LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Was Unternehmen und ihre Mitarbeiter zu Weihnachten Gutes tun

Weihnachten, das Fest der Liebe, aber auch der Besinnung ist längst mehr als ein Familienfest. Viele Unternehmen veranstalten besondere Aktionen vom Weihnachtsmarkt bis zur Spielzeugsammlung. Besonders jene, deren Glasbauten und schicke Bürofluchten etwas ganz anderes vermuten lassen, wollen sich das Engagement nicht nehmen lassen. Oft ist der „Corporate Responsibility Officer“ oder die Personalabteilung dafür zuständig, was wie gemacht wird. Ganz häufig aber sind es auch Mitarbeiter, die sich schon selbst engagieren und die Unternehmensleitung für ihren Verein oder ihre Sache begeistern wollen. Auffällig ist: Besonders für junge Mitarbeiter unter 30 Jahren gehört soziale Verantwortung ganz einfach dazu. Wir haben uns in Luxemburg umgeschaut.

Weihnachten mit Obdachlosen feiern

Allen & Overy unterstützt die „Stëmm vun der Strooss“

Luxemburg Allen & Overy ist eine große Rechtsanwaltskanzlei in Luxemburg, deren Büros weltweit vertreten sind. Weihnachten 2017 allerdings schlüpften einige Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in eine andere Rolle und heuerten als Personal für die Garderobe an. „Wir haben zum vierten Mal bei der Weihnachtsfeier der ‚Stëmm vun der Strooss‘ mitgemacht“, berichtet Personalchefin Magali Maillot. Neben rund fünf Mitarbeitern, die von Anfang an dabei sind, kommen weitere vier bis fünf dazu. „Das gibt uns die Möglichkeit, sie herzlich zu empfangen. Aber wir haben auch Essen serviert, mit ihnen getanzt und diskutiert“, berichtet Maillot. Eine Mitarbeiterin bastelte mit Kindern Papp-Tannenbäume. „Uns ist wichtig, dass es lokal ist und dass wir wirklich helfen“, betont die Personalchefin.

Die menschlichen Begegnungen prägen. Da ist der Obdachlose, der innerhalb von vier Jahren erst die Frau, dann den Job, dann den Sohn und schließlich auch sein Haus verlor. „Da merkt man, wie schnell es gehen kann“, gibt Maillot zu bedenken. „Das, was wir in der Kanzlei sehen, ist natürlich eine andere Welt.“ Viele Mitarbeiter reagierten sehr betroffen. Großartig seien die Reaktionen der Gäste. „Die Wertschätzung ist sehr immens. Wir reden oft noch mit ihnen, wenn sie die Jacken abholen. Das ist herzwärmend“, stellt die Personalchefin fest. Ihr Arbeitgeber stellt übrigens einen Scheck von 10.000 Euro aus, mit dem der größte Teil der Ausgaben für die Weihnachtsfeier der „Stëmm vun der Strooss“ beglichen werden kann.

Neben der Aktion für die „Stëmm vun der Strooss“ veranstaltete Allen & Overy dieses Jahr intern einen Wettbewerb dazu, wer den hässlichsten Pulli hatte. Die Teilnehmer sammelten 80 Euro - nicht viel, aber ein Beginn. Der Gewinner kann sich nun einen Verein aussuchen, dem das Geld zu Gute kommt.

Die ganze Kanzlei ist weihnachtlich geschmückt mit Adventskränzen und -gestecken. Rund 30 von ihnen verbreiten Vorweihnachtsstimmung - und sie helfen. „Die kaufen wir bei der ‚Fondation Autisme‘“ berichtet Maillot. Die Personalchefin hat darüber hinaus rund zehn Mitarbeiter mit unterstützenden Funktionen während der Arbeitszeit freigestellt, damit sie für „SOS Village d’enfant“ im City Concorde Shopping Center Schals und andere Dinge verkaufen und beim jährlichen Weihnachtsessen des Vereins mithelfen.

Solche Aktionen kommen gut an. „Die Mitarbeiter erwarten, dass wir ein karikatives Engagement zeigen. Das verändert auch die Atmosphäre im Unternehmen; die Leute sind stolz darauf, hier zu arbeiten“, beobachtet die Personalchefin.

Ehrenamt zum Fest

ArcelorMittal stellt Mitarbeiter frei

Luxemburg Der Stahlkonzern schreibt „Corporate Responsibility“ groß. „Deshalb haben wir den Mitarbeitern im Rahmen der internationalen Benevolatswoche vorgeschlagen, in einem Verein oder einer Kooperative zu arbeiten“, berichtet Pascal Moisy, der für das Thema verantwortlich ist. So gingen rund zehn Mitarbeiter zur Kooperative „Ouni“, die sich dem Verkauf von Waren ohne Verpackung verschrieben hat. Dort waren sie während ihrer Arbeitszeit freigestellt, um zu helfen. Andere unterstützten die „Jonk Entrepreneuren“, einen Verein, mit dem ArcelorMittal auch sonst viel zusammen arbeitet. In der Vorweihnachtszeit halfen ArcelorMittal-Mitarbeiter Schülern, ihre „Mini-Entreprise“ erfolgreich zu machen. Darüber hinaus findet noch eine Spielzeugsammlung statt. Die rund drei Kubikmeter Spielzeug, die dieses Jahr gesammelt wurden, gingen an „Wildgen 4 children“, eine Aktion der Anwaltskanzlei Wildgen.

