LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Musical „Evita“ gastiert im Großen Theater in Luxemburg

Komponist Andrew Lloyd Webber fand die Lebensgeschichte von Eva Duarte (1919-1952) derart interessant, dass er ihr das Musical „Evita“ widmete, das 1978 in London Premiere feierte. Eva, die Evita genannt wurde, war in Buenos Aires Sängerin, Radiosprecherin und Schauspielerin, ehe sie den Offizier Juan Domingo Perón 1945 heiratete. Dieser wurde 1946 mit ihrer Unterstützung zum argentinischen Staatspräsidenten gewählt. Evita engagierte sich für die Ärmsten des Landes, die Descamisados („Hemdlosen“), die sie verehrten, während die Reichen des Landes sie hassten. Sie starb jung an einem Krebsleiden.

Die Produktion, die am Dienstag im Großen Theater in Luxemburg Premiere feierte, wurde bereits 2014 in London gespielt. Die von Bob Tomson und Produzent Bill Kenwright inszenierte Fassung wurde dann 2017 wiederaufgenommen. Nach Gastspielen in Deutschland, der Schweiz und Großbritannien, macht sie bis zum 31. Dezember einen Zwischenstopp in Luxemburg.

Zwei Revoluzzer

Im Musical ist es der kubanische Revolutionär Ernesto Che Guevara (Gian Marco Schiaretti), der die Geschichte Evitas erzählt und kommentiert. Historisch gesehen sind sich Evita und Che nie begegnet. Da Che aus Argentinien stammte, hielten es Lloyd Webber und sein Texter Tim Rice für eine gute Idee, diese zwei unterschiedlichen Revoluzzer in ihrer Show aufeinandertreffen zu lassen.

Das Musical beginnt mit einer Kinovorstellung, die mit der Nachricht von Evitas Tod unterbrochen wird. Dann erzählt Che die Geschichte des Aufstiegs von Evita (Madalena Alberto), die als Fünfzehnjährige mit dem Sänger Agustin Magaldi (Oscar Balmaseda) nach Buenos Aires kommt. Sie hat viele Liebhaber, wird als Model und Radiomoderatorin bekannt. Sie lernt Juan Perón (Jeremy Secomb) kennen und beide heiraten. Dank ihrer Popularität verhilft sie ihrem Mann zum Sieg bei den Präsidentschaftswahlen. Und sie wird zur mächtigsten Frau in Argentinien.

Kritische Blicke

Nach fast 40 Jahren seit seiner Uraufführung hat das Musical nichts an seiner Attraktivität und Aktualität verloren. Die Lieder der Show, wie unter anderem der absolute Evergreen „Don’t Cry for Me Argentina“ sowie „On This Night of a Thousand Stars“, „High Flying Adored“ oder „Another Suitcase in Another Hall“, haben nichts an ihren Ohrwurm-Qualitäten eingebüßt. Und es gibt immer noch politische Systeme, die sich einen Dreck um die Armut der Bevölkerungen scheren. Dass Evita eine umstrittene Person war, wird durch die Reaktionen des Militärs und der Oberschicht deutlich. Immer wieder ist es auch Che, der misstrauisch ins Publikum schaut, wenn Evita vorgibt, nur am Wohlstand der argentinischen Bevölkerung interessiert zu sein. Gian Marco Schiaretti ist ein überragender Che, der eine klare und kraftvolle Stimme hat, und mit der nötigen Ironie den Beobachter und speziell den oft stummen Kritiker spielt. Am Rande der Bühne hagelt es für ihn zweimal von in schwarze Mäntel gekleideten Männern Prügel.

Madalena Alberto war 2014 bereits Evita und kam in unterschiedlichen Abständen zur Show zurück. Am Anfang klingt ihre Stimme grell, unausgeglichen, da sie zuerst ein junges Mädchen spielt, das sich nach einem anderen, wohlhabenderen Leben sehnt. Als erwachsene Evita verändert sie ihre Stimme, die nun mehr Volumen erhält.

Bemerkenswert ist das Bühnenbild, das unter anderem aus Säulen, zwei seitlichen Treppen und dem Balkon der „Casa Rosada“ besteht, auf dem Evita den Hitsong der Show singt. Ohne Unterbrechung wechselt die Szenerie, so dass der Spielfluss nicht gebrochen wird.

Somit bietet diese Tourneeproduktion von „Evita“ großartige Unterhaltung, die man nicht verpassen sollte.

Weitere Informationen und Tickets unter www.theatres.lu