LUXEMBURG
MARCO MENG

Die Bedeutung der EZB für den Finanzplatz Frankfurt

Als „Trostpflaster“ dafür, dass Deutschland die D-Mark aufgab und den Euro einführte, erhielt die deutsche Bankenmetropole Frankfurt am Main den Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) zugesprochen. Auch die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen (EIOPA) ist dort angesiedelt, nicht zu vergessen die Deutsche Börse und die deutsche Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin. Grund für viele internationale Kreditinstitute, die bislang ihr Europageschäft von London aus führten, nach dem Brexit die Mainmetropole als neuen EU-Sitz zu wählen, obwohl unlängst Paris die EU-Bankenaufsichtsbehörde EBA zugesprochen wurde.

Rund 20 Banken - hauptsächlich amerikanische und japanische Häuser - haben darum bekanntgegeben, ihr Geschäft am Finanzplatz Frankfurt auszubauen. Nicht zuletzt wegen der Nähe zur EZB hat auch der europäische Bankenverband „European Banking Federation“ 2015 in Goethes Geburtsstadt ein Büro eröffnet.

Nach der Brexit-Entscheidung hat die US-Großbank Goldman Sachs ihren Investmentbankern mitgeteilt, dass ihre Zukunft in der deutschen Finanzhauptstadt liegen soll. Das Unternehmen hat bereits beschlossen, 1.000 seiner 6.000 noch in der „City of London“ tätigen Mitarbeiter nach Frankfurt zu bringen. Die britische Standard Chartered Bank und die schweizerische UBS errichten ihre Europa-Zentralen in der Mainmetropole. Mit Nomura, Daiwa Securities, Sumitomo Mitsui und der Mizuho Financial Group haben sich vier japanische Institute für das deutsche Finanzzentrum entschieden. Auch die beiden US-amerikanischen Institute Citigroup und die Silicon Valley Bank haben sich für das deutsche Finanzzentrum ausgesprochen, ebenso die russische VTB und die koreanische Woori Bank. Die Deutsche Bank, die gegenwärtig einen Großteil ihrer Geschäfte über London bucht, plant die Verlagerung wichtiger Funktionen an ihren Frankfurter Hauptsitz.

„Place to be“

Für Frankfurt sprechen die sich bereits vor Ort befindlichen internationalen Geldhäuser sowie die EZB, die nicht nur Zentralbank des Euro, sondern auch oberste Aufsichtsbehörde für systemrelevante Banken ist. Die Favoritenrolle des deutschen Finanzzentrums im Brexit-bedingten Umstrukturierungsprozess beruhe darauf, dass laut der Heleba-Studie „Finanzplatz-Research“ Frankfurt das führende Finanzzentrum Kontinentaleuropas sei. Mitte 2017 betrieben rund 160 Auslandsbanken ihre Geschäfte von Frankfurt aus. Die EZB erweise sich als Garantz für „eine langfristige Attraktivität des Frankfurter Bankenstandorts. „Die Nähe zur EZB ist ein wichtiges Argument bei der Standortentscheidung vieler in- und ausländischer Banken“, heißt es in der Studie. Die Interessenvereinigung „Frankfurt Main Finance“ schätzt das Potenzial der Brexit-Banker auf bis zu zehntausend neue Arbeitsplätze für Frankfurt im Finanz- und unmittelbar zugehörigen Dienstleistungssektor, basierend auf einer Studie der WHU - „Otto Beisheim School of Management“. Damit hätte Frankfurt rund 65.000 Bankbeschäftigte. Für die Rhein-Main-Region bedeutet das neue Bewohner, ähnlich wie 1998, als sich die ersten der mittlerweile knapp 2.500 Mitarbeiter der EZB dort niederließen, und für die Stadt Frankfurt selbst ein Plus an Steuereinnahmen von mehr als 190 Millionen Euro jährlich.

Die EZB selbst will im laufenden Jahr rund 170 Mitarbeiter für die Bankenaufsicht „Single Supervisory Mechanism“ (SSM), die im alten EZB-Euro-Tower ihren Sitz hat, einstellen. Ein Grund ist die zusätzliche Arbeitsbelastung, die der Austritt Großbritanniens aus der EU mit sich bringe, teilte die EZB mit.