Ein Weihnachtsmarkt im neuen Haus

Marc Mischo organisiert bei Arendt & Medernach karikative Aktionen

Luxemburg Marc Mischo ist Direktor für Gebäude, Logistik & Gastlichkeit der großen Kanzlei. Zu seinen Aufgaben gehört auch die Organisation karikativer Aktionen zu Weihnachten. „Wir beginnen acht Monate vorher mit den Vorbereitungen“, berichtet er. Auf der Terrasse des neuen Gebäudes am Boulevard J.F. Kennedy ist ein Chalet aufgebaut, Zelte und Stände locken eine Woche lang zum Verweilen. „Am letzten Tag hat der Choral, in dem die Mitarbeiter unseres Hauses singen, hier ein Konzert gegeben. Das war eine ganz besondere Stimmung“, erinnert sich Mischo an den Markt, der in diesem Jahr in der letzten Novemberwoche veranstaltet wurde.

„Den Weihnachtsmarkt veranstalten wir erst, seit alle rund 600 Mitarbeiter im neuen Gebäude unter einem Dach vereint sind. Er ist auch die Gelegenheit zum geselligen Zusammensein“, erzählt Mischo. Darüber hinaus unterstützt Arendt & Medernach jedes Jahr einen seiner anderen Vereine. „Jedoch müssen die Ziele immer Kinder und meistens mit Bildung zu tun haben“, unterstreicht Mischo.

In diesem Jahr profitiert „Pour un Sourire d’Enfant“ von den 6.402 Euro, die eingenommen wurden. „Der Verein unterstützt Kinder in extremer Armut in Kambodscha. Der Präsident hat den Mitarbeitern freitagabends alles erklärt; das Interesse war groß“, hat der Direktor Manager beobachtet. „Sie haben erfahren, dass die Roten Khmer die Familien systematisch zerstört haben und jetzt eine zweite Generation heranwächst, die gar nicht weiß, was das ist: Familie.“ Damit auch klar wird, was mit dem Geld passiert, hält Arendt&Medernach seine Mitarbeiter anschließend auf dem Laufenden darüber, was mit dem Geld passiert.

Das Geld kommt zusammen, weil Unternehmen, mit denen die Kanzlei zusammen arbeitet, rund 150 Geschenke spenden, die in eine Tombola mit 1.700 Losen kommen, die für 3 Euro an die Mitarbeiter verkauft werden. Darunter sind auch Gewinne wie Flugreisen, Restaurantbesuche für rund 300 Euro oder ein Aufenthalt im 5-Sterne-Hotel. Darüber hinaus spendiert der F&B Partner für Speisen und Getränke das, was in den Chalets und Zelten für das leibliche Wohl verkauft wird.

Eine Werbeabsicht sieht Mischo nicht in dem Ereignis. „Es ist wirklich eine Kulturfrage. Bei unserem Weihnachtsessen hat Guy Harles das Thema Engagement angesprochen und auf den Weihnachtsmarkt verwiesen. Es geht darum, etwas für andere zu tun.“ Eines hat sich allerdings schnell gezeigt sagt Mischo: „Für die junge Generation ist es selbstverständlich, dass sich ein Unternehmen engagiert. Das erwarten sie.“

Spielzeug für Kinder

EY sammelt, der Nikolas belohnt die Spender

Luxemburg Weihnachten ist bei EY eine besondere Zeit für Kinder. Denn seit 2010 kommen die Kinder der Mitarbeiter zum Nikolaus-Fest zusammen und spenden ihr Spielzeug für jene Kinder, die nichts haben. Dabei kann es sich um gebrauchtes oder neues Spielzeug handeln. Als Dank erhalten sie Süßigkeiten vom Nikolaus. Die Kinder sind mächtig stolz auf ihre direkte Hilfe. Aber auch Mitarbeiter ohne Nachwuchs unterstützen die Aktion. Die Kollekte dauert den ganzen Monat Dezember über an. So kommen rund 500 Spielsachen und Bücher zusammen. Da EY seit 15 Jahren ununterbrochen mit „SOS Village d’Enfants“ zusammen arbeitet, werden sie in ein SOS-Kinderdorf nach Afrika geschickt. In diesem Jahr freuen sich Kinder des SOS Kinderdorfes in Kankan in Guinea über die Spende. Die Spielzeugsammlung ist nur eine von vielen karikativen Aktionen der Wirtschaftsprüfer- und Steuerberaterkanzlei. Aber eine, die Weihnachten immer für leuchtende Kinderaugen sorgt.