher dirigiert mit Jehanne Strepenne eine Geigerin aus dem Estro das Stück, das von unserem Oboisten Luc Grethen geschrieben wurde. Das Stück ist zeitgenössisch, sehr rhythmisch und ein bisschen minimalistisch, es klingt betörend und erbaulich.


Das erste Jubiläumskonzert findet am 13. Oktober 2017, 20.00, in der Dekanatskirche Diekirch statt. Auf dem Programm stehen Stücke von Joseph Haydn, Luc Grethen und Ludwig van Beethoven, es singt das „Ensemble vocal Cantica“. Am 26. November, 17.00, folgt das zweite Konzert im Konservatorium mit Werken von Luc Grethen, Alexander Glazunov und Johannes Brahms. Je 20 oder 10 Euro an der Abendkasse.