LUXEMBURG
MARCO MENG

„The Car’tell“ - Carsharing auf die ganz eigene Art

Renaud Kieffer und seine Partnerin Marie Guerre haben nicht nur zusammen ein Unternehmen gegründet, sondern damit zugleich einen Lebenstraum wahrgemacht: Während ein Golfclub Mitgliedern die Möglichkeit bietet, Golf zu spielen, bietet ihr Club „The Car’tell“ den Mitgliedern die Möglichkeit, mit den Autos des Clubs, hauptsächlich Oldtimer, zu fahren. Dabei haben die beiden Oldtimerbegeisterten beruflich einen ganz anderen Hintergrund - und für die eigene Firma, die Ende April an den Start ging, ihren alten Job gekündigt.

Die alte Arbeit aufzugeben, verursachte das nicht Bauchschmerzen?

Renaud Kieffer Wir glauben ganz fest an das, war wir tun, und die Idee ist, alles zu geben.

Eigentlich sind Sie Chemiker, stimmt das?

Kieffer Ja, eigentlich bin ich Ingenieur in der Chemie und habe zwei Ingenieursdiplome. Ich studierte in Lüttich und war danach zwei Jahre in Schweden. Dann bin von einer amerikanischen Firma geschnappt worden, wo ich im Vertrieb arbeitete und dort die ganzen Etappen absolvierte, zuerst als Sales Manager in Frankfurt am Main, dann in Südfrankreich arbeitete. Schließlich kam ich vor fünf Jahren zurück nach Luxemburg.

Weshalb kamen Sie zurück?

Kieffer Unser kleines Land hat mir gefehlt, ich wollte einfach wieder Verbindungen aufbauen und wieder Heimatluft schnuppern, nachdem ich fast zehn Jahre in verschiedenen Ländern, von der Schweiz bis nach China, unterwegs war. Also begann ich in Düdelingen zu arbeiten, zuerst dort bei einer Firma im Marketing, anschließend wurde ich Vertriebsleiter, was ich dann die letzten drei Jahre war.

Warum bricht man dann diesen erfolgreichen Karriereweg ab?

Kieffer Es war einfach der Moment gekommen, wo ich mir sagte, jetzt möchte ich einfach den nächsten Gang einlegen und das alles, was ich die vergangenen Jahre gelernt habe, umsetzen, und zwar mit meinem eigenen Geld etwas Eigenes zu verwirklichen. Eine Idee, die ich schon lange im Kopf hatte, und ich bin sehr sehr glücklich, dass meine Partnerin genau das gleiche dachte und denkt. Sie hat Finanzwirtschaft studiert und kam vor vier Jahren hierher nach Luxemburg, wobei wir uns schon vorher im Ausland kennengelernt hatten. Auch sie wollte schon immer etwas Eigenes starten. Das passte sehr gut zusammen, und vor allem auch die Leidenschaft, die wir gemeinsam hegen, und zwar für Autos.

So konnten Sie ihre persönliche Leidenschaft zur Profession machen.

Kieffer Ja. Eigentlich hatte es vor drei, vier Jahren damit angefangen, dass wir dachten: Schade, dass es so einen Club, der Oldtimers verleiht, hier in Luxemburg nicht gibt. Diese Idee haben wir dann immer weiter gesponnen... „Stell dir vor, wenn es hier so etwas geben würde, dann könnte man Roadtrips organisieren und Whiskeyproben und man könnte noch dies und man könnte das...“ Bis wir uns irgendwann sagten, gut, so etwas gibt es hier nicht - dann machen wir es halt einfach selbst. Das war vor ungefähr zwei Jahren.

Und wie haben Sie es dann umgesetzt?

Kieffer Wir stellten zuerst einen Geschäftsplan auf und machten eine Marktstudie, im Anschluss gingen wir auf die Suche nach Investoren.War es schwer, welche zu finden?

Kieffer Eigentlich nicht. Warum? Erstens standen wir nicht unter Zeitdruck, sondern wir wollten es gründlich und richtig machen. Und als wir dann zweitens über unsere Idee redeten mit Leuten, die wir gar nicht als mögliche Investoren betrachtet hatten, da waren die so von der Idee angetan, dass die gefragten haben: Wie ist es denn mit dem Geld? Braucht ihr Hilfe? So hat es angefangen. Unsere Idee hat sich verkauft, indem wir mit Leuten geredet haben und dabei eben auch welche trafen, die ebenfalls Oldtimer mögen und dann spontan entschlossen, in das Projekt zu investieren, nicht nur unbedingt mit Geld, sondern auch mit Ratschlägen, mit Kontakten und so weiter. Da hatten wir sehr viel Unterstützung. Und das kann ich auch nur jedem raten, der sich selbstständig machen und eine eigene Firma gründen will: Redet darüber.

Wie genau funktioniert The Car’tell?

Kieffer Der Club kauft exklusive Autos, vor allem Oldtimer. Unsere Mitglieder zahlen ihren Mitgliedsbeitrag und erhalten dafür eine bestimmte Anzahl von Punkten zum Reservieren und Fahren dieser Fahrzeuge. Der Mini, den wir haben, braucht beispielsweise weniger Punkte als der Porsche Speedster oder der Morgan Threewheeler. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ohnehin ist es schwierig, Oldtimer, die wirklich in Schuss sind, zu bekommen, und als Mitglied brauche ich mich nicht um Unterhalt, Reparatur und so weiter zu kümmern, auch für jüngere Leute sind damit Oldtimer interessant. Hinzu kommt der Club an sich: In unserem Clubhaus in Hollerich haben wir nicht nur auf den 750 Quadratmetern Fläche die Autos stehen, sondern hier gibt es auch eine Bar, eine Lounge, ein Ort, wo die Mitglieder sich entspannen, sich unterhalten oder feiern können. Das ist das, was Marie und mich motiviert: Das Drumherum mit Ausflügen und Veranstaltungen zu schaffen. Wir wollen kein Club für die „Elite“ sein.

Das klingt nach viel Arbeit. Und wie war es mit dem Besorgen der Fahrzeuge?

Kieffer Das war auch zum Teil recht schwierig, in halb Europa waren wir mit unserem Mechaniker unterwegs, um gute Autos zu finden. Um die elf Autos zu finden, die wir jetzt haben, haben wir uns hunderte angeschaut.

Wie viele sollen es insgesamt werden?

Kieffer Ziel sind um die 20 Autos, die möchten wir in den nächsten zwei, drei Jahren haben, und rund hundert Mitglieder. Wir möchten guten Service bieten, und wenn es zu viele Mitglieder wären, würde das schwer werden, und wir bräuchten dann natürlich auch mehr Autos.

www.thecartell.lu